sich entwickelt hatte . Dieser war durch die größere Gleichheit ihres Alters Richarden schon früher weit näher gebracht , als der von Jugend auf ernste weit ältere Bruder , der immer von den jüngern Knaben wie eine Art Respektsperson betrachtet worden war . Mit recht treuherziger Beredsamkeit sprach Alex seine Freude über das Wiedersehen seines alten Spielkameraden aus ; manch lustiges Ereigniß aus ihrer frühen Knabenzeit kam unter den Beiden gleich in der ersten Stunde wieder zur Sprache ; Eugen verfehlte nicht , lebhaften Antheil daran zu nehmen , und unter fröhlichem Geplauder , unter Lachen und Scherz , fühlte Richard zum erstenmal seit langer Zeit sich wieder zu Hause , unter den Seinen . Helena allein war bei Richards Empfange im Kreise ihrer Familie nicht zugegen gewesen ; denn Eugen hatte unter einem leicht zu findenden Vorwande die nichts ahnende Schwester vom Hause entfernt gehalten . Richard war darauf vorbereitet gewesen sie nicht zu finden , und mußte , wenn gleich mit schwerem Herzen , die Vorsicht des treuen Freundes billigen , die beide der schweren Aufgabe entziehen wollte , ein solches Wiedersehen vor Zeugen zu bestehen , ohne ihr eignes theuerstes Geheimniß zu verrathen ; um so heftiger aber war Helenas Zorn , als sie Eugens Verrath , wie sie es nannte , bei ihrer Zuhausekunft erfuhr . Sie blieb die ganze , in schlafloser Erwartung zugebrachte Nacht hindurch unversöhnlich , bis Morgens , zur gewohnten Stunde , der Freund von ihrem Bruder geleitet in ihr Zimmer trat . Er fand , wie vorauszusehen war , sie allein . Ein Wiedersehen wurde gefeiert , das unbeschrieben bleiben mag . Nicht Jahre , nur Monate lagen zwischen dieser Stunde und der des Scheidens , aber um so wunderbarer mußte die auffallende Veränderung erscheinen , die während dieses kurzen Zeitraums mit der jungen Fürstin vorgegangen war . Ohne an süßem Liebreitze oder anspruchsloser Natürlichkeit dadurch zu verlieren , war das fröhlich-unbefangne Kind , wie durch einen Zauberschlag , zur lieblichsten Jungfrau erblüht . Helena schien größer geworden zu sein , ihr Auge strahlender ; ihre Gestalt hatte in seltener Vollkommenheit sich entwickelt . Alles an ihr , ihr Gang , ihr Blick , der Ton ihrer Sprache , deutete bei liebenswürdigster Anmuth auf eine eigne Sinnesfreiheit , ein Selbstbewußtsein , eine Sicherheit des Geistes hin , die bei ungeheuchelter Bescheidenheit zu einer der blendendsten Erscheinungen sie erhob . So durchbricht während einer einzigen lauwarmen Frühlingsnacht die junge Rose die sie verbergende grüne Umhüllung , und entzückt alle Augen und Herzen , indem ihre der Knospe entquellenden Purpurblätter die hohe Pracht verkünden , die sie später , in duftendem Schimmer völlig erblühend , vor der Sonne entfalten wird . Du siehst so verwundert , so befremdet mich an ? fragte Helena lächelnd , sobald der erste , jeden andern Gedanken überwältigende Freudentaumel es erlaubte . Und kann ich anders ? erwiederte Richard : ich sehe Dich , ich halte Dich ; Du bist es und Du bist es nicht . Entzückt , betäubt stehe ich vor Dir ; Du bist mir so bekannt und doch so fremd . Ich möchte anbetend vor Dir hinknieen , wie vor einem Wunderbilde , das vor meinen geblendeten Augen ein Götterhauch von oben belebte . Helena , sage mir , was ist mit Dir vorgegangen ? Was soll denn mit ihr vorgegangen sein ? sie hat die Kinderschuhe ausgezogen und ist eine große vornehme Dame geworden , wie es ihr denn auch nicht anders gebührt . Am Hofe wie in der Stadt wird sie allgemein bewundert und verehrt ; da muß sie doch wohl den Kopf ein wenig höher halten als sonst ? rief eine laute , etwas kreischende Stimme dazwischen . Es war die Amme , die sich herbei drängte , um auch ihrerseits den lange nicht Gesehenen zu begrüßen , und die beim Eintritte in das Zimmer Richards letzte Worte , aber auch nur diese , gehört hatte . Ja so ist es , die alte Pythia hat wahr gesprochen , seufzte Richard , nachdem die Amme sich wieder entfernt hatte . Du schöner Stern ! Du wandelst in aller Deiner glanzvollen Herrlichkeit hoch über mir , auf Deiner Dir gemessenen Bahn ; bewundernd blickt eine Welt anbetender Verehrer zu Dir auf ; sie alle , vornehm , reich , brillant , wie Du selbst es bist , dürfen Dir folgen , Dir dienen , um Deine Huld sich bewerben , während ich armer dunkler Erdensohn im Staube , unbemerkt , tief unter ihnen und Dir - - Kein Wort weiter , kein einziges dieser Art mehr , wenn Du nicht absichtlich mich erzürnen willst , gebot ihn unterbrechend Helena , und richtete sehr ernst sich hoch empor . Was sollen solche Jämmerlichkeiten zwischen uns ? kennst Du mich so wenig ? fuhr sie sehr lebhaft fort . Ich kann und will Dir nicht heucheln , denn ich bin von Natur jeder Lüge abhold ; ich kann Dich nicht glauben machen wollen , daß ich nicht gern bin was ich bin , oder daß ich lieber in einer Hütte leben möchte , als im Palaste meiner Eltern . Ich wäre ein unnatürliches Geschöpf , wenn ich nicht lieber Gefallen als Mißfallen erregte , wenn Tanz , Musik und aller Glanz , der mich umgiebt , mir keine Freude machten , und darf von Dir fordern , daß Du diese Freude gern mir gönnst . Denn Du mußt mir vertrauen wie ich Dir vertraue , und keine armselige Eifersüchtelei darf zwischen uns treten . Im Herzen bin ich Dein , und bleibe es , denn ich kann nicht anders ; Du gehörst zu mir , wie ein Theil von mir selbst ; dies Gefühl ist mit mir aufgewachsen ; ich kann mir gar nicht denken wie es wäre , wenn ich Dich nicht hätte oder nie gehabt hätte . So bleibt es , daran laß ' Dir genügen ; mag es übrigens um uns her werden wie es wolle , ich bleibe wie ich