nicht viel zu sprechen . Doch nahm sie sich zusammen , um sich nicht allzu sehr ihren Gedanken hinzugeben , denn Orest beobachtete sie scharf . Er sah finster wie die Nacht aus und fieberhafte Unruhe gab sich in seinem Äußern kund . Als man um Mitternacht auseinanderging , wollte Judith auch Orest entlassen , aber er sagte : » Ich bitte um einen Augenblick Gehör , Judith , und um Beantwortung einiger Fragen . « Sie neigte zustimmend ihr schönes Haupt . » Werden Sie heute wieder eine nächtliche Exkursion machen ? « fragte er . » Da Sie , wie es scheint , Florentin als Spion brauchen , « sagte sie kalt , eingedenk ihrer Begegnung , » so hätte er Ihnen mitteilen müssen , daß ich um sieben Uhr ausgegangen und um acht Uhr heimgekehrt bin . « Orest freute sich , trotz Florentins hämischen Warnungen , über diese Auskunft . Er konnte es nicht lassen , an Judiths Aufrichtigkeit zu glauben . Er fragte weiter : » Werden Sie meinen Bitten Gehör geben und sich nach einem akatholischen Ritus taufen lassen ? « » Nein . « » Warum nicht ? « » Weil Christus , der Erlöser , in der katholischen Kirche ist und ich ihn nicht verleugnen kann . « » Und wir sollten getrennt werden ? « » Gott will es . « » Der Priester will es ! « fuhr Orest mit einem schneidenden Lachen auf . » Hat je ein Mensch meinen Willen bestimmt ? « fragte sie kalt . » Welche Pläne für die Zukunft haben Sie ? « » Gar keine . « » Und das soll man glauben ? « Judith schwieg . Orest wiederholte nach einer Pause : » Und das soll ich glauben ? « » Das hängt von Ihnen ab . Ich sage die Wahrheit . « » Werden Sie mir zu entfliehen suchen ? « » Ich bin nicht Ihre Gefangene , daß ich wüßte ! Aber es wird gut sein , daß sich ein Stückchen Land oder Meer zwischen uns lege . « » Denken Sie nur nicht an heimliche Flucht ! « drohte er . » O , « seufzte sie aus tiefster Brust , » ich denke an nichts , als das Gewand der heiligmachenden Gnade in der Taufe für meine Seele zu erwerben ! « » Also Sie denken nicht daran , sich heute oder morgen auf die Flucht zu begeben ? « Judith besann sich und sagte : » Nein . « Es schien ihr am geratensten , vorderhand in Trinità dei Monti zu bleiben . » Also noch ein paar Tage der Hoffnung ! « rief Orest . » Schweige ! « setzte er hinzu , als sie eine verneinende Bewegung machte ; » o schweige ! so lange ich Dich sehe , hoffe ich . « - - Er ging zu Florentin , teilte ihm das lakonische Gespräch mit und sagte zuletzt : » Sie hat also noch keinen Plan für die Zukunft ; das tröstet mich . Vielleicht kann ich sie dennoch gewinnen . « » Du bist einzig mit Deinem hyperkindlichen Vertrauen ! « rief Florentin , der außer sich vor Erbitterung bei dem Gedanken war , daß seine zwiefachen Hoffnungen als Demokrat und freier Denker an Judiths Übertritt zur katholischen Kirche scheitern sollten . » Kennst Du denn nicht die Art der Frauen ? sie lügen nicht und sagen Dir doch nicht die Wahrheit , die Du wissen willst . « » Deine Erfahrungen mögen Dich zu dieser Behauptung drängen , « entgegnete Orest verächtlich . » Judith ist anders . « » Judith ist ebenso ! « sagte Florentin mit kaltem Cynismus . Er war sittlich so tief gesunken , daß er jeden Glauben an edle Gesinnung und reine Absicht verloren hatte . » Judith hat keinen Plan für ihre Zuknuft gemacht - versichert sie Dir . Gut ! es mag sein . Aber sei fest überzeugt : der Priester - natürlich ist es ein Jesuit ! hat längst seinen Plan gemacht und darauf muß sie eingehen , die Unglückliche ! Dazu wird sie durch die Tortur der Beicht gezwungen . « » Mit dem Unsinn bleib ' mir vom Halse ! « rief Orest . » Ich gehe nicht zur Beicht , weil ich nicht will . Aber Tortur und Zwang in sie hineinzulügen ist über allemaßen dumm und lächerlich . Mit solchen Behauptungen kannst Du nur im Feuilleton schlechter Zeitungen Glück machen . « » Hat Judith nicht gesagt , es sei der Wille Gottes , daß Ihr euch trenntet ? - oder ähnliche Floskeln ? « fragte Florentin äußerst gleichgültig gegen Orests Vorwurf , da er zu gemein geworden war , um noch Schamgefühl zu besitzen . » Das hat sie . « » Da nun Gott unmöglich in höchsteigener Person ihr diesen Willen ausgesprochen haben kann , so muß es ja der verruchte Jesuit gewesen sein ; denn sonst redet ja niemand in diesem Sinn zu ihr . Und da sie entschlossen ist zu dieser Trennung , so mußt Du doch einsehen , daß der Jesuit mehr Macht über sie hat , als Du , trotz Deiner langen , glühenden , treuen Liebe . Es ist entsetzlich , dies Reich der Unterwelt in das schöne frische Leben eindringen zu sehen ! « » Es ist entsetzlich ! « rief Orest , in seine Verzweiflung zurückfallend ; » schauderhaft und entsetzlich ! « » Ist es noch möglich , die herrliche Judith für Dich zu retten , so reiße sie um jeden Preis von jenem Jesuiten los . Schieß Dich mit ihm , schlage Dich mit ihm auf Tod und Leben .... « - » Ah ! mit Wonne ! « rief Orest feurig . » Aber tut das ein Jesuit ? « » Versteht sich - wenn man ihm gründlich zu Leibe geht . « » Ah ! ich schöpfe Atem , ich lebe auf ! ein Pistolenduell !