, in Bernhard ' s Arbeitszimmer angekommen und hatte dieser schon eine Feder in der Hand und setzte eine Verständigung auf , die Lengenich unterschreiben sollte ... Jetzt war zwar in der Pracht und Eleganz der Umgebung die Biographie des Küfers vollends verschüttet , doch hatte er für sein umständliches Gemüth nun einen Vorsprung gewonnen . Er sollte etwas unterschreiben ! Da lag ein Bogen Papier , unter den er seinen Namen setzen sollte , während ein andrer darauf warten muß ! Das ist ein großes Privilegium ! Da kann ein jeder sicher sein , ob er nun Napoleon oder Alexander der Große heißt , daß er ruhig zuhören muß , wenn sein Wirth beim Schließen eines Miethcontractes die Pause benutzt und die gegenwärtige Höhe der Steuern auseinandersetzt ! Lengenich las jede Zeile mit Aufmerksamkeit und ihm störte nicht das heitere Lachen der kleinen Frau und ihr Scherzen draußen mit Wenzel von Terschka , ihn störte nicht , daß Bernhard Fuld noch gar nicht einmal angekleidet war . Der Preis war noch offen gelassen , in Erwartung , Lengenich würde sich vor Seligmann in der unter ihnen abgemachten Summe verrathen . Wirklich Siebenhundert ? sagte Bernhard . Haben Sie sich nicht verschwören müssen , Herr Lengenich ? Siebenhundert ? Seligmann trommelte auf die Fensterscheiben . Die berühmte Auctionsarie aus der » Weißen Dame « bekam er in seine beleidigten Finger . Inzwischen hörte man leichtes Fuhrwerk im Kieselsande anfahren - bald war es zwölf Uhr - vor Tisch war noch manche Anordnung zu treffen ... Bernhard sagte : Ich stelle also eine Anweisung auf - achthundert Thaler . Seligmann trommelte und pfiff sogar leise die Verzweiflung des Schloßverwalters aus der » Weißen Dame « ... Na , richtig , neunhundert ! sagte endlich Fuld ärgerlich , nur um zum Ziele zu kommen und auch erschreckend über den immermehr zurückhufenden und sich purpurn überfärbenden Küfer ... Als er geschrieben , mußte er dann auch zur Strafe noch aushalten , daß Stephan Lengenich ihm die Hand reichte , gleichsam eine ewige Freundschaft mit ihm schloß , sich freute , ihn persönlich kennen gelernt zu haben , seine kostbare Einrichtung bewunderte , einige Bilder betrachtete , nach dem Preise der Rahmen fragte , dreimal den Hut suchte , während er ihn doch schon in der Hand hatte , und nicht fortkonnte ... Seligmann unterstützte ihn in diesem Laviren ... Denn Eines war höchst sonderbar . Der Vetter machte keine Miene , sich zu erinnern , daß er heute bei ihm speisen sollte ... Schon rief Bernhard Fuld : Jean ! und der Bediente kam und half ihm bei Abschluß der Toilette ... Stephan Lengenich bewunderte noch immer einige Porträts und verglich bei einer der ringsum aufgehängten Damen die Augen mit denen Veilchen Igelsheimer ' s ... Excuse ! sagte Bernhard ärgerlich und zog ohne weiteres den Schlafrock aus ... Aber kein Wort vom Diner ? ! Nein , sehen Sie , Herr Seligmann , diese weißen Hände mit den Ringen ! .. Dort ! Bitte recht sehr ! bemerkte Bernhard immer verdrießlicher und doppelsinniger und ließ seine weiten rothen Beinkleider sinken , um ganz enge schwarze anzuziehen ... Und nichts vom Diner ! ? Stephan Lengenich besann sich jetzt , was der Anstand erforderte . Der Mann war er nicht , der nicht verstanden hätte , mit den Großen umzugehen , mit feinen , gebildeten Herren wie Schnuphase , mit Secretären des Kirchenfürsten und ähnlichen Lebensstellungen ... Jetzt empfahl er sich und verwechselte nur noch die Thüren ... Da , da , lieber Mann ! zeigte Fuld und er war dabei auf der Folter ... Aber nichts vom Diner ? ! .. Löb Seligmann steht wie angewurzelt ... Ja aber , was wollen Sie denn noch ? fuhr Bernhard Fuld jetzt auf , zornig über den kleinen Mann mit dem schwarzen Wollenkopf und hatte nicht übel Lust hinzuzusetzen : Haben Sie denn Pech an den Stiefeln ? ... Dabei zog er schon den Frack mit dem rothen Band der Ehrenlegion an . Das wurde denn nun doch dem Vetter zu viel ! Vor Stephan Lengenich , der schon draußen war , compromittirte er jetzt weder sich noch den Vetter . Mit einem Tone , der gleichfalls unerschrocken dem » Unter uns « entsprach , sagte er : Herr Fuld ! Ich wollte nur gefragt haben : Wann ist die Stunde , wo bei Ihnen gespeist wird ? Jetzt sah ihn Fuld groß an und besann sich ... Lange mußte er kopfschütteln und lachen . Endlich rief er gezogenen Tones : Schlemihl ! ... Es ist ja wahr ! ... Wissen Sie was ? Gehen Sie in die Küche , Seligmann ! Fragen Sie Reginen , wie viel Minuten vor zwei Uhr die gespickte Rehkeule irgendwo zum Anschneiden ist , daß man ' s nicht sieht , wenn sie auf die Tafel kommt ! Löb Seligmann hob voll Trotz das Haupt aus den Schultern und warf es mit einer gewissen schiefen Senkung wieder in den Nacken . Die Art , wie er von dannen ging , sagte geradezu : Ich denke , Sie haben sich meiner nicht zu schämen , Herr Fuld ; denn es steht geschrieben : Alle Jüden sind wir geborne Prinzen . So schritt er fort ; sein Gemüth löste sich aber in Elegie auf ... Er mußte gedenken : Gott , wenn du nun nach Kocher am Fall hättest schreiben müssen , du warst auf Fuld ' s Villa und sie hatten die Einladung vergessen ! ... Dieser Gedanke goß über sein Antlitz die äußerste Wehmuth ... Lengenich , der ihn draußen erwartete , begriff nicht , warum so weich die Worte von seinen bleichen Lippen kamen : Gehen Sie jetzt , Mann ! Versöhnen Sie sich mit Ihrem Bruder , der Ihr ärgster Feind gewesen ! Ich bleibe auf der Villa ! Sie wissen ! Ich speise bei - meinem Vetter ! Der Küfer war in verwandter Stimmung . Er wußte , daß im alten , Anno 30 renovirten