den Bettlern Faulheit vorwerfen , hoschen und doppeln sie einem ja manchmal schon vor fünf Uhr an der Türe . Genug , Christen wollte zu seinem Kaffee Kuchen haben , und Änneli sagte : » Kuchen ist keiner mehr , aber ich will dir lings Brot holen . « » He , das wäre kurios , wenn kein Kuchen mehr da wäre « , sagte Christen , » es ist ja gestern noch so viel übrig geblieben . Gehe du , Annelisi , du wirst wohl noch finden . « » Du hast gehört « , sagte Änneli , » es ist keiner mehr , und du brauchst das Meitschi nicht zu schicken , wenn ich es dir sage . « » Aber wo ist denn der Kuchen hingekommen ? « fragte Christen . » Er ist einmal nicht mehr da « , sagte Änneli . » So , geht das nun so « , brach Christen los , » fressen einem Die Bettler den Kuchen vor dem Maul weg ? Brot ist nicht mehr gut genug für sie . Es wird bald dahin kommen , daß wir nicht einmal Brot mehr haben , wenn die Bettler uns den Hof gefressen . Aber so geht es , wo die Frau den Bettlern die Sache besser gönnt als dem Mann und den Kindern . « » Ich weiß gar nicht , warum du heute Kuchen willst « , sagte die Frau , » das ist nur um zu zanken , es ist manchmal übrig geblieben und du hast keinen begehrt , so daß er zuschanden gegangen wäre , wenn ich ihn nicht weggegeben hätte . Wenn ich dir anbot , hast du gesagt , du liebest alten Kuchen nicht . « » Selb ist nicht « , sagte Christen , » aber du begehrst mich auf Die Gasse zu bringen oder ins Grab , du - « . » Vater , Vater « sagte Resli , » denket , es ist heute heiliger Sonntag , und was werden die Leute sagen , wenn sie hören , daß wir wieder Streit haben . « » Aber was braucht die Mutter den Kuchen fortzugeben « , sagte Annelisi , » sie hätte doch wohl denken können , der Vater nehme noch . « » Und was hast du dareinzureden « , sagte Resli , » die Mutter hat gewußt , was sie zu machen hat , ehe du dagewesen bist . « » Ich habe so gut das Recht , dareinzureden , als du « , sagte Annelisi , » und lasse mir von einem Solchen , wie du einer bist , nicht befehlen . « » Wie bin ich denn einer ? « fragte Resli . » He , einer , daß wenn man mit den Schuhen an ihn gekommen wäre , man sie wegwürfe aus Grusen , man sei vergiftet . « » Wart , du Täsche ! « rief Resli und wollte hinter das Meitschi her . Das floh hinter den Vater und brüllte jämmerlich , der Vater donnerte auch . Da tat die Mutter , welche hinausgegangen war , als Resli vom heiligen Sonntag redete , die Türe auf , welche aus der Küche in die Stube führte , und sagte : » Eh Resli , denkst du jetzt auch nicht an den Sonntag und schämst dich nicht vor den Chilerleuten , sprichst Andern zu und kannst dich selbst nicht halten ? « Das schlug Resli wie mit einem Zaunstecken . Er sagte : » Vater , zürne nicht , mit dir wollte ich nicht streiten , und wenn ds Meitschi sagen darf , was es will , so ists mir auch recht , wenn du es erleiden magst « , und ging zur Tür hinaus . Es war eine gestörte Haushaltung an selbem Morgen . Sobald der Streit anging , hatten die Diensten sich fortgemacht , und als Resli hinausging , machten sich auch die Andern fort , eines hier aus , das Andere dort aus , fast wie eine Bande , die ob böser Tat gestört worden , und Keines kehrte in die Stube zurück , das zMorgen blieb auf dem Tische fast bis zMittag . Niemand ließ sich herbei , es wegzuräumen . Änneli wollten Reslis Worte , was die Leute sagen würden , nicht aus dem Kopf . Was werden sie erst sagen , wenn heute an einem heiligen Sonntag niemand in die Predigt geht ? Da erst werden sie uns verhandeln und allerlei lügen , warum wir nicht gegangen . Jemand muß doch gehen . Aber Änneli fand niemand , den es senden konnte ; es mußte , wenn ihr Haus repräsentiert sein sollte in der Kirche , Hand an sich selbsten legen , das heißt sich des Hauses , in welches es wollte , würdig kleiden . In ungestörter Einsamkeit vollbrachte es sein Werk , und es kam ihm wohl , daß es zu demselben nicht fremde Hände brauchte ; aber die Mutter hatte es von Jugend auf gelehrt , daß der Mensch sich selbst müsse helfen können in allem , was täglich ihm zur Hand käme . Dafür hätte Gott einem die Hände wachsen lassen , über die man einsten auch Rechnung ablegen müsse wie für jedes andere erhaltene Pfund . Änneli pressierte nicht , es begehrte nicht der Menge sich anzuschließen , welcher oft das , was vor und nach der Predige auf dem Kilchweg geredet wird , wichtiger ist als die Predigt selbst ; sein Gemüt drängte es nicht zur Mitteilung , und für Anderer Angelegenheiten hatte es keinen Platz , es war voll eigenen Leids . Eine halbe Stunde weit hatte Änneli zur Kirche , und niemand war auf ihrem Wege , denn heute eilte alles , um noch Platz zu finden . Gar seltsam war ihr zumute , so einsam und schauerlich , als ob sie pilgern sollte weit , weit weg und wüßte kein Ziel , wüßte keine Heimat mehr , und alle seien vorausgezogen und niemand