dem gewöhnlichen Tone des Grafen anzupassen suchte , und es dünkt mich , Sie müssen in dem Flies ' schen Hause mehr als nur eine Einquartierung gewesen sein , denn Seba weicht stets aus , wenn ich von Ihnen spreche ! In welchem Verhältnisse standen Sie zu ihr ? Der Graf lachte hell auf , Renatus machte ihm in seiner steifen Leichtfertigkeit einen komischen Eindruck , aber er ließ ihn nicht merken , daß dieses Lachen nicht der Frage , sondern dem Frager galt , und entgegnete : In dem einzigen Verhältnisse , in welchem Unsereiner zu einem Judenmädchen stehen kann ! Um ihre Bekehrung zum Christenthume , das sagst Du Dir wohl selber , war mir ' s nicht wesentlich zu thun ! Renatus hatte bei der Art seiner Frage auf eine solche Antwort gefaßt sein müssen , doch war sie ihm widerwärtig . Er fand nicht gleich die Entgegnung , die er zu geben für nöthig hielt ; der Graf ließ ihm auch nicht die Zeit , sie erst lange zu suchen . Ein eigener Gedanke , Dich in das Haus zu schicken ! Eine wunderliche Weise , in welcher man Dich überhaupt für den Feldzug für das Leben vorbereitet hat , für diesen Krieg Aller wider Alle ! sagte er plötzlich . Aber das vergessen sie in ihrer Weisheit ! Sie lassen Euch in die Welt gehen , ohne Euch die Gefahren zu zeigen , die Euch drohen , ohne Euch vorsichtig zu machen , mit nichts ausgestattet als mit Eurer Unschuld und Begehrlichkeit , und dann wundern sie sich , wenn Ihr wie die Drosseln in der ersten Schlinge und an der ersten rothen , reifen Beere hängen bleibt , die Euch in den Weg kommt ! Arme Gräfinnen und reiche Juden , das ist alles Eins : feine Vogelsteller , die ihre Vögel kennen und ihr Garn zu legen wissen , jeder auf seine Art - und Ihr fallt dann auch hinein - Jeder auf seine Art ! Ja , leider ! rief Renatus unwillkürlich . Leider ? Was weißt Du davon ? fragte der Graf , der bis dahin im Zimmer umhergegangen war , vor seinem Neffen Fuß fassend . Renatus zögerte zu antworten . Er wußte , daß der Graf nicht der Mann war , die Neigung zu würdigen , welche ihn mit seiner Jugendgespielin verbunden und der er sich in der letzten Zeit mit so viel Hingebung und Wärme überlassen hatte . Er wußte eben so gut , daß er heute absichtlich ein Unrecht gegen Hildegard begangen habe und daß er dieses steigere , indem er den Grafen in das Vertrauen ziehe ; aber er konnte mit Zuversicht darauf rechnen , von demselben wegen dieses Unrechtes nicht getadelt zu werden , er durfte vielmehr hoffen , Aufmunterung zu erhalten , wo er selber sich Vorwürfe machte , und weil er in jedem Betrachte unzufrieden mit sich war , verlangte sein abhängiges Wesen nach Lob , gleichviel , von wem ihm dieses komme oder worauf es sich beziehe . Trotzdem fand er es schwerer , als er sich ' s gedacht hatte , von seinen guten Gewohnheiten , von den Ehr- und Anstandsbegriffen zu lassen , in denen er erzogen und aufgewachsen war , und dem scharfen Auge seines Onkels ausweichend , entgegnete er , um Zeit zu gewinnen : O , von mir ist nicht die Rede , und Sie , Onkel , Sie können derartige Erfahrungen doch nicht gemacht haben ? Ihr Glück bei den Frauen ist ja noch sprüchwörtlich im Regimente ! Der Graf nahm eine ernste Miene an . Ich habe mich , sagte er , über die Frauen nicht zu beklagen gehabt , weil ich frei zu bleiben und zu schweigen verstand und weil ich dasjenige zu vergessen weiß , woran ich nicht erinnert zu sein wünsche . Gehe hin und thue ein Gleiches , fügte er lächelnd hinzu , und sie werden , wenn sie nicht Deines Lobes voll sind , doch ausweichen , wenn man von Dir spricht ! Wie Seba ! fiel Renatus , der sich erinnerte , wie er sich vorher eben dieses Ausdruckes bedient hatte , dem Oheim , als habe er eine Erleuchtung erhalten , lebhaft in die Rede . Wie Seba thut , wenn man von Ihnen spricht ! Der Graf ließ den Ausruf unbeantwortet . Erst nach einer geraumen Pause sagte er : Wenn die Frauen ihre Vergangenheit so ganz und gar vergessen , geben sie uns das Recht wieder , derselben zu gedenken . Es ist belustigend , zu hören , wie geläufig die großen Worte : Deutschthum , Jungfräulichkeit und Tugend dieser Gesellschaft und allen diesen Frauen geworden sind , wie sie einander stützen und tragen , weil die meisten von ihnen auf schwachen Füßen stehen , und wie alle doch nur den Einen Zweck der Selbstsucht verfolgen : einen Mann zu bekommen oder die Ihrigen an den Mann zu bringen . Nur schade , daß man ' s merkt ! - Ich sagte Dir neulich : Nimm Dich mit den Rhoden ' s in Acht ! Die Warnung war vielleicht vom Ueberfluß , denn auf die blonde , schmachtende Unschuld hast Du ' s wohl nicht abgesehen ! Ich sage Dir heute , vielleicht mit größerem Rechte : Sieh ' Dich mit den Flies , mit Seba vor ! Sie könnte für Davide zu erlangen wünschen , was ich ihr zu gewähren trotz ihrer Zuvorkommenheit nicht für angemessen fand , und sie gehört zu denen , die vielleicht großes Spiel für Andere zu spielen lieben , nachdem sie die Partie für sich verloren haben ! Er ging an seinen Schreibschrank , setzte sich vor demselben nieder und suchte anscheinend etwas unter seinen papieren . Renatus war es äußerst unbehaglich zu Muthe . Er wußte seinem Oheim für diese Mittheilungen keinen Dank , obschon er selber sie hervorgerufen hatte , dennoch reizten ihn die Andeutungen , die halben Aufschlüsse , welche derselbe ihm machte . Weil er sich