und Dir selbst in ' s Reine zu kommen , und - wenn Du dulden mußt , dulde schweigend . Das ist der einzige Rath , den ich für verheirathete Frauen habe . Im Frühjahr sehen wir uns , wie ich hoffe , wieder ; mögen dann mit dem Winter auch Deine Grillen verschwunden sein . Du warst ein kluges , kräftiges Mädchen ; halte Dich , wie eine brave Frau soll , und schweige , mein Kind ! damit Du in den Himmel kommst . Gott erhalte Dich , und gebe uns ein frohes Wiedersehen , wie es herzlichst wünscht Deine treue Tante . Dieser Brief verursachte Clementinen die lebhafteste Betrübniß . Sie hatte in der Verwirrung ihrer Seele keinen andern Ausweg gewußt , als die Tante zu ihrem Beistande herbeizurufen . Robert gänzlich zu vermeiden , war in ihren Verhältnissen unmöglich , ohne daß Meining es bemerkte ; fast täglich traf sie mit dem Geliebten zusammen und litt unsäglich , wenn sie ihren Gatten so freundlich gegen Thalberg sah . Sie hätte Meining Alles bekennen mögen , ihn bitten , mit ihr fortzugehen , damit sie dieses Elends ledig würde . Je mehr ihr Herz an Robert hing , je mehr Liebe sie dadurch ihrem Manne entzog , je mehr fühlte sie das Bedürfniß , demselben dienstbar zu sein , sich vor ihm zu demüthigen , und ihn durch jede mögliche Aufmerksamkeit für die entzogene Liebe zu entschädigen . Wenn dann Meining erfreut und dankbar für so viel Zuvorkommenheit und Güte , sie in seine Arme schloß oder sie küßte , hätte sie vor Scham vergehen mögen ; besonders wenn sie bemerkte , wie dann Robert ' s Auge auf ihr ruhte , wie er die Farbe wechselte , und düster wurde und nicht Ruhe fand , bis Meining sich entfernte . Auf die Tante war ihre letzte Hoffnung gerichtet . Dieser ruhigen Frau ihr Leiden zu klagen , schien ihr der einzige Trost , und da Frau von Alven nur wenig ausging , hoffte Clementine darin eine Entschuldigung zu finden , wenn sie selbst sich in ihre Häuslichkeit zurückzöge . Aber Frau von Alven verweigerte für ' s erste den Besuch , Clementine blieb mit ihrem Kummer allein , und wußte Nichts zu thun , als die Kreise , in denen sie Robert zu begegnen glaubte , so wenig als möglich zu besuchen . Anfänglich schien Thalberg das zu billigen , und nur die unverkennbare Freude , mit der er sie jedesmal wiedersah , verrieth ihr , wie schwer er sie vermißt hatte . Grade das Entbehren aber reizte und steigerte seine Leidenschaft auf das Höchste , und bald versuchte er ebenso eifrig Clementinen zu begegnen , als sie ihn zu vermeiden strebte . Wo er sie nur irgend vermuthen konnte , fehlte er niemals , und wenn sie sich nur für einen Augenblick im Theater oder auf der Promenade zeigte , war er sicher an ihrer Seite . Gelang es ihm , trotz alle Dem , ein paar Tage hindurch nicht , sie zu sehen und zu sprechen , hatte sie seine häufiger werdenden Besuche nicht angenommen , so wußte er sich durch den Geheimrath selbst eine Einladung zu verschaffen , und Clementine hatte nicht den Muth , ihm deshalb zu grollen . War er doch so glücklich in ihrer Nähe ! Sie hätte ihm mit Freuden ihr Leben geopfert und wagte nicht ihm einen Blick oder ein freundliches Wort zu gönnen , weil sie , unaufhörlich gegen ihr Herz kämpfend , den Glauben in sich zu erhalten suchte , sie werde Robert ' s mit Ruhe gedenken , wenn sie ihn nicht mehr sähe , und es werde ihr gelingen , sich ihrem Manne zu erhalten . Zwölftes Capitel Fast in jedem Winter sind es nur eine kleine Anzahl von Personen , welche zum Mittelpunkte der Gesellschaft werden und die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich ziehen , Frauen sowol als Männer ; und sind diese Letzteren jung und liebenswürdig , so kann es nicht fehlen , daß sich die Augen der Mütter liebreich auf sie richten und die der Töchter sich schmachtend niederschlagen . Die Stellung eines reichen Heirathskandidaten wird dadurch zu einer sehr unterhaltenden , wenn sein Herz frei und er in der Laune ist , die kleinen Intriguen zu beobachten , die gesponnen werden , um ihn zu fesseln . Freundlichere Augen , süßeres Lächeln sah aber selbst Rinaldo nicht in Armiden ' s Gärten , als sie jeden Abend Thalberg erblickte , wohin er trat . Seine Erscheinung hatte in dem Kreise ein gewisses Aufsehen gemacht ; und seine Equipage , seine schönen Pferde hatten nicht dazu beigetragen , das Interesse zu vermindern , welches er eingeflößt hatte . Leider schien es aber , als ob für seine mächtigen klaren Augen die jungen Mädchen gar nicht vorhanden wären . Kalt und höflich bewegte er sich in ihrer Mitte , ohne irgend eine der Schönen auszuzeichnen , so daß endlich eine der älteren Damen , welche eine einzige Tochter hatte , sich entschloß , ihre Wünsche der Geheimräthin unter dem Siegel der Verschwiegenheit zu enthüllen . Die Staatsräthin war reich , ihre Johanna , eine hübsche , frische Blondine , von der klugen Mutter auf das Sorgfältigste erzogen und mit einem Worte » eine vortreffliche Partie « . Die Staatsräthin sah , daß Thalberg viel im Meining ' schen Hause und anscheinend mit Clementinen befreundet war ; sie entdeckte ihr also , nach einer langen und vorsichtigen Einleitung , daß sie lebhaft wünsche , ihre Johanna , die nun neunzehn Jahre alt sei , zu verheirathen . Sie ist , wenn ich einmal sterbe , sagte sie , ganz verwaist , und ich brauche Sie nicht zu versichern , daß mich dieser Gedanke oft beunruhigt . Nun gestehe ich Ihnen , daß mich Thalberg in jeder Beziehung anspricht ; sein feines , geistreiches Wesen ist zutrauenerweckend , und grade Das , was manchen Frauen an Thalberg mißfällt , das kalte Betragen gegen junge Mädchen