, und hielt es mit den jüngern und Kindern . Die lehrte er feinen , lieblichen Gesang , vierstimmig , daß es recht erbaulich und rührend anzuhören war . Die Bauern und ihre Weiber hörten recht gern zu ; doch sie meinten , das sei wohl gut in der Schule , aber nicht in der Kirche , und ließen es beim alten Geschrei bewenden . Da griff es der Herr Pfarrer anders an . Ob er gleich die alten Lieder in Ehren hielt , theilte er doch , als Anhang zu den alten Liedern , in den Haushaltungen ein kleines Büchlein mit ; das enthielt allerlei schöne Gebete in Versen für solche Fälle , die in den alten Liedern fehlen mochten . Und dies Büchlein war dasselbe , was die Kinder schon längst in der Schule gehabt und gesungen hatten . Das war den Alten schon recht , denn es kostete sie nichts . Nachdem manche Woche und mancher Monat vergangen war , hielt eines Sonntags der Herr Pfarrer eine bewegliche Predigt über den Nutzen der Feierlichkeit beim öffentlichen Gottesdienst . Und er sprach von König Davids heiligem Harfenspiel und vom Halleluja der Engel am Throne Gottes . Und jeder Bauer verspürte , daß er bisher nicht mit gehöriger Andacht gesungen habe , wie die Engel Gottes singen . Dann sagte der Herr Pfarrer zuletzt : » Der Heiland hat gesprochen : lasset die Kindlein zu mir kommen , und wehret ihnen nicht . Also wollen wir auch unsern Söhnen und Töchtern nicht wehren , zum Heiland zu kommen . Und alle Sonntage sollen sie zuerst , ehe wir singen , einen Satz aus dem Anhang singen zu unserer Herzenserweckung ; künftigen Sonntag das erste Mal . « So sprach er . Und am nächsten Sonntage war die Kirche gedrängt voll ; und an den schwarzen Tafeln der Kirchthüren stand erst ein Vers aus dem Anhang , dann ein altes Lied angezeichnet . Die Leute hatten von selbst das Anhangbüchlein mitgebracht . Und es scholl der Gesang der Jugend wie sanfter Engelgesang durch die Kirchengewölbe . Es wurden viele Leuten vor Rührung die Augen feucht , die Herzen warm . Manche von den Alten sumseten leise und heimlich das schöne Lied nach . Dann ward von der ganzen Gemeinde das alte Lied gesungen . Der Herr Pfarrer sprach aber zuvor : » Ihr Männer , lieben Brüder , und ihr christlichen Frauen , vergesset nicht , daß unser Gott allgegenwärtig ist , und er euch höret , ob ihr gleich vor ihm sanft singet , wie Harfen Davids . « So sprach er . Die Gemeinde sang , und so sanft , daß man die schönen vierstimmigen Töne der jungen Leute hell und deutlich dazwischen hörte . Das klang wunderlieblich . Und wenn ein altes Weib einmal allzulaut hineinkreischte , stieß sie der Nachbar an , sie solle die Andacht nicht stören . So ging es manchen Sonntag . Und jeden Sonntag mischten mehrere von den Alten ihre Stimmen zu dem Gesang der Jugend , denn er gefiel ihnen wohl . Zuletzt sang die gesammte Gemeinde leise mit , sogar der Herr Pfarrer . Oft geschah , daß man bloß aus dem Anhang singen mußte . Wenn Fremde aus der Stadt oder aus benachbarten Dörfern einmal von Ungefähr in die Goldenthaler Kirche kamen und dem Gottesdienste beiwohnten , ward ihnen wundersam zu Muth . Und sie waren andächtiger hier , als anderswo . Und im ganzen Lande redeten sie davon . 19. Glück führt oft zur Unglücks-Schwelle , Unglück oft zur Glücks-Quelle . In denselben Tagen aber begab sich ein großes Unglück im benachbarten Dorfe Ferkelhausen , wo am hellen Tage eine Feuersbrunst ausbrach , während die Leute dort auf dem Felde gearbeitet hatten . Zwar aus Goldenthal , wie aus andern naheliegenden Ortschaften , war man sogleich zur Hülfe dahin geeilt . Allein binnen wenigen Stunde lagen sechs Wohnhäuser von den Flammen in Schutt und Asche verwandelt , und einige Stücke Viehs blieben in den Ställen lebendig verbrannt . Solches Unheil war durch Unvorsichtigkeit von Kindern gestiftet worden , die in einem der Häuser zurückgelassen worden waren , als sich die Erwachsenen zur Arbeit auf ihre Aecker und Wiesen begeben hatten . Die Kinder hatten in der Küche mit der Kohlenglut auf dem Herde gespielt . - Ein Unglück kömmt selten allein , sagt man . Und diesmal war ' s der Fall . Als Abends die Goldenthaler vom Löschen heimkamen , sahen sie vor der Hausthür des Adlerwirths Kreidenmann einen Haufen Weiber , Knechte , Mägde versammelt . Einige trockneten sich die Thränen vom Auge , Andere seufzten mitleidig ; Alle standen ernst und niedergeschlagen da . Aus dem Hause aber erschollen Stimmen lauten Jammers und Wehklagens . Denn das jüngste vierjährige Töchterlein hatte auf entsetzliche Weise sein junges Leben eingebüßt . Es war hinter dem Hause , beim Stalle , in die Mistjauche gefallen , und elendiglich in der stinkenden Pfütze ertrunken . Jedermann hatte das Kind lieb gehabt , denn es war artig und hübsch , wie ein kleiner Engel , gewesen . Darum sah man überall so großes Herzeleid . Als Herr Pfarrer Roderich zwei Tage nachher beim Begräbniß des Mägdleins rührende Worte des Trostes gesprochen hatte , begab er sich zu seinem Freunde Oswald und sagte : » Lieber Freund , gute Worte sind allerdings löblich ; aber gute Thaten viel löblicher . Es ist besser , Unglück verhüten , als darüber trösten . Es ist unverantwortlich , daß Leute zur Feldarbeit gehen und ihre unmündigen Kleinen ohne Aufsicht zu Hause sich selbst überlassen ! Es ist unverantwortlich , weil unverständig , gegen alle Aelternpflichten gesündigt , und gefahrvoll für sie selbst und Andre . Warum richtet man bei uns kein Bewahrhaus der Unmündigen ein , keine sogenannte Kleinkinderschule , wie man in vielen Städten und Ortschaften hat ? Das ist ja gar nicht kostspielig ; erspart den Aeltern Angst und Sorge , wenn sie , um Geld zu verdienen , von Hause sich