der Köhler waren gleich bereit , den Unglücklichen herunter zu schaffen . Antonie half , ihn leise in die Höhe heben , deckte ihn dann behutsam mit ihrem Mantel zu , und hieß beide sachte , und soviel als möglich gleichen Schrittes , gehn , weil ungleiche Bewegung die Wunden wieder aufreißen könne . Als sich nun beide aufmachten und langsam vorangingen , sah Antonie ihnen noch eine Weile sorglich nach , dann faßte sie den Herzog bei der Hand und sagte leise : Mein Onkel ! hassen Sie den Sohn ? denn daß er das ist , das sieht und fühlt sich wohl , warum denn diese Härte ? Hm ! sagte der Herzog , sich unwillig abwendend , erst muß ich wissen , ob er mit Ehren hier ist , ehe ihn meine Liebe zu nennen weiß . - Sie sah ihn betroffen an , doch schwieg sie , und Alle setzten nun still , und innerlich beunruhigt , ihren Weg zur Hütte fort . Zehntes Kapitel Sie waren noch nicht lange auf diese Weise in Gedanken fortgeritten , als sie an der sanftern Abflachung des Weges ein Häuschen erblickten , das , zu gastlicher Bewirthung bestimmt , gehörig erhellt , dem nächtigen Wanderer schon von fern dies ersehnte Ziel langer , unbequemer Anstrengung zeigte . So nahe , dachte Antonie , war der arme müde Mann Menschlicher Hülfe , und mußte dennoch unfehlbar sterben , kamen wir nicht des Weges . Und wer weiß , war es nun nicht zu spät ! - Sie hielten jetzt vor der Herberge . Antonie strich eilig an dem Wirthe vorüber , welcher , der vielen Gäste froh , diesen entgegen trat . Ihr Haar hing noch aufgelöst , wie ein Mantel , um ihre Schultern , die Unrahe der arbeitenden Seele glühete unstät aus Blick und Mienen , der Mann trat einen Schritt zurück , und sah sie befremdet die Thüre der Gaststube mit wilder Hast aufreißen ; doch hier blieb sie eben so schnell überrascht stehn . Der Kranke saß bereits aufgerichtet in einem Lehnstuhl , sein bleiches Gesicht ruhete in der aufgestemmten Hand . Bertrand , ehemaliger Feldchirurgus , schien eben seine Wunden untersucht und verbunden zu haben , der Köhler legte ihm jetzt sanft den Mantel auf Brust und Schultern , während Bertrand die feinen Instrumente sauber abwischte und wieder in die rothe Tasche einlegte , Antoniens blutiger abgerissener Schleier lag noch zu des Kranken Füßen . Sie bückte sich danach , und steckte ihn eben unter das Busentuch , als der junge Mann aufblickte , und , fast erschrocken , mit fliegender Röthe im Gesicht , beide Arme auf die Lehnen des Stuhls gestemmt , den Oberleib gehoben , eine rasche Bewegung ihr entgegen machte , aber mit einem tiefen Athemzug aus der kranken Brust , erschöpft , halb in die alte Ohnmacht zurücksank . Antonie that einen lauten Schrei , denn sie glaubte nicht anders , als er sterbe , da in diesem Augenblick die entsetzlichste Blässe sein Gesicht überzog . Auf diesen Schmerzeston stürtzte auch der Herzog hinein , welcher bis dahin wie im Kampfe mit sich selbst zögernd vor dem Hause stehn geblieben war , und das Ansehn hatte , als erwarte er die Uebrigen der Gesellschaft , welche eben auch eintraten . Doch faßte er sich sogleich , als er den Sohn lebend , ja unter Bertrands Händen besser fand , als er es früher dachte . Er blieb im Hintergrunde des Zimmers , und schien abzuwarten , bis es Zeit sein werde , zu reden . Allein die Baronin hatte kaum einen Blick auf den Kranken geworfen , als sie alle fortdrängte , an seinen Sessel niederkniete , seine Hände küßte , und unter einem Strom von Thränen wiederholt rief : Adalbert , Adalbert , mein Adalbert , bist Du es wirklich ? Dieser vernahm kaum den Ton ihrer Stimme , als sich die sanfteste Freundlichkeit über das liebe , weiche Angesicht ausbreitete , und er mit aller Anstrengung seiner erschöpften Kräfte , ja mit ritterlicher Zierlichkeit , bemühet war , die Tante vom Boden aufzuheben ! Allein sie verharrte in ihrer Stellung , und sagte , noch immer heftig weinend , laß mich so , o laß mich so ! ich bin Dir näher und danke zugleich Gott in Demuth für Deine Rettung . Mein liebstes Kind ! es ist mir wie ein Traum , daß ich Dich hier sehe ! Ach Adalbert ! rief sie , jetzt Frankreich , ihr eignes und des Neffen Leid beweinend , was ist aus Schloß Clairval , aus Dir und uns Allen geworden ! Wir leben , meine Tante ! erwiederte jener mit besänftigender Stimme , und haben die Ehre gerettet . Hast Du nun auch Deinem Vaterlande den Rücken gekehrt ? fragte die Baronin , und die armen bethörten Mitbürger verlaßen ? Ist es denn unvermeidlich geworden , daß Ihr Euch Alle auf eine oder die andere Weise Eurer Pflicht entziehet ? Davor bewahre mich Gott ! sagte Adalbert rasch einfallend , nur der Schuld entziehen wir uns ! Der Degen , den mir mein König im Nahmen meines Vaterlandes gab , soll kein Blutbeil werden ! Der Soldat , meine Tante treibt nicht des Nachrichters Handwerk ! Das fühlten alle meine Cameraden mit mir , unser Regiment ist aufgelöst , das ganze Officierscorps , in Treue und Ehre verbunden , harret ein jeder , in würdiger Zurückgezogenheit , der Stimme seines Volkes das jetzt Teufel bethören ! Gottlob ! rief der Herzog . Er mußte sich einen Augenblick auf den Marquis stützen , denn seine Standhaftigkeit war durch den allermühseligsten Kampf erschüttert ! Doch kaum hatte Adalbert den Ton dieser Stimme gehört , als ihn niemand zurück hielt , er glitt vom Sessel auf die Knie nieder , und schleppte sich , beide Arme ausgebreitet , zu den Füßen des todt geglaubten , lang entbehrten Vaters ! Mein Sohn , stammelte der Herzog , noch immer bemühet , die innere Bewegung