, da ich , wie Babet sagt , absolument seinen Vetter Albert nehmen soll . Ich höre das alles an , sage nicht ja , nicht nein . Nun wird der General zornig und fragt : Misfällt dir sein Aeußeres ? - Gar nicht , Papa . - Ist er nicht gebildet , wohlhabend , Graf ? Was kann in seinen Verhältnissen dich abschrecken ? - Rien au monde , papa . - Hast du irgend eine andere Neigung ? - Für den Augenblick , nein , Papa . Nun ging ein entsetzliches Donnerwetter über meinen Uebermuth los . Ach , Herzens-Anna ! sie redeten alle so in mich hinein , Albert war so außerordentlich zärtlich , schön , glücklich , dazu war es himmlisches Wetter , man konnte an einem solchen Tage Niemand betrüben . - Da habe ich vermuthlich ja gesagt ; denn gleich darauf ging ' s an ein Herzen , Küssen , Danken , Gratuliren daß es eine Lust war . Nach der Hochzeit der Cousine machten wir alle eine kleine Reise nach Trier , Albert immer mit ; wir sahen schöne Alterthümer und unverfängliche Leute ; es ging prächtig . Gerade unter der Porta nigra überkömmt mich der alte Ennui . Ich fange an zu experimentiren , gerade wie in der Pension . Bald servire ich ihm heiß , bald kalt , bald glüht er , daß er fast besinnungslos zu meinen Füßen liegt , bald schilt er mich , wird bitter , heftig , scharf , schroff . Das war doch nun wirklich endlich eine Abwechselung , und ich bitte ihn um Verzeihung . Aber mit einem Mal wird mir ' s fatal - aber ganz fatal - ich begegne einem jungen Manne ; er grüßt her , ich grüße hin . Ach , lieber Engel ! es war eine so unschuldige Liebesgeschichte , Mädchen von vierzehn Jahren könnten sie lesen . Wird mir mein Verlobter wild , aber wild wie ein Türke . Geiersperg hält lange wohlgesetzte Reden , Mama macht Vorstellungen , Babet sagt : Aber wenn nun das gnädige Fräulein durchaus nicht mögen , da thäte ich ' s absolument nicht ! Babet hat den Stein der Weisen gefunden , denke ich , und kurz , wie wir eben von St. Bern-Kastell aus das himmlische Moselthal entlang schauen , sage ich : Albert , wir wollen es doch lieber gut sein lassen , wir passen doch nicht für einander ! Und wie nun so recht das Lamento und die ganze betrübte Geschichte im Gange sind , fängt mir der Mensch an zu weinen . Großer Gott ! - denke ich , das Weinen halte ich nicht einmal von der Babet aus , wenn sie ein Battisttuch versengt hat , sondern schenke es ihr immer lieber , damit sie nur gleich aufhört - was soll daraus werden ? Ehe ich mich noch besinnen kann , heirathe ich einmal in solch einem Accès den Vetter Albert frischweg und muß mich hinterher wieder von ihm scheiden lassen . Das geht nicht ! Und da fiel mir wie ein Lichtstrahl meine Anna ein , mit ihrer festen , treuen , starken Seele , und mein verehrter schöner Onkel , dem ich nicht die Hand , aber die Stirn küsse - halt ! denke ich , nach Bern fährt gewiß ein Eilwagen , oder du nimmst einen Char à banc , die Babet packt so etwas nothwendigstes Zeug zusammen , und du flüchtest zur Tante Anna . Gesagt , gethan ; wir erreichen Abends Kehl , Straßburg gegenüber , wo wir übernachten sollen , wir trennen uns ziemlich spät ganz doloros und schwärmerisch ; Geiersperg geht glorreich davon , weil er mich wieder einmal durch die Kraft seiner gediegenen Gründe besiegt , gedemüthigt und so zu sagen total herumgekriegt hat ; Mama denkt Alles geschlichtet zu haben und geht ihrerseits mit ihrem Compensations- und Nivellirungssystem zu Bette ; Albert küßt mir die Hände ; ich , ich lasse alles gut sein ; wie sie aber sämmtlich in ihren Kammern sind , schreibe ich , wie ' s Maidli am Brünnli , meinem Schatz den allerletzten Abschiedsbrief , schleiche früh um vier Uhr , in der Morgendämmerung , ganz sachte mit der Babet und ihrem Päckchen zum Hause hinaus und sitze nun in Solothurn . Hier habe ich fürs Erste ausgeschlafen , dann mir die Gegend durch ' s Fenster beschaut , und von fern , aber nur ganz von fern , kann ich den Montblanc erblicken . Die Solothurnerinnen tragen häßliche Mützen . Hier im Hause ist eine Dirne aus Schwyz , diese hat eine schwarze Flügelhaube von Spitzen auf , die auf ihrem Kopfe wie ein dunkler Schmetterling aussieht , der auf einer Rosenknospe sitzt ; das allerliebste Gesichtchen ist das einzige Lustige , was mir bis jetzt hier vorgekommen . Die Solothurnerinnen sehen alle entsetzlich fromm und ehrbar aus ; die Stadt ist winklig und schmutzig : das hat mich zur Reflexion gebracht . Ich will doch lieber hier warten , bis ihr mich holt . Daß ich mit der Babet über Nacht allein im Wirthshause geblieben , mag wirklich unpassend genug sein , und nun ich aufgewacht bin , fürchte ich mich fast ; die Leute sehen einen so besonders an . Wir haben gleich gefragt , ob der Onkel noch nicht da sei und gethan , als ob wir ihn erwarteten . Zögere nicht , lieber Engel , schicke schnell Duguet mit Pferden und Wagen - oder komme selbst zu Deiner thörichten Leontine . « Otto war bei Annen , als sie den Brief empfing . Lies ! sagte sie , ihm denselben reichend , ich muß doch sogleich hin . Ohne weitere Erklärung verließ sie das Zimmer , um die nöthigen Reiseanstalten zu treffen . Duguet ist mit dem Grafen fort , und sie will allein in der Nacht fahren ? schoß es ihm durch die Gedanken . Er eilte ihr nach ; sie stand im Vorzimmer , von ihren Leuten