bekenne sie unwidersprechlich , daß sie die Ehe für etwas Unentbehrliches halte . Nun sei auch schon bekannt geworden , wie sie sich in ihren frühern Verbindungen betragen , ob sie Eigenheiten habe , die oft mehr zur Trennung Anlaß geben als üble Eigenschaften . Man habe sich also wechselseitig zu erkundigen ; man habe ebensogut auf Verheiratete wie auf Unverheiratete achtzugeben , weil man nicht wisse , wie die Fälle kommen können . « » Das würde freilich das Interesse der Gesellschaft sehr vermehren , « sagte Eduard ; » denn in der Tat jetzt , wenn wir verheiratet sind , fragt niemand weiter mehr nach unsern Tugenden noch unsern Mängeln . « » Bei einer solchen Einrichtung « , fiel die Baronesse lächelnd ein , » hätten unsere lieben Wirte schon zwei Stufen glücklich überstiegen und könnten sich zu der dritten vorbereiten . « » Ihnen ists wohl geraten , « sagte der Graf ; » hier hat der Tod willig getan , was die Konsistorien sonst nur ungern zu tun pflegen . « » Lassen wir die Toten ruhen , « versetzte Charlotte mit einem halb ernsten Blicke . » Warum ? « versetzte der Graf , » da man ihrer in Ehren gedenken kann . Sie waren bescheiden genug , sich mit einigen Jahren zu begnügen für mannigfaltiges Gute , das sie zurückließen . « » Wenn nur nicht gerade « , sagte die Baronesse mit einem verhaltenen Seufzer , » in solchen Fällen das Opfer der besten Jahre gebracht werden müßte ! « » Jawohl , « versetzte der Graf , » man müßte darüber verzweifeln , wenn nicht überhaupt in der Welt so weniges eine gehoffte Folge zeigte . Kinder halten nicht , was sie versprechen , junge Leute sehr selten , und wenn sie Wort halten , hält es ihnen die Welt nicht . « Charlotte , welche froh war , daß das Gespräch sich wendete , versetzte heiter : » Nun ! wir müssen uns ja ohnehin bald genug gewöhnen , das Gute stück- und teilweise zu genießen . « » Gewiß , « versetzte der Graf , » Sie haben beide sehr schöner Zeiten genossen . Wenn ich mir die Jahre zurückerinnere , da Sie und Eduard das schönste Paar bei Hof waren ; weder von so glänzenden Zeiten noch von so hervorleuchtenden Gestalten ist jetzt die Rede mehr . Wenn Sie beide zusammen tanzten , aller Augen waren auf Sie gerichtet , und wie umworben beide , indem Sie sich nur ineinander bespiegelten ! « » Da sich so manches verändert hat , « sagte Charlotte , » können wir wohl soviel Schönes mit Bescheidenheit anhören . « » Eduarden habe ich doch oft im stillen getadelt , « sagte der Graf , » daß er nicht beharrlicher war ; denn am Ende hätten seine wunderlichen Eltern wohl nachgegeben ; und zehn frühe Jahre gewinnen ist keine Kleinigkeit . « » Ich muß mich seiner annehmen , « fiel die Baronesse ein . » Charlotte war nicht ganz ohne Schuld , nicht ganz rein von allem Umhersehen , und ob sie gleich Eduarden von Herzen liebte und sich ihn auch heimlich zum Gatten bestimmte , so war ich doch Zeuge , wie sehr sie ihn manchmal quälte , so daß man ihn leicht zu dem unglücklichen Entschluß drängen konnte , zu reisen , sich zu entfernen , sich von ihr zu entwöhnen . « Eduard nickte der Baronesse zu und schien dankbar für ihre Fürsprache . » Und dann muß ich eins « , fuhr sie fort , » zu Charlottens Entschuldigung beifügen : der Mann , der zu jener Zeit um sie warb , hatte sich schon lange durch Neigung zu ihr ausgezeichnet und war , wenn man ihn näher kannte , gewiß liebenswürdiger , als ihr andern gern zugestehen mögt . « » Liebe Freundin , « versetzte der Graf etwas lebhaft , » bekennen wir nur , daß er Ihnen nicht ganz gleichgültig war , und daß Charlotte von Ihnen mehr zu befürchten hatte als von einer andern . Ich finde das einen sehr hübschen Zug an den Frauen , daß sie ihre Anhänglichkeit an irgendeinen Mann solange noch fortsetzen , ja durch keine Art von Trennung stören oder aufheben lassen . « » Diese gute Eigenschaft besitzen vielleicht die Männer noch mehr , « versetzte die Baronesse ; » wenigstens an Ihnen , lieber Graf , habe ich bemerkt , daß niemand mehr Gewalt über Sie hat als ein Frauenzimmer , dem Sie früher geneigt waren . So habe ich gesehen , daß Sie auf die Fürsprache einer solchen sich mehr Mühe gaben , um etwas auszuwirken , als vielleicht die Freundin des Augenblicks von Ihnen erlangt hätte . « » Einen solchen Vorwurf darf man sich wohl gefallen lassen , « versetzte der Graf ; » doch was Charlottens ersten Gemahl betrifft , so konnte ich ihn deshalb nicht leiden , weil er mir das schöne Paar auseinandersprengte , ein wahrhaft prädestiniertes Paar , das , einmal zusammengegeben , weder fünf Jahre zu scheuen , noch auf eine zweite oder gar dritte Verbindung hinzusehen brauchte . « » Wir wollen versuchen « , sagte Charlotte , » wieder einzubringen , was wir versäumt haben . « » Da müssen Sie sich dazuhalten , « sagte der Graf . » Ihre ersten Heiraten « , fuhr er mit einiger Heftigkeit fort , » waren doch so eigentlich rechte Heiraten von der verhaßten Art , und leider haben überhaupt die Heiraten - verzeihen Sie mir einen lebhafteren Ausdruck - - etwas Tölpelhaftes ; sie verderben die zartesten Verhältnisse , und es liegt doch eigentlich nur an der plumpen Sicherheit , auf die sich wenigstens ein Teil etwas zugute tut . Alles versteht sich von selbst , und man scheint sich nur verbunden zu haben , damit eins wie das andere nunmehr seiner Wege gehe . « In diesem Augenblick machte Charlotte , die ein für allemal dies