der süßeste Trost ihres Herzens , und an diesem Gefühl löste sich auch in ihrer Gegenwart am ersten die starre Haltung , die sie oft so störend gegen Andere behauptete . Nie war es dagegen irgend wem gelungen , die wahre Meinung der ältern Herzogin über ihre Schwiegertochter zu erfahren ; sie liebte sie mit mütterlicher Aufmerksamkeit , ihre Fehler schien sie nie zu sehn ; doch wenn ste dieselben gut zu machen suchte , so wußte man nie , ob sie dieselben wirklich bemerkt hatte , oder ob es ihr blos selbst eben um das Vergnügen war , etwas Liebes zu thun . Dankbar fühlte die junge Herzogin diese grenzenlose Schonung , die in nichts ihren Stolz reizte oder verwundete , da Alles blos von der zärtlichsten Liebe eingegeben schien . Indessen wünschte heute die ehrwürdige Mutter nicht , die Weichheit ihrer Schwiegertochter zu vermehren , und leicht kehrte dieselbe zu der durch lange Gewöhnung ihr natürlich gewordenen ruhigen Haltung zurück . Um ihr Zeit zu gönnen , fuhr jene fort , von ihrem Sitze aus , alle zu begrüßen , die sich nach und nach in dem Zimmer versammelten , und nächst den beiden Gouvernanten der jungen Gräfinnen aus Mistreß Morton und dem Caplan des Schlosses , dem Master Copley , bestanden . Sogleich vermißte die Herzogin Stanloff , und Master Copley brachte seine Entschuldigung , daß Geschäfte ihn noch einige Stunden entfernt halten würden . Alles nahm nun Plätze ein , um die alte Lady her ; die Herzogin zu ihrer Rechten , Arabella , ihre älteste Tochter , ein schönes Mädchen in der ersten Blüthe , zu ihrer Linken ; dann so fort die Damen , die , aus angesehenen Familien und von vorgeschrittener Bildung , ganz dazu berechtigt waren , zu dem Familienkreis gerechnet zu werden . Lucie , die jüngste Enkelin und ein Liebling der Großmutter , saß schon längst mit der ruhigen Sicherheit , die Kinder so reizend da üben , wo sie sich geliebt wissen , vor der alten Lady auf dem rothen Fußkissen . Sie hatte ihr schönes blondes Lockenköpfchen auf beide dicke Händchen gestützt , und blickte mit großen blauen Augen unverwandt in die von der untergehenden Sonne sich färbende Gegend . Es war ein unaussprechlich reizender Anblick , das schöne blühende Kind in seinem Trauerkleidchen , die üppigen blonden Locken an den Schläfen mit schwarzen Schleifen zusammengehalten , in diesen Ausdruck ernsten Nachdenkens vertieft zu sehn , den Kinder wohl nur in einem holden Schlummer der Seele annehmen , und der uns doch erinnern will an das Verfolgen hochwichtiger Dinge , welches nur spätern Tagen aufgehoben bleibt . Sie zog die Augen Aller auf sich , und man tauschte Blicke , die das Vergnügen über diesen Anblick verriethen . Auch war es nicht die Art der alten Lady , störend auch nur in den Blick eines Auges zu dringen ; daher ließ sie das holde Kind gewähren und bewahrte ihr selbst ihre Liebkosungen auf , bis sie von selber erwachen würde . Dagegen mußte Lovelace den schönen silbernen Kessel , welcher über einem zierlichen eisernen Kohlenbecken schwebte , in den Kreis stellen , und daneben den mit silbernen Kannen , Tellern und Büchsen reich besetzten Tisch . Mit der lieblichen Heiterkeit , die Alle sofort in ihrer Nähe belebte , begann die alte Lady , zur Herzogin sich wendend : Du siehst , meine liebe Tochter , meine alte Liebe bleibt mir getreu ; Friedrich von Nassau besorgt noch immer meinen Theetisch mit dem feinen Aroma seiner Chinesischen Lieblinge , und ich bin ihm herzlich dankbar dafür , denn wahrlich nichts scheint mir unter den vielen schönen Gaben zur Labung und zur Stärkung unsers Körpers mehr für mich da zu sein , als diese balsamischen Blätter . Höre ich den lieblichen Ton des Theekessels , so setze ich mich erst behaglich zurecht , und mein zärtlicher Freund hätte nichts Besseres erdenken können , um sich der Gesinnung seiner alten Freundin zu versichern . - Schade , liebe Mutter , sagte die Herzogin , in den heitern Ton einzugehen sich bemühend , daß auf unserm Boden nichts gedeihen mag , was dem liebenswürdigen Herzog ein ähnliches Bedürfniß angenehm befriedigen könnte ; denn das Neue und Erfreuliche der fremden Welttheile werden die thätigen holländischen Meerbeschiffer uns immer noch zuerst bieten können . Den Geist , den Elisabeth bis in die Segel ihrer Schiffe zu hauchen verstand , und der unter Hug Willoughby ' s Anführung auch diesen lieblichen Blättchen den leichtern Weg zu erspähn wußte , wo ist er jetzt geblieben ? Wer wird nach Walter Raleigh mit neuen Goldminen uns beschenken und so muthig die trügliche Wasserfläche durchziehen , die er leichter befuhr , als andere den grünen Plan der Wiesen ! Wohl wahr , seufzte die alte Lady , und eine leichte Wehmuth glitt über ihren klaren Blick . Es war ein Gruß der Liebe , den sie dem enthaupteten Freunde ihres Gemahls hinüber sandte . Seinem Andenken Frieden ! sprach sie weiter ; Raleigh verlor das Ziel , welches seiner schönen Jugend vorgeleuchtet , als hätte sein Auge sich getrübt ; wie viel hätte er seinem Vaterlande sein können ! Doch das Maaß der Schuld , dem sein Haupt verfiel , hat vielleicht dort oben , mit Vielen getheilt , für Alle Versöhnung erlangt . - Die Herzogin fühlte , daß sie hier eine schmerzlich nachklingende Saite bei der alten Lady berührt habe , und suchte durch Fragen ihre Gedanken abzulehnen . War es nicht zur Zeit der Thronbesteigung König Jakobs , daß Du dies Getränk zuerst kennen lerntest ? Ich dächte , Du hättest ein Mal dessen erwähnt , frug sie unbefangen weiter . - Es war allerdings damals schon längst in England bekannt , sagte die Lady , doch mehr unter dem reichen Handelsstande , der sich die Produkte fremder Zonen fast leichter zu verschaffen wuste , als die höhern Stände ; die Königin Elisabeth liebte es nie , und so blieb es am Hofe unbekannt