einem zierlichen Polster schlief . - Der Knabe schlug verwundert die Händchen zusammen , warf dann noch einen prüfenden Blick auf Margarethens Antlitz , das bekümmert und freundlich zu ihm niedersah , und flüsterte hierauf dem Juden halblaut zu : » Die ist aber doch die Mutter nicht . « » Ungerathener Bube ! « rief Diether ' s Gattin , durch einen Wink Ben David ' s unterrichtet , und ihre Augen blitzten zürnend auf den blöden kleinen Hans ; » willst Du mich wohl gleich wieder erkennen ? schon zu lang dauert das Possenspiel . Sprich , wenn Du nicht die Ruthe kosten willst ; bin ich Deine Mutter , oder nicht ? « Der Knabe krümmte ängstlich seinen Rücken , faltete die Hände , und rief , in der Scheltenden Schooß geschmiegt : » Liebe Mutter , schlage mich nur nicht . Hans will gut seyn , und er weiß ja , daß Du seine Mutter bist . Nur nicht schlagen . « » So laß ich ' s gelten ! « erwiederte Margarethe , und reichte ihm versöhnt einen Zuckerfladen : » Sey nur immer gut und folgsam , und Du wirst auch den Vater zu sehen bekommen . « » Den Vater ? « fragte der Knabe : » ich habe keinen mehr . « » Doch , doch , mein Jüngelchen ! « redete ihm Ben David zu . » Einen guten und liebreichen Vater , der Dich lieben , reich beschenken und unter lauter Freude und Vergnügen groß ziehen wird . « » Das ist schön , daß ich einen Vater habe , und eine Mutter , die mich nicht schlägt ! « rief hierauf Hans ganz erfreut , und ließ sich , in den Zuckerfladen beißend , vertraulich auf dem Polster des Hündchens nieder , das bald gute Freuudschaft mit ihm machte , und seinen Kuchen mit verzehren half . Während nun die Beiden spielten , und Frau Willhild sich hineinmischte , um den Knaben mit sich bekannt zu machen , folgte Ben David Margarethen in ihr Schlafgemach , wo die Bedingungen des Verkaufs festgesetzt wurden . Nicht geringe waren sie , denn als Ben David mit Beuteln und Verschreibung beladen , davon zu gehen im Begriff war , sagte ihm Margarethe : » Du verstehst es , Jude , Deinen Vortheil zu beachten . Der Kinderhandel schlägt Dir gut ein . « » Was wollt Ihr , edle Frau , und was redet Ihr da ? « fragte Ben David , mit schlauer Aufrichtigkeit : » Kinder sind doch Gottes Segen , und den bezahlt man nie zu theuer . Am allerwenigsten , wenn man damit gewinnt Erb und Gut . Dem alten Herrn blüht gewiß kein Sohn mehr . Ihr seyd zu fromm , um zu beglücken den Freund statt des Ehemanns . Und dennoch muß der Sohn der ersten Ehe ausgeschlossen bleiben und Priester werden , und nimmer den Dispens gewinnen , den Stamm fortzupflanzen in Ermanglung andrer Erben . Der Knabe , den ich Euch überlasse , ist dennoch allzuwohlfeil erkauft , als Euer größtes Glück und Heil . « » Doch der tiefsten Verschwiegenheit darf ich mich zu Dir versehen ? « fuhr Margarethe mit durchdringendem Blicke fort : » Wenn Du treulos seyn könntest ... « » Beruhigt Euch , gute Frau ; « antwortete Ben David lächelnd : » wär ich ein Christ , so würde ich Euch leisten einen Schwur , und ihn hinterher vielleicht erst nicht halten . Als Jude darf ich nicht schwören einen Eid ohne den Rabbi , und dann erst müßtest Ihr mir glauben auf ' s Wort , ob ich recht geschworen habe , oder nicht ; denn ich verstehe Euer Deutsch , aber Ihr nicht mein Hebräisch . Verlaßt Euch deshalb auf ein sicheres Pfand : auf meinen Hals . Wenigstens an mein Leben ginge es , käme es heraus , daß ich ein Christenkind verschachert ; und mein Leben ist mir lieb , ist ' s gleich mir ein elend Judenleben . Gehabt Euch wohl , und versichert Euch nur der Weiberzunge , die Euer , unser Geheimniß theilt . « Hierauf entfernte sich Ben David schnell , und Margarethe säumte nicht , seinem Wink zu folgen , und die halb verlegen , halb froh sich benehmende Willhild zur Bewahrung des Gelübdes aufzufordern , das sie geleistet . » Ihr könnt mir keck vertrauen , beste Frau ; « versetzte Willhild : » mir fällt ein Stein vom Herzen , daß ich nicht des edeln Herrn Unwillen aushalten muß , der fürchterlich gegen mich entbrennen würde , träte ich vor ihn hin , und meldete ihm den Unfall , der seinem Söhnlein widerfahren . Aber ... wenn ich mich nur überzeugen könnte , daß es keine Sünde sey , einen unbekannten Zweig auf solch edeln Baum zu pflanzen . « » Wenn ich es nicht für Sünde halte , « entgegnete Margarethe stolz , » so denke ich doch wohl ... « » Ach , liebe Frau , Alles gut ; « versetzte Willhild ängstlich : » bei Euch vornehmen Leuten ist das was anders . Kömmt ein böser Fall auch hie und da vor , so könnt Ihr mit Geld Euch Ablaß holen . Wir armen Leute haben aber nichts , als das nackte Leben , und unser Leutpriester zu Wiesbaden ist ein strenger gottesfürchtiger Mann , dem ich doch nächste Ostern den ganzen Handel beichten muß . Er ist im Stande , und schickt mich ohne Ablaß aus dem Beichtstuhle , und dann ist es so gut , als ob ich vor der ganzen Gemeinde im Banne läge . « » Sey unbesorgt ! « erwiederte hierauf Margarethe : » kömmt die Zeit heran , so mache Dir ein Geschäft zu Frankfurt , und lege Dein Sündenbekenntniß vor meinem Beichtvater , dem guten Barfüßermönch Reinhold ab . Der wackre Priester fragt nicht nach Namen und nähern Umständen , und läßt Deiner Reue um so eher