flügelt goldne Pfeile Durch alle Ferne hin . Wo denk ich hinzuschweifen ? Faßt mich ein Zauberschwarm ? Will ich die Welt ergreifen Mit diesem jungen Arm ? Auf Zinnen möcht ich springen , In alter Fürsten Schloß , Möcht hohe Lieder singen , Mich schwingen auf das Roß ; Und stolzen Siegeswagen Stürzt ich mich brausend nach , Die Harfe wird zerschlagen , Die nur von Liebe sprach . - Wie ? schwärmst du so vermessen , Herz ! hast du nicht bedacht , Hast , Närrchen , ganz vergessen , Was dich so trunken macht ? Ach wohl , was aus mir singet Ist nur der Liebe Glück ; Die wirren Töne schlinget Sie sanft in sich zurück . Was hilft , was hilft mein Sehnen ! Geliebte , wärst du hier ! In tausend Freudetränen Verging ' die Erde mir . Bei seiner Ankunft im Schlosse fand er den Italiener , einen lebhaften Mann von mittleren Jahren , in komisch leidenschaftlichem Kommando mit den Leuten begriffen , welche die marmornen Kunstwerke in dem Hauptsaale aufzustellen hatten . Zwischen Zorn und Spaß schrie und lachte der Strudelkopf auf das grellste und brauchte zuweilen auch wohl den Stock gegen einen der Arbeiter , wovon keiner seine Sprache verstand . Theobald , nach einer sorgfältigen Beachtung der in ihrer Art einzigen Skulpturen , redete den Fremden italienisch an , und würde sich bei seiner Unterhaltung hinlänglich interessiert gefunden haben , wäre das Bestreben des Fremden , immer nur recht paradox zu sein und das Ernsthafte ins Lächerliche zu ziehen , nicht allzu widrig aufgefallen . Ja , am Ende , als der künstlerische Charakter Theobalds zur Sprache kam , konnte der Mann eine gewisse tückische Neckerei nicht lassen . Halb gekränkt und unwillig entzog sich unser Freund , um auf die spätere Ankunft des Grafen ein frugales Mittagsmahl in der Meierei zu bestellen . Müßig wie er war , besah er sich sodann die Umgebungen und die innere Einrichtung des fürstlichen Aufenthalts . Mehrere Zimmer gewährten eine reiche und belehrende Unterhaltung an ausgesuchten Malereien ; es war leicht , sich in diesen geschmackvollen Räumen auf einige Zeit selber zu vergessen , und so stand er eben betrachtend mit sich allein , als ihm der entfernte Spiegel eines dritten Zimmers zwei von der entgegengesetzten Seite herbeikommende Personen zeigte , in denen er bei genauerem Hinblicken endlich den Grafen , und gegen alle seine Erwartung , Constanzen selbst erkennen konnte . Ganz außer Fassung gebracht schaute er unverrückt mit klopfendem Herzen noch immer auf die nah und näher im Spiegel herbeischwebenden Gestalten , bis die Tritte hinter ihm rauschten , und seinerseits ein ziemlich verwirrtes , andererseits ein durchaus unbefangenes und fröhliches Willkommen stattfand . Nie war ihm die Gräfin so reizend , so anmutig vorgekommen , sie trug ein mild graues Kleid mit roten Schnüren , Gürtel und Schleifen , deren Faltung und Farbe ihm flüchtig die Granatblüte wieder in das Gedächtnis rief ; an die zarte Wange , von der frischen Luft mit einem leisen Karmin überhaucht , legte sich ein weißer Pelz , und der zurückgeschlagene Schleier ließ dem Beschauer den Anblick des holdesten Gesichtes frei . Man kehrte fürs erste zu den neuen Sehenswürdigkeiten und ihrem tollen Meister zurück , an dessen Art und Weise der Graf sich dergestalt erbaute , daß die Schwester , sich mit einiger Ungeduld nach anderem umsehend , den Vorschlag Noltens , in den mannigfaltigen Sälen hin und wieder zu wandeln , nicht ungerne annahm . Gar bald ging ihre Unterhaltung auf eigene Verhältnisse und Persönlichkeiten über , denn Noltens leidenschaftlich beengte und zurückhaltende Stimmung gab Constanzen Anlaß , einen leichten Vorwurf gegen ihn auszusprechen , den er sogleich ergriff und ins Allgemeine über sich ausdehnte . » Sie haben recht ! « sagte er , » und nicht heute , nicht in gewissen Augenblicken bloß bemächtigt sich meiner dieser lästige , mir selbst verhafte Mißmut ; es ist keine Laune , die nur kommt und geht , es ist ein stetes unruhiges Gefühl , daß es anders mit mir sein sollte und könnte , als es ist . « » Wie meinen Sie das ? Sollte Ihnen Ihre Lage nicht genügen ? Das wäre mir doch kaum gedenkbar . « » Sprechen Sie ' s geradezu aus , gnädige Frau : Es wäre unbillig . Wohl , es ist wahr , ich könnte glücklich sein , aber ich weiß nicht eigentlich zu sagen , warum ich es nicht bin . Ich wäre undankbar , wollte ich nicht gerne bekennen , daß während meines ganzen Lebens sich alle Umstände vereinigten , mich endlich bis zu dem Punkte zu führen , auf dem ich jetzt stehe , in eine Lage , die mancher andere und würdigere Mann vergebens suchte . Ein günstiges Schicksal , so grillenhaft und mißwollend es mitunter scheinen mochte , trug nur dazu bei , ein Talent in mir zu fördern , in dessen freier Ausübung ich von jeher das einzige Ziel meiner Wünsche erblickt hatte . Manche Arbeit ist mir gelungen , ich habe , wenn ich meinen Freunden glauben darf , den höheren Forderungen der Kunst einiges Genüge getan , und , was mir fast ebenso lieb sein sollte , man hat von der Zukunft größere Erwartungen , ohne daß mir vor ihrer Erfüllung bange wäre . Ein unendliches Feld dehnt sich vor mir aus , und wenn ich sonst an der Möglichkeit verzweifelte , die Welt , welche sich in mir drängte , jemals in heiterer Gestaltung an das Licht hervorzuführen , so seh ich , daß sie jetzt , sobald ich recht will , von selber leicht und zwanglos unter meinem Pinsel sich befreit . Aber wie kommt es , daß eben jetzt mein Fleiß und meine Lust nachläßt ? Warum so manche Arbeit angefangen , ohne sie zu vollenden ? Woher die Ungeduld , sich auswärts umzutun , überall , nur nicht in meinen vier Pfählen vor meiner Staffelei mich zu befriedigen ? Was den Künstler