höre den alten Mann gern sprechen , wenn er nicht von diesen dunkeln Sachen , wohl aber von der gebundenen Thierseele spricht , von den wunderlichen Trieben zu einer eigenthümlichen Moral in den Instincten , von der Vereinzelung oder der Paarung , von der Treue der Thiere und ihrer Innigkeit in geschlechtlichen Beziehungen ebenso wie von ihrer Gedankenlosigkeit . An einem Tage , wo ich über eine Trennung , die mein Innerstes traf , keinen Trost finden konnte , sprach er von den Zugvögeln und ihrer Wiederkehr , von der Gewöhnung der Taube und der traulichen Anhänglichkeit der auch von Shakespeare so innig geschilderten Mauerschwalbe so rührend , daß ich recht erkannt habe , wie doch Alles , was wir von Gott sagen und lehren , nicht ausreicht , wenn wir nicht in jedem Dinge sagen und lehren : Er ist die Liebe ! Diese Worte brachten eine große , aber nicht gesuchte Wirkung hervor ... Rudhard hatte die Maurerei wol nur in seiner frühesten Zeit getrieben und vollends in Rußland , wo sie nicht geduldet ist , alle Verbindungsfäden mit ihren verschiedenen Sekten und Auffassungen verloren . In seiner Art witterte er auch in dem Allen , was sich hier so wunderlich zu erkennen gab , nur Mystik , die er haßte ... Er schwieg . Die Gräfin Altenwyl aber war tief ergriffen . Sie hatte eine solche reiche Ernte heute für den Hof nicht erwartet . Die Thierseele ... die Templer ... die alten Johanniterstifte ... die Zugvögel ... Shakespeare und das Alles verbunden und verquickt durch das Eine : Gott ist die Liebe ! Was konnte es heute Befruchtenderes , Anregenderes , Schlagenderes für die » kleinen Cirkel « und jenen eigenthümlichen Geist der Romantik geben , der die Schicksale dieses Staates und durch ihn einen Theil Deutschlands regierte ! Anfangs versuchte die allgewaltige Dame zu Siegbert ' s größter Spannung , das Gespräch auf die schwebende Johanniterverlassenschaftsfrage zu lenken ; da aber Niemand darüber unterrichtet schien und Siegbert von seinem Bruder damals im Pelikan doch noch viel zu wenig darüber erfahren hatte , wie sehr er selbst daran betheiligt war , so ging die Oberhofmeisterin , um das Gespräch zu einem endlichen Schlusse zu führen , zu einem allgemeinen staatspolitischen Seufzer über , des Inhalts : O eine Idee , die die ganze Welt erquickt ! Nur ein Wort des Friedens in diesen Haß und diesen Hader ! Wer wird dies Evangelium bringen , das allem Kampf der Parteien ein Ende machte und die Erde in einen Wohnplatz von Menschen umwandelt , die nur dem erlaubten Genuß der irdischen Güter und der Bildung ihres Herzens als Vorbereitung künftiger Seligkeit leben ! Sie glauben nicht , meine Liebe , ( sie wandte sich an Anna ) , wie man bei Hofe nach Erlösung von diesem Jammer , der über unsere Erde verhängt scheint , schmachtet ! Wo man auch nur in seinem redlichsten Eifer etwas unternimmt , was jetzt dem Werthe des Ganzen dienen soll , sogleich muß man bei jedem Schritt , den man wagt , um zu einem guten Ziele zu kommen , hören , daß man Andre verletzt hätte ! Ach , nicht vor- und nicht rückwärts ist ein Weg mehr zu finden . Glauben Sie mir , liebe Frau von Harder , daß die Menschen wol glücklich sind , die die Seele in den Blumen oder in den Thieren suchen ! Ach ! Auch Sie haben ja viel gelitten .. Liebe ! Frau Gräfin ! war Alles , was Anna von Harder fast ablehnend und die Augen niederschlagend auf diese etwas zudringliche Freundschaftsanerbietung erwiderte ... Die Königin , sagte die Altenwyl , nimmt so vielen Antheil an Ihnen ! Gibt es nichts , was Sie der hohen Frau näher führen könnte ? O sie hat ein treues Herz . Kennte die Nation nur alle diese Menschen da oben ! Gnädigste Gräfin ! sagte Anna . Mein Leben ist zu dürftig für den Glanz des Hofes . Was soll ich dort ! Ich pflege meinen alten Zauberer von Tempelheide , lese ihm aus Büchern , wie er sie liebt , vor , sticke , wenn es mein Auge erlaubt , und treibe etwas Musik . In der Musik hab ' ich Alles hinübergeleitet , was in mir noch sich regen , aussprechen , ja auch sich hingeben möchte . In der Musik lach ' ich , in der Musik wein ' ich . Auf den Tönen Gluck ' s und Händel ' s schweb ' ich da und dorthin , wo ich am liebsten sein möchte ; es sind ferne Länder , ferne Haine und Wälder und ich weiß nicht , gehören sie noch dieser Erde an oder sind es schon Jenseitsahnungen .. Mit meiner Musik bin ich leider egoistisch . Ich fördere sie nur für mich . Die Trompetta hat mich oft gedrängt , Vorstellungen in geschlossenen Kreisen zu geben . Wir würden es wagen dürfen , mit manchem älteren Werke hervorzutreten , wir kleinen Dilettanten , die wir uns zur classischen Musik verbunden haben . Wir haben einige gute Solistinnen . Die Flottwitz singt edel und rein . Ich sträube mich aber dagegen . Ich entziehe damit , ich weiß es , eine Einnahme , eine Unterstützung guten Zwecken , aber ich kann mich nicht entschließen , Andere durch unsere Versuche belästigen zu wollen . Ich weiß , ich bin egoistisch . Die Trompetta flammt für die innere Mission . Daß ich mich den Werken derselben zu wenig widme , werf ' ich mir oft bitter vor . Aber ich bin eine Einsiedlerin und träge , träge , liebe Gräfin .. Zu nichts zu bringen , am wenigsten zum Hofe ... Gräfin Altenwyl war über diese bescheidenen Äußerungen etwas verstimmt . Anna hatte eine Huld , eine Gabe , die sie ihr verschaffen wollte , geradezu zurückgewiesen . Die Königin hatte sie kennen lernen wollen und das nahm Anna so auf ! Dennoch ließ sich die Altenwyl nichts von ihrer Verstimmung merken