Du Julien nicht befohlen hättest krank zu werden ? - Vielleicht wäre das Bekenntniß der Liebe noch jetzt , noch in vielen Jahren , wahrscheinlich niemals über Antonelli ' s Lippen gekommen . Willst Du ; so wird es , trotz allem was geschehen ist , auch jetzt noch unwirksam . - Ich bitte Dich ! wolle es ! Du mögtest sonst mehr zu bereuen haben , als Du glaubst . Funfzehnter Brief Olivier an Reinhold Du hast immer Deinen Willen gehabt ; wenn es Dir gelungen ist , mich im Voraus mit mir selbst zu versöhnen . Aber jetzt zweifle ich daran . Du kennst sie nicht ; sonst würdest Du manches nicht geschrieben haben . Ja , ich gebe zu , die Leidenschaft hat mich verblendet . Es ist wohl manches von dem was ich glaubte , nicht möglich . Aber ich , ich selbst weiß ja , wie man sie liebt , wie man kein Verbrechen scheut , wenn es auf ihren Besitz ankommt . Sieh , bey andern Weibern bleibt noch immer die Hoffnung , man könne etwas Ähnliches , vielleicht gar etwas Besseres wieder finden . Aber bey ihr ist das schlechterdings unmöglich . Diese Engelgestalt kehrt nicht zum zweytenmale wieder . Dieser stillsiegende Geist kann nur diesen Körper bewohnen . Du solltest sie erwachen , Du solltest sie einschlummern sehen . - Es ist einzig . Letzt habe ich sie eine halbe Nacht beobachtet . Der Mond schien ihr gerade in das Engelgesicht und - nun ja , ich nannte mich einen Verrückten , daß ich je etwas Unedles von ihr geglaubt hatte . Aber hoffe darum nicht , daß ich sie fremden Augen wieder Preis gebe . Mein Glück ist zu groß , und das Schicksal um so tückischer . Den groben Tagelöhnern fällt , wenn sie in ihre Nähe kommt , das Arbeitszeug aus den Händen . Den Sohn meines Gärtners habe ich wegschaffen müssen . Er stahl Schuhe , Bänder , und alles was er von ihrer Kleidung habhaft werden konnte , um das alles nachher wie Heiligthümer zu verehren . Brachte ganze Nächte im Garten , vor unserm Schlafzimmer , auf der feuchten Erde zu . Wir wußten nichts davon . Der Bube hatte sich , seitdem ihn der Vater aus der Fremde kommen ließ , immer vor mir verborgen . Kaum sah ich ihn ein paar Mal im Vorüberlaufen . Gestern Morgen öffnet Julie die Thür , und fliegt heftig erschrocken wieder zurück . » Was ist ? « - frag ich nicht minder erschrocken , da ich die Todesblässe auf ihrem Gesicht bemerke . » Es lag ein Mann - antwortet sie , und taumelt mir zitternd entgegen - es lag ein Mann auf der Erde . Beynah wäre ich über ihn gefallen . « - » Wer untersteht sich ! « - ruf ich , und reiße die Thür auf - da sehe ich den Buben in die Wohnung seines Vaters fliehen . Nun erzählt mir der Alte , wie oft er ihn gewarnt habe , wie aber alles fruchtlos gewesen sey . Er irre jetzt ganze Tage in dem benachbarten Walde umher , und kehre nur des Abends wieder zurück . Es versteht sich , daß ich nun auf die Abreise drang . Seitdem habe ich den Tollkopf nicht wieder gesehen . Jetzt läugne , daß ich zu strengen Maaßregeln gezwungen bin . Sechzehnter Brief Olivier an Reinhold Wer war der Gärtnerbursche ? - O mein weiser Freund ! das mögtest Du bey Deinem Sicherheits-System wohl schwerlich errathen . Der Herr Graf Antonelli . Nun , was sagst Du dazu ? - Auch ich , von Dir eingeschläfert , war dumm genug , nicht sogleich darauf zu verfallen . War dumm genug , nicht einzusehen , daß nur in einem südlichen , brennenden Gehirn der Gedanke entstehen konnte , der Geliebten auf diese Weise zu nahen . Ich weiß , wie das in diesem Kopfe lodert , kenne die Wünsche dieses kindischen , brennenden Herzens . Über ihn wegschreiten sollte sie . Von ihren Füßen wollte er berührt werden . - Ächt italienisch ! - Ein deutscher Mann hat von dieser Selbstvernichtung , von diesem mit Leib und Seele zu eigen geben , keinen Begriff . Aber die deutschen Weiber können das alles gar treflich begreifen . Wie ich es entdeckt habe ? Wie man das meiste entdeckt ; durch Zufall . Gestern da ich an der Bleiche vorüber gehe , treibt mir ein feines gesticktes Tuch entgegen . Ich halte es fest , und bemerke ein A. darinne . Noch denke ich nichts bestimmtes ; aber in dem Augenblicke sehe ich des Gärtners Frau sich ängstlich zwischen der übrigen Wäsche umhertreiben , und dem Winde ein Stück nach dem andern abjagen . » Wem gehört denn das alles ? « - frage ich - » Meinem Sohne « - antwortet sie bluthroth , stotternd , und zitternd . » Ist er noch nicht abgereist ? « - » Ach Gott , nein ! Er hat ein hitziges Fieber , und da war es doch nicht möglich . « » Versteht sich ! - Aber was für einen Arzt habt Ihr denn ? « » Einen Arzt ? - Du lieber Gott ! « » Nun ! Ihr werdet doch nicht wahnsinnig genug seyn den Menschen so liegen zu lassen ? Euer einziges Kind so aufzugeben ! « - » Laßt mir den Alten kommen ! oder - setze ich hinzu , indem ich rasch , ohne weiter auf sie zu hören , fortschreite - besser , ist besser ! « Mit diesen Worten stehe ich an der Thür des Hüttchens ; aber da fällt mir das A. wieder in die Augen , und ich trete einige Schritte zurück . Indem kommt mir der Alte entgegen , und ich stürze nun mit einer Art von Wuth hinein zu dem Bette . Da lag er , von Fieberhitze glühend . Nannte laut ihren Namen , klagte sich