reizenderem Costüme umschwebte die schalkhafte Sirene den stolzen Fabrikherrn und gab auf all seine Fragen die scherzhaftesten Antworten ; erröthete , wenn er ziemlich verständlich auf die Gefühle anspielte , die sie in ihm erregte , und wehrte schüchtern , aber standhaft jede vertrauliche Liebkosung ab mit der ernsthaften Bemerkung , dergleichen schicke sich nicht ! - Gleich darauf war sie aber schon wieder die alte verführerische Fee , die mit geübter Kunst und diabolischer Sicherheit ihre tödtlich treffenden Liebespfeile auf das unbewachte Herz ihres unglücklichen Opfers abschoß . Durch dieses schlaue Betragen erreichte Bianca in unglaublich kurzer Zeit ihren Zweck . Es war wohlüberdachter Plan bei ihr , den Verführer und Mörder ihrer armen Schwester bis zum Wahnsinn in sich verliebt zu machen , ohne die geringste Hoffnung auf Gegenliebe in ihm aufkommen zu lassen . Sie wußte im Voraus , daß ihr dies vollkommen gelingen würde , und deshalb rüstete sie sich mit dem ganzen Scharfsinn weiblicher List aus , um Schritt vor Schritt langsam und sicher ihr Opfer zu umgarnen . Adrian widerstand Bianca ' s meisterhaft geheuchelter Zärtlichkeit , die jedoch immer die Zärtlichkeit eines schuldlosen Kindes von höchster Anmuth blieb , nicht einen Tag , er widerstand ihr um so weniger , als er das reizende Mädchen zu seiner Gattin erheben und durch Freundlichkeit sich ihm geneigt machen wollte . Darum überhäufte er sie schnell mit kostbaren Geschenken und ließ sie ahnen , was er für sie fühlte . Ihr scheues Zurückschrecken bei solchen Andeutungen war ihm freilich nicht angenehm , da es ein längeres Bewerben in Aussicht stellte . Täglich , oft stündlich von Bianca bis zu dem höchsten Gipfel sinnlicher Erregung gereizt , berührt von ihren vollen Armen , gestreichelt von ihren Händen , den süßen Athem ihres Mundes auf seinen Lippen fühlend , überall von ihr unrschwebt , gerieth Adrian in einen fieberhaft exaltirten Zustand , der ihn leiblich und geistig verzehrte und schnell aufzureiben drohte . Er verfiel zusehends , seine Augen sanken zurück in ihre braunen Höhlen , in denen sie wie gefesselte Tiger lagen und grollend unheimliche Gluthblicke auf Jeden warfen , der ihm nahte . Am Tage war dieser Zustand noch zu ertragen , denn dann weidete sich der unglückliche Liebende an seiner grausamen Zauberin , aber des Nachts erreichte die Pein der rasenden Leidenschaft , die sich seiner bemächtigt hatte , die größte Höhe irdischer Folterqualen . Adrian fiel in einen traumdurchrasten Schlaf , der ihm in tausend bunten Gestalten immer und immer Bianca ' s liebreizende Gestalt vorführte , und zwar in so lockender Schöne , daß ein Verschwinden dieses lächelnd an ihn heranschwebenden Bildes dem furchtbarsten Seelenschmerz gleichkan . Und doch wiederholte sich dieser höllische Zauber unzählige Male immer von Neuem in jeder Nacht , und dem Unglücklichen war es nicht einmal vergönnt , die Locken seiner süßen Peinigerin zu küssen , wie viel weniger , sie an sein stürmisch klopfendes Herz zu reißen und an ihrem Busen , in ihren Küssen die Gluth zu kühlen , die ihn verzehrte ! Kühl und ernsthaft wie am Tage enlschlüpfte sie ihm auch im Traume , um sogleich wieder ihr gaukelndes Liebesspiel anzufangen und mit immer schrecklicheren Zaubern den Gefangenen auf ewig zu binden . Diese göttlichen Träume voll süßer Höllenqualen wechselten ab mit jenen düstern Erscheinungen , die Adrian seit seiner Krankheit häufig im Schlafe verfolgten , wie wir wissen . Auf diese Weise glich sein Leben seit Bianca zu ihm gezogen war , einer nie endenden Folter . Er mußte sich dies selbst gestehen , aber schon hatte ihn die grausame Schöne so ganz mit ihren diabolischen Zauberfäden umsponnen , daß er lieber diese Qual fort erdulden und sie immer um sich wissen , als ohne sie in vielleicht ähnlicher Pein fortleben wollte . Der schlauen , ihren Plan mit wahrhaft entsetzlicher Consequenz verfolgenden Bianca blieb diese Verwandlung ihr Gebieters kein Geheimniß . Nur Adrian gegenüber that sie , als sähe und ahne sie nichts . Als sie bemerkte , daß der Graf nach Tische auf seinem Zimmer kurze Zeit zu schlummern versuchte , schlich sie auf den Zehen bis an die Thür , legte ihr Ohr an das Schlüsselloch und horchte gespannt , ob er vielleicht im Schlafe spreche . Sie hatte sich nicht getäuscht . Sobald der Schlaf Adrians Augenlider schloß , öffneten sich vor den Blicken seiner Seele die Pforten der Pein und nach wenigen Tagen wußte Bianca , daß unter allen Gestalten , die um den Schläfer schwebten , sie selbst und ihre verstorbene Schwester am häufigsten wiederkehrten . Da flog ein glänzendes Lächeln rachsüchtiger Freude über die schönen Züge des Mädchens , und die kleine Hand ballend , schwor sie , dem Verhaßten noch schrecklichere Qualen zu bereiten . Die Folter des Unglücklichen sollte in dieser Nacht beginnen ! Um ihren Zweck zu erreichen , hatte sich Bianca mehr wie je mit allem Liebreiz geschmückt und keine der vielen kleinen Toilettenkünste verschmäht , die liebenden Männern so gefährlich werden . Als sie nun die Rückkunft des Grafen hörte und die Klingel desselben vernahm , begab sie sich , wie wir wissen , nach seinem Zimmer . Adrian hatte , ermüdet von der beschwerlichen nächtlichen Fahrt durch den morastigen Wald , bereits sein Hauslkeid angelegt und es sich in dem behaglichen Zimmer bequem gemacht . Auf Bianca ' s Befehl war der runde Tisch schon gedeckt und mit Allem versehen , was zu einem reichlichen Abendimbiß erforderlich war . Sie selbst hatte nur für Bereitung des Thees Sorge zu tragen , und den Grafen , wie er es seit Kurzem gewohnt war , in ihrer anmuthigen und graziösen Weise zu bedienen . Heiter lächelnd trat die Sirene Adrian entgegen , grüßte ihn mit zierlicher Verbeugung , wußte aber auch sogleich ihren so eben noch überaus muntern Zügen einen Ausdruck der Bestürzung und Sorge zu verleihen , welcher den Grafen vollkommen täuschte . » Mein Gott ! « rief sie mit geheucheltem Schrecken aus , ihr Arbeitskörbchen neben die singende Theemaschine setzend