fortgesetzt , ohne ihm das Wort zu gönnen . Man redete schnell und flüchtig durcheinander , die Verhältnisse Frankreichs wurden auf unangenehme anmaßende Weise berührt , der Fremden mit Bosheit und üblen Willen gedacht . Frau von Saint Alban wollte einlenken und zugleich nicht allzuviel wagen , ihr Verhältniß zu Alonzo schien ihr in diesem Augenblick mißlich . Eine Dame , welche man die Marschallin nannte , deren Witz man stillschweigend das Patent des guten Geschmackes und liebenswürdigen Muthwillens gab , machte ein hämisches Epigramm nach dem andern . Bei Gelegenheit der Deutschen rief sie : que de vertus ils me font hair ! sie nannte sie les braves forcés und des faiseurs de gloire oder Messieurs du grand air , wußte ihren verschiedenen Dialekt und den langfüßigen weit ausgeholten Schritt ihres sublimen grammairen Französisch grotesk nachzuahmen , bezeichnete ihr stilles innerliches Wesen durch des maniêres du fauxbourg St. Denis , verlegte die Wohnsitze der Preußen hart an die Pole , machte die Kosacken zu ihren Nachbarn und Wölfe und Bären zu ihren Feldkameraden ; von den Russen sprach sie gar nicht anders als des bêtes qui s ' abreuvent de l ' air de Paris pour en donner aux habitans de Petersbourg . Doch nichts in der Welt stellte sie sich so komisch vor , als les dames de l ' hôpital de Berlin mit einem mal aus dem fond des boutiques de Paris ausstaffirt zu sehen . Wie , sagte sie , der ganze Einzug in diese Mauern ein Spiel war , das sie sich selbst gaben , so sind auch die Trophäen , die sie nach Hause schicken , Hauben und Bänder und Schuhe , für ihr Geld erhandelt , das emsige Mütter und Frauen kärglich ersparten und das man für unser Vergnügen prägen ließ . Alonzo trat das Blut zum Herzen , die Augen rollten drohend in ihren Kreisen , er warf einen flammenden Blick auf die Dame , vor dem sie die elektrischen Spitzen ihres Witzes einzog : Moskau und Madrid , sagte er mit gezwungener Kälte , haben sich nicht gleichen Vortheils zu rühmen , man würde in ganz Europa das französische Sousstück vergebens suchen und gleichwohl fanden wir Moskauer Silber und Shawls , Berliner Porzellan und spanische Tücher in Menge hier , ja der einzelne Eigenthümer sah oft plötzlich seinen Namen in französischen guten Häusern auf längst vermißten Büchern und Karten und Geräthen . Jenseit der Vogesen und Pyrenäen weiß man , wie Sie sehen , von den droits du vainceur noch zu wenig . Er war aufgestanden , verneigte sich , ohne etwas anders als das verletzte Recht , die befleckte Wahrheit , alle Foltern des gereizten Selbstgefühls , in den tapfern Waffenbrüdern zu empfinden , eilte er von hier weg in die tiefe Einsamkeit seiner entlegenen Wohnung . Funfzehntes Kapitel Der Aerger zitterte ihm noch lange in Herz und Gliedern . Er hörte noch immer die höhnenden Worte , er sah das lächelnde , verschmitzte Gesicht ; und Frau von Saint Alban hatte zu dem allem geschwiegen , sie hatte nichts versucht , um dem anwachsenden Uebermuth Einhalt zu thun , sie hatte ihm das Wort überlassen und eben dadurch das Widerwärtige , Nieauszugleichende herbeigeführt . Gesinnungen waren laut geworden , die bis dahin nur geahndet , unter dem Schleier zarter Schonung ihren Stachel verbargen . - Jetzt war der Damm durchbrochen . Was Blut und Tod nicht vermochten , das unbezwingliche Wort hatte es für ewig und immer angefacht . Die rasche That konnte ein dunkler Augenblick erzeugt haben , Liebe und Mitleid fühlten sich groß im Verzeihen , wie aber der lang verkleidete Unwille das Innere schreiend auseinander riß , und das Herz des Lebens zerfleischte , da war an kein vergeben und vergessen zu denken . Die Kluft , die von jetzt zwischen Alonzo und der französischen Familie lag , verdeckten nicht Worte , nicht Thaten . Nur an Blansche konnte er sich noch mit seinen Gedanken wenden , sie war über Streit und Unwillen , über Vaterland und Welt hinaus gehoben , beziehungslos ewig Eins in seinem Herzen . Er flüchtete zu ihr , er schrieb ihr in diesen qualvollen Stunden . » Warum meine Blansche , mußte ich Sie vergeblich suchen , warum waren Sie so weit von ihrem Freunde ? Ihr Auge , ihre Stimme , ihre Nähe hätte alles abgewendet ! Es sollte so sein ! Alles um uns her mußte erst zusammenbrechen , der feindliche Haß alles untergraben , alles dunkel werden , nirgend eine Rettung , als in uns in unsrer Liebe ! Ich habe das lange geahndet , jetzt ist es ja ganz unauslöschlich da ! Erschrecken Sie Blansche ? Ich nicht . Ich habe mich nun erst ganz wieder , ich fühle mich wie über allen Streit hinaus . Was geht mich dies Frankreich an , was habe ich mit seinen Einwohnern zu schaffen ! Nichts , in der Welt nichts ! Sind Sie auch eine Bürgerin Frankreichs , Blansche ? O um Gottes Willen überreden Sie sich das nicht . Sie sind es nicht , Sie dürfen es nicht sein ! Welches Land , welches Volk ist stolz genug , Sie sein zu nennen ? Sie eine Französin ! Wie thöricht und wie unwahr ! Der Liebe gehören Sie , das ist Ihre Heimath . Bin ich mit dieser zerfallen , Blansche ? Sagen Sie das wirklich ! Wie ihre stillen Züge dies dunkle Land erhellen ! wie ich bei Ihnen all ' die Störungen vergaß ! Wird das nun anders sein ? Ich weiß es , Ihre Mutter kann das nie verzeihen ! Wo werde ich Sie denn wiedersehen ? wann wird Ihr liebes frommes Auge Friede in meine Seele gießen ? Meinen Sie etwa , ich sei nun entschlossen , Frankreich zu fliehen , Sie aufzugeben ? Haben Sie denn ein Herz , Blansche und denken Sie so Entsetzliches ? Nein , ich bleibe , ich werde Sie suchen , und so Gott will , finden .