zu machen . Sie erzog ihre Leute zum Selbstdenken , und indem sie ihnen die Form vorschrieb , in die ihr Geschäft einpassen mußte , gönnte sie ihnen in dieser Grenze die Willkür eigner Bewegung . Das ganze Räderwerk dieses Treibens war in eine Art Geheimniß gehüllt , niemals gewahrte man queer einlaufend , unregelmäßige Thätigkeit , nie das Stören oder Aufhören des häuslichen , geselligen Beisammenseins . Mistreß Eton legte den höchsten Werth auf die Erfüllung ihrer häuslichen Pflichten , aber sie hatte Geist und Bildung , um den Gegenstand zu durchdringen , sie schienen ihr immer nur die Mittel zum Zweck , nie der Zweck selbst . Diesen Zweck , das Wohlbehagen Aller , die ihr anvertraut waren , zu bewirken , erreichte Mistreß Eton vollständig , dies schien ihr der Lohn , den sie beabsichtigte , und sie trachtete nie durch in die Augen fallende Abmühung die Aufmerksamkeit oder den Dank ihres Mannes zu fesseln . In diesem Sinne hatte Miß Eton die ihr hier durch die Umstände auferlegten Pflichten geleistet . Leicht fanden sich die Domestiken in die ruhigen , klaren Anordnungen , die plötzlich diese , von den ewig auf sie niederströmenden Worten ihrer Hausfrau zu Maschinen gewordenen Leute zu einer Art von Freiheit erhob , die ihnen doch genauer , als früher , ihre Pflichten bezeichnete . Worin der ewige häusliche Embarras ihrer Wirthin lag , hatte Miß Eton lange erkannt ; aber es war ihr nur eine wiederholte Erfahrung , daß , wo die Kraft des Geistes fehlt , einen Gegenstand in seinem Wesen aufzufassen , eine regellose Thätigkeit eintritt , die bei ihrer nothwendigen Belästigung das Individuum zu Dünkel und Anmaßung führt , die es mißtrauisch und tadelnd jeder andern Weise entgegen stellt . Es läßt sich kaum sagen , in welchem Grade Madame St. Albans von der Mittheilung ihres Mannes über Miß Eton ' s wirthschaftliches Verhalten überrascht war , und mit welchem Zorne sie der Gedanke erfüllte , ihr Mann könne darin irgend einem Wesen der Erde den Vorzug geben . Sie hatte nicht ohne eine gewisse Koketterie darnach getrachtet , ihm die höchste Meinung von ihrer Thätigkeit , Umsicht und der großen Last zu geben , welche sie trüge . Ganz erschöpft von diesen Sorgen sich darzustellen , und damit ihre eigenthümliche , oft mürrische und übellaunige Art zu entschuldigen , war immer das Mittel , womit sie ihren unendlich sanften und zu jeder Anerkennung stets bereiten Mann an sich zu fesseln suchte , und ihn über die Lücken täuschte , die der höher gebildete Mann erkannte , und doch gegen die so in Anspruch genommene Frau zu rügen , ihm ein Unrecht schien . - Herr St. Albans wußte daher auch mit der Art , die ihm dieser reizbaren Frau gegenüber zur Gewohnheit geworden war , diesen Feind in ihr durch seine Schmeicheleien zu beschwören - und als er sie nur erst ruhiger sah , gelang es ihm bald , sie zur Anerkennung ihres Unrechts gegen Miß Eton zu bringen . Sei es nun , daß die heftige Gemüthsbewegung die letzte Schwäche der Krankheit von Madame St. Albans genommen hatte - sei es , daß der Augenblick ihrer Genesung wirklich gekommen war - genug , im Laufe des Gesprächs fühlte ihr Gemahl sich ganz ermuthigt , ihr die Lage der Dinge auf Ste . Roche mitzutheilen und damit auch sein letztes Beisammensein mit Miß Eton zu erklären . Die arme Frau fühlte sich durch diese Mittheilungen mehr in ihrem Geiste , als körperlich überwältigt ; aber wir dürfen zu ihrer Ehre es nicht unerwähnt lassen , daß ihr das Unrecht , das sie Miß Eton gethan , sehr zu Herzen ging und sie durchaus selbst zu ihr hinaufsteigen wollte , ihr Abbitte zu thun . - Die Stimmung der armen Elmerice war keinesweges so ruhig , als wir es ihrem unschuldigen Herzen zutrauen würden . Die Beschuldigung selbst hatte sie verwundet , aber ob sie gerechtfertigt werde oder nicht , es blieb gleich für sie ; das Haus , wo sie dies erfahren , mußte sie jedenfalls verlassen . Aber hierin lag eine Fülle von Sorgen für sie , deren Grund uns noch entzogen bleibt : denn eben so unmöglich schien es ihr , jetzt zu ihrer Wohlthäterin zurückzukehren . So fühlte sie denn zuerst , daß ihr eine Heimat fehle , eine immer für sie bereitete schützende Stätte , wie das älterliche Haus in so jungen Jahren das einzig wahrhaft ausreichende Asyl bleibt , und eine Fülle heißer Thränen floß dem Andenken dieser so schön , so vollständig besessenen und nun für immer entschwundenen Zuflucht . » O meine Aeltern , « sprach sie - » sähet Ihr Euer armes Kind in solcher Lage , könntet Ihr mir noch die Arme öffnen , die mich so lange schützend umschlossen ! « - Da kam ein stiller , süßer Friede in ihr Herz , wie der Segenskuß dieser ehrwürdigen Beschützer , und auf ihre Kniee sinkend , konnte sie innig beten - beten um die Kraft , das Rechte zu thun . Leise hatte Madame St. Albans die kleine Treppe erstiegen und trat jetzt laut weinend in Elmerice ' s Gemach . - » O , Tochter meiner Margarith , wirst Du mir vergeben ? « sprach sie laut schluchzend , indem sie an der Thüre stehen blieb . Und Elmerice ? - Elmerice stand auf und empfing die Reuige , wie man es thut , wenn man gebetet hat , und Gottes Frieden unser Herz erquickt . Sie war ohne Thränen , ruhig , ernst , aber weich und wohlthuend in jedem Laut , in jeder Bewegung , und Madame St. Albans fühlte unwillkürlich eine Art Ehrfurcht vor dem reinen , hohen Geiste , der ihr so ohne Absicht , ohne Anmaßung entgegen trat . » O , mein Kind , wie danke ich Dir , daß Du durch Deine schnelle Vergebung diese eine große Last von meiner Seele genommen , da , was mich außerdem niederbeugt