, eine Hausfrau wie ein anderer Christ und Ulmer Bürger auch ; was hat er nötig als Junggeselle zu leben ? und allen Mädchen in der Stadt nachzulaufen ? Hab ich ihn nicht neulich angetroffen , wie er meiner Katharine schöngetan hat ? Schiff und Geschirr hätte ich ihm mögen an den Kopf werfen , dem gestrengen Herrn ; so aber - seine Mutter selig hat manch schönes Tafelstück bei mir weben lassen , die brave Frau - so mußt ich meine Mütze abziehen und sagen : Gehorsamen guten Abend , und was befehlen Euer Wohledlen ! Daß dich der - « » Ei schau einer ! « sagte Johann mit unmutigem Gesicht ; » ich habe immer gedacht , ein Herr wie der Ratsschreiber , mein Herr , könne in allen Ehren mit Eurem Töchterlein ein Wort wechseln , ohne daß die böse Welt - « » So ? ein Wort wechseln , und abends nach der Versperglock im März ? Er heiratet sie doch nicht , und meint Ihr , meines Kindes guter Ruf müsse nicht so rein sein , wie Eures Herrn seine weiße Halskrause ? Das könnt ich brauchen ! « Der Obermeister hatte während seinen eifrigen Reden den alten Johann an der Brust gepackt und seine Stimme so erhoben , daß die Umstehenden aufmerksam wurden ; der Meister Schmidt hielt es daher für das beste , den Erzürnten mit Gewalt wegzuziehen , und er verhütete so zwar weitere Streitigkeiten , doch konnte er nicht verhüten , daß es schon um Mittag in der ganzen Stadt hieß : Herr von Kraftens Johann habe noch in seinen alten Tagen eine Liebschaft mit des Obermeisters Töchterlein , und seie von dem erzürnten Vater auf der Wiese darüber zur Rede gestellt worden . Die Übungen des Fußvolkes waren indes zu Ende gegangen , das Volk verlief sich , und auch den jungen Mann , der die unschuldige Ursache zu jenem Streit gewesen war , sah man seine Schritte der Stadt zuwenden ; sein Gang war langsam und ungleich , sein Gesicht schien bleicher als sonst , seine Blicke suchten noch immer den Boden oder schweiften mit dem Ausdruck von Sehnsucht oder stillem Gram nach den fernen blauen Bergen , den Grenzmauern von Württemberg . Noch nie hatte sich Georg von Sturmfeder so unglücklich gefühlt , als in diesen Stunden . Marie war mit ihrem Vater abgereist ; sie hatte ihn noch einmal beschwören lassen , seinem Versprechen treu zu sein , und wie unglücklich machte ihn dieses Versprechen ! Wohl hatte es ihn damals nicht geringen Kampf gekostet es zu geben ; aber der betäubende Schmerz des Abschiedes , der Gram des geliebten Mädchens hatten überwunden . Doch jetzt , wo er mit festerem Blicke seinen Umgebungen , seiner Zukunft ins Auge sah , wie traurig , wie schwierig erschien ihm seine Lage ! Nichts davon zu sagen , daß alle seine goldenen Träume , alle jene kühnen Hoffnungen von Ruhm und Ehre mit einemmal verschwanden , nichts davon zu sagen , daß auch sein Ziel , das so nahe lag , Marien durch Kriegsdienste zu verdienen , ungewiß in die Weite hinausgerückt war - er sollte auf die Gefahr hin , von Männern , deren Achtung ihm teuer war , verkannt zu werden , diese Fahnen verlassen , gerade in einem Augenblick , wo man der Entscheidung entgegenging . Von Tag zu Tag , solange es ihm nur möglich war , verschob er diese Erklärung ; wo sollte er Gründe , wo Worte hernehmen , vor dem alten , tapfern Degen Breitenstein , seinem väterlichen Freunde seinen Abzug zu rechtfertigen ; mit welcher Stirne sollte er vor den edlen Frondsberg treten ? Ach , jene freundlichen Grüße , womit er den Sohn seines tapfern Waffengenossen zu freudigem Kampfe aufzumuntern schien , hatten ihn mit tausend Qualen gefoltert . An seiner Seite war sein Vater gefallen , er hatte gehört , wie der Sterbende den Ruhm seines Namens und ein leuchtendes Beispiel als einziges Erbe dem unmündigen Knaben zusandte ; dieser Mann war es , der ihm jetzt so liebevoll die Schranken öffnete , und auch ihm mußte er in so zweideutigem Lichte erscheinen . Er hatte sich unter diesen trüben Gedanken langsam dem Tore der Stadt genähert , als er sich plötzlich am Arm ergriffen fühlte ; er sah sich um , ein Mann , dem Anschein nach ein Bauer , stand vor ihm . » Was willst du « , fragte Georg etwas unwillig , in seinen Gedanken unterbrochen zu werden . » Es kommt darauf an , ob Ihr auch der Rechte seid « , antwortete der Mann . » Sagt einmal , was gehört zu Licht und Sturm ? « Georg wunderte sich ob der sonderbaren Frage und betrachtete jenen genauer . Er war nicht groß aber kräftig ; seine Brust war breit , seine Gestalt gedrungen . Das Gesicht von der Sonne braun gefärbt , wäre flach und unbedeutend gewesen , wenn nicht ein eigener Zug von List und Schlauheit um den Mund , und aus den grauen Augen Mut und Verwegenheit geleuchtet hätten . Sein Haar und Bart war dunkelgelb und gerollt ; er trug einen langen Dolch im ledernen Gurt , in der einen Hand hielt er eine Axt , in der andern eine runde , niedere Mütze von Leder , wie man sie noch heute bei dem schwäbischen Landvolk sieht . Während Georg diese flüchtigen Bemerkungen machte , wurden auch seine Züge lauernd beobachtet . » Ihr habt mich vielleicht nicht recht verstanden , Herr Ritter « , fuhr jener nach kurzem Stillschweigen fort ; » was paßt zu Licht und Sturm , daß es zwei gute Namen gibt ? « » Feder und Stein ! « antwortete der junge Mann , dem es auf einmal klarwurde , was unter jener Frage verstanden sei ; » was willst du damit ? « » So seid Ihr Georg von Sturmfeder « , sagte jener , » und ich komme von Marien von