wo unsere irdische Wallfahrt zu Ende ging . Mein Entschluß war im Augenblicke reif . Ich fand , was ich nie erwartet hatte ; eine göttliche Erleuchtung kam über mich , und seit dem Tage , da ich sie hier selbst begrub , nahm eine himmlische Hand allen Kummer von meinem Herzen . Das Grabmal habe ich nachher errichten lassen . Oft scheint eine Begebenheit sich zu endigen , wenn sie erst eigentlich beginnt , und dies hat bey meinem Leben statt gefunden . Gott verleihe euch allen ein seliges Alter , und ein so ruhiges Gemüth wie mir . Heinrich und die Kaufleute hatten aufmerksam dem Gespräche zugehört , und der Erstere fühlte besonders neue Entwickelungen seines ahndungsvollen Innern . Manche Worte , manche Gedanken fielen wie belebender Fruchtstaub , in seinen Schooß , und rückten ihn schnell aus dem engen Kreise seiner Jugend auf die Höhe der Welt . Wie lange Jahre lagen die eben vergangenen Stunden hinter ihm , und er glaubte nie anders gedacht und empfunden zu haben . Der Einsiedler zeigte ihnen seine Bücher . Es waren alte Historien und Gedichte . Heinrich blätterte in den großen schöngemahlten Schriften ; die kurzen Zeilen der Verse , die Überschriften , einzelne Stellen , und die saubern Bilder , die hier und da , wie verkörperte Worte , zum Vorschein kamen , um die Einbildungskraft des Lesers zu unterstützen , reizten mächtig seine Neugierde . Der Einsiedler bemerkte seine innere Lust , und erklärte ihm die sonderbaren Vorstellungen . Die mannichfaltigsten Lebensscenen waren abgebildet . Kämpfe , Leichenbegängnisse , Hochzeitfeyerlichkeiten . Schiffbrüche , Höhlen und Paläste ; Könige , Helden , Priester , alte und junge Leute , Menschen in fremden Trachten , und seltsame Thiere , kamen in verschiedenen Abwechselungen und Verbindungen vor . Heinrich konnte sich nicht satt sehen , und hätte nichts mehr gewünscht , als bey dem Einsiedler , der ihn unwiderstehlich anzog , zu bleiben , und von ihm über diese Bücher unterrichtet zu werden . Der Alte fragte unterdeß , ob es noch mehr Höhlen gäbe , und der Einsiedler sagte ihm , daß noch einige sehr große in der Nähe lägen , wohin er ihn begleiten wollte . Der Alte war dazu bereit , und der Einsiedler , der die Freude merkte , die Heinrich an seinen Büchern hatte , veranlaßte ihn , zurückzubleiben , und sich während dieser Zeit weiter unter denselben umzusehn . Heinrich blieb mit Freuden bey den Büchern , und dankte ihm innig für seine Erlaubniß . Er blätterte mit unendlicher Lust umher . Endlich fiel ihm ein Buch in die Hände , das in einer fremden Sprache geschrieben war , die ihm einige Ähnlichkeit mit der Lateinischen und Italienischen zu haben schien . Er hätte sehnlichst gewünscht , die Sprache zu kennen , denn das Buch gefiel ihm vorzüglich ohne daß er eine Sylbe davon verstand . Es hatte keinen Titel , doch fand er noch beym Suchen einige Bilder . Sie dünkten ihm ganz wunderbar bekannt , und wie er recht zusah entdeckte er seine eigene Gestalt ziemlich kenntlich unter den Figuren . Er erschrack und glaubte zu träumen , aber beym wiederhohlten Ansehn konnte er nicht mehr an der vollkommenen Ähnlichkeit zweifeln . Er traute kaum seinen Sinnen , als er bald auf einem Bilde die Höhle , den Einsiedler und den Alten neben sich entdeckte . Allmählich fand er auf den andern Bildern die Morgenländerinn , seine Eltern , den Landgrafen und die Landgräfinn von Thüringen , seinen Freund den Hofkaplan , und manche Andere seiner Bekannten ; doch waren ihre Kleidungen verändert und schienen aus einer andern Zeit zu seyn . Eine große Menge Figuren wußte er nicht zu nennen , doch däuchten sie ihm bekannt . Er sah sein Ebenbild in verschiedenen Lagen . Gegen das Ende kam er sich größer und edler vor . Die Guitarre ruhte in seinen Armen , und die Landgräfinn reichte ihm einen Kranz . Er sah sich am kayserlichen Hofe , zu Schiffe , in tauter Umarmung mit einem schlanken lieblichen Mädchen , in einem Kampfe mit wildaussehenden Männern , und in freundlichen Gesprächen mit Sarazenen und Mohren . Ein Mann von ernstem Ansehn kam häufig in seiner Gesellschaft vor . Er fühlte tiefe Ehrfurcht vor dieser hohen Gestalt , und war froh sich Arm in Arm mit ihm zu sehn . Die letzten Bilder waren dunkel und unverständlich ; doch überraschten ihn einige Gestalten seines Traumes mit dem innigsten Entzücken ; der Schluß des Buches schien zu fehlen . Heinrich war sehr bekümmert , und wünschte nichts sehnlicher , als das Buch lesen zu können , und vollständig zu besitzen . Er betrachtete die Bilder zu wiederholten Malen und war bestürzt , wie er die Gesellschaft zurückkommen hörte . Eine wunderliche Schaam befiel ihn . Er getraute sich nicht , seine Entdeckung merken zu lassen , machte das Buch zu , und fragte den Einsiedler nur obenhin nach dem Titel und der Sprache desselben , wo er denn erfuhr , daß es in provenzalischer Sprache geschrieben sey . Es ist lange , daß ich es gelesen habe , sagte der Einsiedler . Ich kann mich nicht genau mehr des Inhalts entsinnen . Soviel ich weiß , ist es ein Roman von den wunderbaren Schicksalen eines Dichters , worinn die Dichtkunst in ihren mannichfachen Verhältnissen dargestellt und gepriesen wird . Der Schuß fehlt an dieser Handschrift , die ich aus Jerusalem mitgebracht habe , wo ich sie in der Verlassenschaft eines Freundes fand , und zu seinem Andenken aufhob . Sie nahmen nun von einander Abschied , und Heinrich war bis zu Thränen gerührt . Die Höhle war ihm so merkwürdig , der Einsiedler so lieb geworden . Alle umarmten diesen herzlich , und er selbst schien sie lieb gewonnen zu haben . Heinrich glaubte zu bemerken , daß er ihn mit einem freundlichen durchdringenden Blick ansehe . Seine Abschiedsworte gegen ihn waren sonderbar bedeutend . Er schien von seiner Entdeckung zu wissen und