? Sie vaguiren aus einem Extrem in das andere . Werden Sie denn niemals ein Genügen finden ? Sie wissen , ich respectire Ihre Alluren , indessen dies scheint mir doch fast zu extravagant . Sie , Sie , theure Gräfin ! wollten die rosigen Händchen mit Blut beflecken ? Aber wo wollen Sie denn enden ? « Es war die längste Rede , welche Fürst Callenberg jemals gehalten , das erste Raisonnement , das ich jemals von ihm gehört hatte . Auch wirkte es auf mich wie das maiden-speech eines immer schweigenden Parlamentsmitgliedes . Ich sah , wie sehr der Fürst mich lieben müsse , um zu einer Demonstration verleitet zu werden , die so ganz außer den Grenzen seiner Natur lag . Deshalb nahm ich mir die Mühe , ihm zu antworten , was ich nicht immer that . » Sie fragen mich , lieber Fürst ! wann ich Ruhe und Genügen finden würde ? Sehen Sie das Leben meiner Mutter und meiner Tante Faustine an und antworten Sie sich selbst . Wir sind die Incarnation der Rastlosigkeit , der Leere , des Müßigganges unserer Tage ; wir sind die weiblichen ewigen Juden , auf uns ruht ein Fluch , wir sind tragische Gestalten , Vampyrnaturen - und doppelt destructiv , weil wir das Bewußtsein davon haben , weil eine Eiseskälte des starrsten Egoismus uns unverwundlich macht . Sehen Sie denn nicht , Alles um mich her geht zu Grunde , die Herzen brechen und verbluten sich , wohin ich wandernd komme , und ich muß fort , immer weiter fort - o , darin liegt aber ein furchtbares Malheur ! « rief ich , und warf mich in Verzweiflung dem Fürsten an die Brust , in heiße Thränen ausbrechend . Der Fürst hatte mich nie eblouirender gesehen , als in diesem Momente . Er schloß mich an sich und sagte : » O , meine Diogena ! dürfte ich Dich ewig so halten , dürfte ich meine Arme einen Talisman sein lassen , der Dich einfriedete in eine andere Welt ! « Die enorme Liebe machte ihn fast beredt . Eine Weile ruhte ich an seinem Herzen , dann richtete ich mich empor und sagte : » O , wiegen Sie mich nicht ein in Reverien von Glück und Ruhe , die für mich nicht existiren ; meine tragische Mission ist noch lange nicht beendet ; ich muß fort und suchen , wo ich den Rechten finde . Und nun lassen Sie uns eilen , zu dem Ball bei dem Ambassadeur , ich bin zu allen Contretänzen engagirt . « Zwei Tage darauf waren alle meine Befehle erecutirt und der anatomische Cursus begann . Ich ward der Wissenschaft mit unglaublicher Leichtigkeit Herr , meine kleinen Händchen kamen mir wunderbar bei dem Präpariren zu Statten . Mit derselben Perfection , mit der ich früher die elegantesten Decoupuren von schwarzem Papier gefertigt , machte ich jetzt die feinsten Nervenpräparate , spritzte Venen aus und secirte die zartesten Zellgewebe . Mein Lehrer war in der vollsten Admiration dieses stupenden Talentes . Vorzüglich aber interessirte mich das Herz , als wir nach einigen Tagen uns damit zu beschäftigen anfingen . Es tentirte mich , diesen Muskel , in dem sich unsere sublimsten Sensationen vibrirend kund geben , in seinen minutiösesten Details zu kennen und ich arbeitete noch fort , als schon die Dämmerung begann und Friedrich sein Messer aus der Hand legte . » Lassen Sie uns aufhören , gnädige Gräfin ! « sagte er , » es wird zu dunkel . « » O , dunkel ist Alles ! « rief ich achtlos aus . » Alles ? « fragte Friedrich - » auch Ihr sonnenhelles Dasein ? « » Unseliger ! müssen Sie mich daran mahnen ? « Ich hatte die kleine Aermelschürze von dunkelm Taffet abgeworfen , die ich bei der Arbeit trug , und war aus dem Cabinet in mein Boudoir getreten . Rosalinde präsentirte mir ein Lavoir von Sèvresporzellan , in dem ich mich säuberte , reichte es dann Friedrich , goß Odeurs über unsere Hände , parfumirte das Zimmer und entfernte sich . Ich warf mich in einen Fauteuil zunächst dem Kamin , gab Friedrich ein Zeichen , sich ebenfalls niederzusetzen , kreuzte meine Füßchen auf dem Tabouret vor dem Feuer , dessen Gluth mich beschien , und beobachtete in halber Distraction den schweigsamen Friedrich , dessen Auge mit Spannung all meinen Bewegungen folgte . » Frau Gräfin ! « sagte er endlich , » wissen Sie wol , daß Sie mich meiner Wissenschaft abwendig machen ? Ich werde nicht mehr wiederkehren dürfen . « » Wie das ? « » O , ich empfand es gestern , Frau Gräfin ! ich kann nicht mehr seciren . Ich sehe Nichts als Sie . Ich kann die Spitze meines Messers nicht mehr in die Iris einer Pupille stoßen , ohne daß mir Ihr wundervolles Auge vorschwebt . Meine Hand zittert , meine Gedanken verwirren sich , Ihr Name schwebt auf meinen Lippen , ich werde zerstreut , meine Schüler kennen mich nicht wieder . « » So werden Sie mindestens wieder den Reiz der Neuheit für dieselben haben . « » Sie scherzen , « sagte Friedrich , » und doch spreche ich ernsthaft über eine heilige , ernsthafte Empfindung . Wollen Sie mir die Güte erzeigen , mich anzuhören ? « » Mit wahrem Interesse für Alles , das Sie berührt , lieber Friedrich ! « » So hören Sie ! Ich habe Ihnen gesagt , daß ich einsam aufgewachsen bin , in Noth und Arbeit , daß ich mir langsam und stufenweise den Weg gebahnt habe zu der Stellung , die ich jetzt einnehme und die mir bis vor wenigen Tagen genügte , all meinen Forderungen und Wünschen entsprach . Ich lebte ein ernstes Dasein mitten in dem Vergnügungswirbel und mitten unter dem wilden Lebensstrudel von Paris , ganz meiner Wissenschaft angehörend mit dem Geiste , ganz dem Volke mit meinem Herzen . Es