dem kleinen Hause , das in seiner düstern Stille wie ausgestorben dalag . An der Thür reichte sie mir noch einmal die Hand , und sagte ernst : Es gibt für mich doch kein Glück mehr . Gute Nacht ! Gute Nacht ! Lieber Freund ! Lieber Fremdling ! Gute Nacht ! Dann schlich sie sich leise weinend ins Haus . Ich eilte , wie von rastlosen Herzschlägen getrieben , ins Freie . In nächtlicher Wanderung wurde noch vor Anbruch des Morgens Teplitz wieder erreicht . - An meine Heilige . I. Mein Philister in Teplitz . - Noch einen Tag in Teplitz will ich Dir beschreiben , meine Madonna , ehe ich den Eilwagen nach Prag besteige . Es ist ein Sonntag , und das ist gerade die rechte Beleuchtung für einen Badeort , um alles Schöne und Häßliche in seiner besten Toilette zu erblicken . Komm nur Schlag 11 Uhr mit mir in den anmuthigen Schloßpark , wo vor dem Gartensaale des jungen Fürsten Clari allsonntäglich ein Concert im Freien gegeben wird , welches zum Versammlungspunct des ganzen badenden und nicht badenden Teplitz dient . Nur falle Dir nicht ein , wie mir , früher auszugehn , um auf der Promenade , oder etwa gar in der Kirche , schon interessante Figuren Dir aufzufangen . Die Promenade ist leer , und nur hier und da kommt Dir ein schwererer Kranker , der gebadet hat , verhüllt und auf seinem Rollstuhl entgegengefahren . Und wenn Du die Frommen zu schauen liebst , o Madonna , so suche sie nicht , wie ich , in der schönen Schloßkirche . Ich hatte gern einmal sehen wollen , wie ein Badegast oder eine Badegastin betet , aber es war fast gar nichts zu hören und zu sehen von eleganter Welt vor Petri Pforte . Gott weiß , was die Eleganten noch für Götter haben neben ihm ! Aber warte nur bis 11 Uhr , warte nur bis 11 Uhr ! Dann werde ich die Brille aufsetzen , und Dir die ganze Flora zeigen . Bis dahin frühstücken wir noch im Gasthof , und lesen die Zeitung , oder blättern in der Badeliste . Oder sprechen wir von Politik , mein Kind ! Ja , höre , liebe Heilige , mir ist eingefallen , daß ich ein schlechter Preusse sein müßte , wenn es mir gar nicht in Teplitz gefiele ! Es muß mir also durchaus hier gefallen , denn Alles ist hier Preussisch und Berlinisch , man mag hinsehen , wohin man will . Ganz Teplitz ist eine preussische Provinz , und meine Vaterlandsliebe braucht hier ordentlich stärkende Bäder , wenn ich über die Straßen gehe . Unser König , welcher bekanntlich alle Sommer hier zubringt , wird von der sämmtlichen hiesigen Bevölkerung , die mit einem wahren Herzensenthusiasmus an seiner ehrfurchtgebietenden Erscheinung hängt , nur immer geradezu der König genannt , und so sind wir Berliner alle natürlich wie zu Hause . Auch preussisches Militair jeder Art sieht man hier viel , denn der unermüdlich wohlthuende Sinn des Königs hat selbst für gemeine Soldaten , die erkrankt sind , einen Fonds angewiesen , aus dem sie in die Bäder von Teplitz geschickt werden . Und so müssen mich mehrere Soldaten vom Alexander-Regiment sogar an die Straße erinnern , wo ich in Berlin wohne , weil in deren Nähe die Alexander- ist . Kurz , nichts fehlt , um mir den Berliner einzutränken , und ich darf es mir nicht einmal merken lassen , daß ich verzweifele . Ich muß ordentlich wie ein dankbar vergnügter Berliner thun . Und der reiche jüdische Banquier aus der neuen Friedrichstraße , der mit seiner hübschen Frau hier ist , hat mich seinen jungen geistreichen Landsmann genannt , und wir sind Dreie zusammen gegangen auf den Schlackenberg , und haben bewundert die süperbe Aussicht . Itzig & amp ; Comp . ist auch dagewesen , und hat gesagt , der Tempelhofer Berg bei Berlin sei doch besser . Hat Itzig Sohn geschrieen aus Leibeskräften , wie ein gebildeter Berliner so wenig Natursinn haben könne . Hat Itzig Vater es bekräftigt , daß doch der Tempelhofer Berg bei Berlin besser sei , weil er sich leichter steigen lasse zu Fuß . Haben sie alle gelacht über den Witz . Bin ich fortgeschlichen wie ein frierendes Windspiel . Straßen und Häuser erinnern mich hier auch an Preussen . Alles ist so freundlich , so abgeputzt , so neu , so reinlich , wie ein jungfräulicher Staat . Ein jungfräulicher Staat , der eine gewisse Schamhaftigkeit hat , sich ganz zu entfalten . Und seltsam , da kommen mir gleich noch andere Beziehungen , die für Preußen auf diesem Teplitz ruhen , ins Gedächtniß , zum Theil als Erklärung jener Schamhaftigkeit ! In Teplitz , in einem Badeort , wurden gewissermaßen die ersten Grundsteine zu der für jeden Patrioten so ernsthaften Wahlverwandtschaft zwischen Rußland , Preussen und Oesterreich aufgerichtet . Denn diese Mächte hatten schon nach der Schlacht bei Culm am 30. August 1813 ihre Hauptquartiere nach Teplitz verlegt , um es für die vielen Bedrängnisse , welche diese Stadt erlitten , zu entschädigen , und unterzeichneten daselbst im September desselben Jahres jene Allianz-Tractate , die damals für die Befreiung Deutschlands von so großen Folgen wurden . Und ich bin wahrhaftig unschuldig daran , wenn es hier Jemand einfallen sollte , den Ton auf Damals zu legen . Was in aller Welt geht mich die Betonung meiner Sätze an ? In diesem accentlosen deutschen Leben habe ich längst den Muth verloren , auf die rechte Stelle den Ton zu setzen , wo ich wohl möchte ! Die Lehre , mit Accent und Nachdruck zu sprechen , ist eine gefährliche Wissenschaft , und sie wird Einem abgewöhnt in der Spießbürgerprosa unserer Redefreiheit . Ein mattes Leben , seine Aussprache ohne Accente ! Da kann kein Schulmeister helfen ! So komm denn , Heilige , lieber in den Schloßgarten ! Zeit ist es jetzt . Mädchen , Mädchen , es ist