nichts ; sie haben eine eigene Sprache ; sie hat freilich keine Worte , ist aber doch höchst verständlich und ausdrucksvoll ! « - In diesem Augenblick , als Albertine eben antworten wollte und auf eine unangenehme Art verlegen zu seyn schien , kam Rosamundens Zofe und ladete Albertinen zu ihrer Dame ein , indem der Herr von gestern Abend seine Aufwartung mache . » Es ist ein allerliebster junger Herr ! « flüsterte das Ding im Herausgehen Albertinen zu . Henriette bemerkte mit wirklicher Bekümmerniß den Eindruck , den diese Botschaft auf ihre Freundin machte ; und als diese nicht zu wissen schien , wie sie geschwind ihre Toilette ordnen sollte , ohne Anlaß zu den kleinen Neckereien der vertrauten Freundschaft zu geben , trat Henriette gutmüthig hinzu , reichte ihr eine feine Spitzenhaube und legte mit einem sanften Kuß einen Schawl um ihre Schultern , reichte ihr dann die Hand , und sagte : » Adieu , auf Wiedersehen ! « - » Nicht doch , Henriette ! Sie müssen ihn kennen lernen . « - So schlenderten sie beide , Hand in Hand , in das Visitenzimmer . » Sie sehen , ich bin nicht neidisch , liebe Lindenhain ! « rief ihr Rosamunde entgegen , und schien dabei sich etwas damit zu wissen , daß sie der Schönheit und Jugend huldigte . - » Ei , Madame Euler ! wie kommt man denn einmal zu der Ehre , Sie ihrer Einsamkeit zu entlocken ? Herr Baron , eine berühmte Künstlerin ! « - Die Dame wollte aus Eitelkeit ihrer ganzen Umgebung eine vollwichtige Bedeutung geben . Madame Euler lehnte das berühmt bescheiden ab ; aber durch den Ausruf : Künstlerin ! gewann das Gespräch eine interessante Wendung , wobei der Baron sehr einsichts- und geschmackvoll über die Kunst sprach . Henriette schien sehr zufrieden mit ihm zu seyn , und sagte nachher Albertinen : » ist er , was er scheint , so ist Ihre kleine Partheilichkeit vollkommen gerechtfertigt . Indeß fürchte ich mich vor der erstaunlichen Regsamkeit seiner Muskeln . Bemerken Sie doch das ewige Spiel derselben , das seiner Bildung nicht fünf Minuten nach einander denselben Ausdruck läßt . Im Ganzen ist er mir auch zu glatt , zu hell polirt , als daß er nicht harter Natur seyn sollte . « Albertine schwieg , fand aber im Herzen an dem Urtheile ihrer Freundin viel auszusetzen ; seine Aufmerksamkeit schmeichelte ihrer kleinen Eitelkeit sehr , da er , nachdem er die Welt so durchkreuzt und gesehen hatte , sie dennoch auszeichnete . Sie verglich ihn , beinahe ohne es zu wollen , mit Alberten , den sie ein wenig dem Hintergrunde zuschob , so wie beinahe ohne ihr Zuthun , unter ihrem Krayon des Barons Gestalt auf den Vordergrund hervorging , als sie eine Idee ausführen wollte , worin er eigentlich gar nicht eingriff . Zwölftes Kapitel Bei dem Abendtisch fand sich der ganze Cirkel der Hausfreunde ein , wozu nun auch der Baron Weißensee gehörte . Wassermann war toll und böse über diesen neuen Aristokraten , wie er ohne Umstände jeden Adlichen nannte , der ihm um so mehr zuwider war , weil er einen neuen gefährlichen Rival bei Albertinen in ihm ahnete . Auch war seine Grobheit gegen den Baron ganz unbegränzt , und wo dieser nur den Mund aufthat , war er bereit , ihm auf ' s beleidigendste zu widersprechen . Traf es sich nun zum Unglück , daß Albert mit dem Baron einerlei Meinung war , so schrie Wassermann über den Esprit de Corps dieser Kaste , über Despotisirung der Meinungen u.s.w. Bei dieser Wendung des Gespräches war Niemanden wohl , und alle waren froh , als es zu Tische ging . Vorher nahm noch Albert einen Augenblick wahr , Albertinen leise zu sagen : der Baron Weißensee sei der nemliche , von dem er wisse , und sei aller Wahrscheinlichkeit nach ein Avanturier , ein entlassener Schauspieler , und gehöre jetzt zu einer Spielerklicke . Es sei ihm heilige Pflicht der Freundschaft , ihr dieses zu sagen . Albertine dankte ihm etwas kalt und nicht ganz mit der Unbefangenheit , mit der sie sonst alles that . Albert zog sich bescheiden zurück . Über Tische wurde unter Mancherlei , auch die Weltbürgerschaft ein Gegenstand des Gesprächs . Wassermann erklärte sich wüthend dafür , und meinte , in Fällen , wo es auf ' s Wohl der Menschheit ankäme , könne man seinen Kreis nicht weit genug ziehen . Albert behauptete , dies sei Bequemlichkeitstrieb , weil der Anforderungen für die Ferne wenige wären . In der Nähe und in engen Kreisen zu wirken , sei sicherer , als seinen Wohlthätigkeitstrieb nach Amerika oder sonst in die Ferne zu schicken . Die nähern Ansprüche der Verwandtschaft , nach diesen die der Mitbürgerschaft zu erfüllen , sei verdienstlicher , und fände dann ein großer , vielumfassender Geist einen ferneren Wirkungskreis in seiner Sphäre zu ziehen möglich , so wäre dies freilich etwas Großes , könne aber nie allgemeine Tugend werden . » Wie ? « schrie Wassermann ; » Sie wollten nicht mit Leib und Gut für die armen , bedrängten Neger wirken ? - Mit meinem Leben möcht ' ich ' s ! « - » Ich vor der Hand nicht ! « sagte Albert ruhig ; » noch habe ich zu viel Pflichten gegen meine Gutsunterthanen und gegen viele andre meiner Mitbürger auszuüben . « - Wassermann überschrie ihn und trieb es so arg , daß man hätte meinen sollen , er werde noch diese Nacht unter Seegel gehen , die Schwarzen zu befreien . Indem erscholl ' s im Hause : » Feuer ! Feuer ! « - Die Thüren des Speisesaales wurden aufgerissen , und die Domestiken stürzten todtenbleich mit der Nachricht herein : es brenne im Hinterhause ; der Stall stehe in lichten Flammen . Alle sprangen von ihren Sitzen auf und eilten heraus . Nur der einzige Wassermann blieb ruhig sitzen , trank sein