sich . Ein alter Bedienter kam , und sagte Wilhelmi etwas ins Ohr , seinen Zorn , wie es schien , schwer verbergend . Wilhelmi sah bestürzt auf den Herzog und entfernte sich . Der Arzt ging , um noch einige Krankenbesuche zu machen . Die Herrschaften wollten durch den Laubgang nach dem Schlosse zurückkehren . Ein kleiner Junge trat aus dem Gebüsch , schlug Rad , stellte sich auf den Kopf , und machte noch mehrere dergleichen Kunststücke , um sein Almosen zu verdienen . Die Herzogin verbot ihm die halsbrechenden Possen , reichte ihm Geld , und fragte : » Wie heißt dein Vater ? « Als der Junge den Namen eines Bettlers genannt hatte , sah die Herzogin ihn scharf an , und sagte : » Ich möchte für diese Unwahrheit dir das Geld wieder abnehmen . Du bist ein Kind des Waldmeiers , und hast nur aus Übermut gebettelt . « Der Junge wurde rot und schlich davon , er gehörte wirklich jenem Manne , der für sich und die Seinigen genug zu leben hatte . » Wie war dir möglich , die Abkunft des Knaben so bestimmt auszusprechen ? « fragte ihr Gemahl . » Du kennst meine unglückliche Gabe , Familienzüge zu erkennen « , versetzte sie . » Ich habe früher geglaubt , es sei Täuschung , aber unzählige Erfahrungen haben mich endlich überzeugt , daß mir die Genealogie auch da erscheint , wo sie andren Menschen nicht sichtbar wird . Es ist kein gutes Geschenk der Natur . Leider « , fuhr sie schamhaft fort , » sehe ich so manchen geheimen Fehler , wo die Welt nur Pflicht und Tugend erblickt . Ach , es ist nicht alles eines Bluts , was einen Namen trägt . Laß mich dir nun auch ein Geständnis tun . Als ich unsrem Kranken zum erstenmal ins Gesicht sah , erschreckte mich die größte Ähnlichkeit mit Johannen . Ich war bestürzt ! Ich möchte so gern mit dir nun ein ruhiges , geordnetes Leben führen ; wir haben schon so viel Verdruß von jener , ich ahnete neue Störungen , die nie ausbleiben , wenn man sich mit Menschen verworrnen Schicksals einläßt , deshalb bat ich dich , uns den Jüngling fernzuhalten . « Ihr Gemahl stand einige Minuten nachdenklich . » Du irrtest dich gewiß . Mein Vater war ja leider so offen gegen mich über seine Fehltritte . Er hätte mir diesen auch gestanden . Und überdies ... es ist nicht möglich ! « » Nein « , sagte sie , » und wir wollen nicht mehr daran denken . Ein unerwartetes Ereignis hat ihn uns , wenn nicht wider , doch ohne unsern Willen gebracht . Ob darin etwas Besondres zu finden ist , weiß ich nicht , aber ich fühle , daß wir ihn pflegen , und für ihn sorgen müssen , wenn er es verdient . Das Los eines Menschen gilt mehr als Ahnungen und Träume . « Sie sprach das einfach , sanft , wie sie pflegte . Ihr Gemahl sah umher ; es war niemand in der Nähe . Er umfaßte sie , und schloß sie mit der zärtlichsten Liebe in seine Arme . » Bleibe die Genossin meiner Entwürfe , die Freundin meiner innersten Gedanken ! » sagte er gerührt . Sie ruhte beglückt am Herzen des Manns , der ihres Lebens Stolz und Freude war . Sie standen unter der Gruppe des Amor und der Psyche , und die reinen Sterne sahen auf diese Umarmung nieder . Zweites Kapitel Der Arzt zog am runden Tische sein Büchelchen hervor , und las : Der Lieutenant und das Fräulein Anekdote aus meiner Praxis Als ich in der Hauptstadt meinen Kursus machte , lernte ich einen Offizier von der Garnison kennen , der mir wegen seines gesetzten Wesens sehr zusagte , und von allen seinen Kamaraden als ein ruhiger Charakter bezeichnet wurde . Dieser ruhige Charakter war schon seit einigen Jahren mit einem Frauenzimmer von desto unruhigerer Gemütsart verlobt . Fräulein Ida hatte alles Feuer zugeteilt bekommen , welches die Natur bei der Erschaffung des Lieutenants Fabian erspart hatte . Lebendig , galt sie bei ihren Tänzern für geistreich , und konnte allerliebst sein , wenn ihre Partien auf vierzehn Tage hinaus versichert waren . Anfangs spielte sich das Verhältnis überaus artig fort , er wurde von ihrer Beweglichkeit in Bewegung gesetzt , sie gewann durch seinen Ernst mehr Haltung , woran es ihr früherhin zu ihrem Nachteile bisweilen gebrochen hatte . Das Unpassende , was das Publikum sonst wohl in Lieutenantsverlobungen findet , fiel hier weg , da die Braut ein artiges Vermögen besaß , und nur der Eigensinn der Mutter die Heirat bis zu dem Zeitpunkte verschob , wo der Schwiegersohn einen höheren Rang , und die Kompanie erlangt haben würde . Indessen mußte der Monarch wohl noch eine große Anzahl verdienstvollerer oder älterer Lieutenants besitzen . Das Patent blieb länger aus , als man gedacht hatte , und da die Mutter ihre Tochter durchaus nicht ohne einen klingenden Titel von ihrem Herzen weggeben wollte , so dehnten sich die Tage der Hoffnung zu Jahren der Erwartung aus . Ein zu langwieriger Brautstand hat aber die bedeutendsten Unannehmlichkeiten . Die Liebe ist für Stunden , die Ruhe für das Leben ; wer kann aber der Ruhe genießen , solange die Früchte noch auf dem Halme stehn ? Das Gefühl gleicht nach so gedehntem Harren einem schönen Weine , den man im offnen Glase hat fade und abschmeckend werden lassen . Grade kurz vor der Zeit , wo dieser bedenkliche Mangel an Geschmack im Verhältnisse der Liebenden eintrat , lernte ich den Lieutenant kennen , und ward durch ihn im Hause seiner zukünftigen Schwiegermutter eingeführt . Ich sah noch die letzten Sommertage der Zärtlichkeit , bald aber nahm ich eine gewisse Kälte zwischen den Brautleuten wahr , die nur mit einem unangenehmfeurigen Wesen abwechselte . Sie ließ sich wohl , wenn er dicht bei ihr stand , durch einen