der angenehmen Erwartung , einen Namen zu hören , der dieser interessanten Erscheinung entspräche , nahete sie sich mit jener verbindlichen Miene , welche die Frage ausdrückt , die der Mund noch zurückhält . » Madame , « sagte der Fremde , jetzt ehrerbietig ihr entgegentretend - » ich erkannte Euer Gnaden augenblicklich wieder , obwol so viel Zeit zwischen diesem und unserm letzten Beisammensein liegt , daß mein einst schwarzes Haar Zeit hatte , mich zum Greise zu stempeln ; - auch damals genoß Lord Duncan-Leithmorin Gastfreundschaft in Ardoise , und Gräfin Franziska d ' Aubaine war die Heilige , die er anbetete . « » O , Lord Duncan , « rief Gräfin d ' Aubaine - » Sie führt in Wahrheit Gottes besondere Güte zu mir ! Stets konnten Sie der Freude gewiß sein , die Ihre Ankunft hier erregen mußte ; und doch ist sie niemals erwünschter gewesen , als gerade jetzt , wo sie fast zur Nothwendigkeit geworden ist ; und in dem Augenblicke , wo ich Sie sehe , fühle ich erst recht die Wohlthat , die mir Ihr Rath gewähren wird . « » Das habe ich fast erwartet , Frau Gräfin , « erwiederte Lord Duncan ; - » und dennoch thut mir Ihre offene , gütige Erklärung darüber unendlich wohl ; denn sie hebt den letzten Zweifel , der mich noch beunruhigen konnte . An Sie bin ich nun in jeder Hinsicht verwiesen , da Sie selbst meine Sendung anzuerkennen scheinen . « » Lassen Sie mich erst diesen Engel begrüßen ! « rief jetzt die Gräfin , deren Augen schon längst auf das holde Wesen an seiner Seite geblickt hatten . » Marie Duncan sehnte sich , Ihre Hand zu küssen , « sagte der Lord und führte das erröthende Mädchen zur Gräfin , die ihr die Arme entgegenstreckte und sie zärtlich an ihre Brust drückte . » Freundin meiner Elmerice , weißt Du , daß sie mir mütterliche Rechte einräumte ? Willst Du mir einen ähnlichen Antheil gönnen ? « » Ach , Madame ' , « rief Marie , seelenvoll zu ihr aufblickend - » möchte ich ein so großes Glück verdienen lernen ! « » Aber Du findest Deine Elmerice nicht ! « fuhr die Gräfin fort . - » O , Lord Duncan , werden Sie nicht Rechenschaft von mir fordern und mich für einen schlechten Haushalter erklären , da ich den mir anvertrauten , köstlichen Schatz von mir ließ , schutzlos in fremde , unheimliche Verhältnisse übergehend ? « » Nein , meine theure Gräfin ! « erwiederte Lord Duncan ; - » ja , eben diese augenblicklichen Verhältnisse des von mir väterlich geliebten , theuern Mädchens sind die Veranlassung , daß ich nach Frankreich kam ; - und wie ich ohne Ihren Rath , Ihren Beistand keinen Schritt vorwärts thun kann oder will , so muß ich einräumen , daß Sie mich eben so nöthig haben werden ; und da ich Ihre Reisepläne schon kenne , denke ich , wir reisen , wenn Sie mich gehört haben , später zusammen . « » O , gern , gern ! « rief die Gräfin , nachdenkend und bewegt ; denn jetzt fühlte sie , Lord Duncan müsse wichtige Mittheilungen zu machen haben , und in dem augenblicklichen Verhältnisse seines Mündels mehr sehen , als sie , die ihre Sorge nur auf die Gemüthsstimmung ihrer jungen Freundin gerichtet hatte . Hoch athmete sie bei diesem Nachdenken auf . Wie viele Jahre waren schonend an ihr hingezogen , und heute ward ihre Erinnerung für die Vergangenheit geweckt - und wie lebhaft durch Lord Duncan ihr Gefühl angeregt , den sie als Freund Reginald ' s kannte , und dessen Bekanntschaft die glücklichste Zeit ihres kurzen Jugendlebens umschloß ! Lord Duncan errieth die Bewegung seiner edeln Freundin und suchte sie von ihren Empfindungen abzulenken . Die Gräfin verstand schnell seine wohlmeinende Absicht ; man trat den Rückweg nach dem Schlosse an , und hier Alles geschickt und schnell vorbereitet findend , führte die verbindliche Wirthin ihre Gäste selbst in die schönen , wohnlichen Gemächer , ihnen nach einer eiligen Reise die erwünschte Ruhe gönnend . Erst zur Tafel fanden sich die Gäste wieder bei der Gräfin d ' Aubaine ein , und Lord Duncan füllte diese Zeit der Unterhaltung mit Erzählungen über sein Familienleben , das , der Gräfin fremd , ihre ganze Theilnahme in Anspruch nahm Doch hörte sie fast mit Schreck , daß Lord Astolf , der jüngste Sohn des Lord Duncan , bereits verlobt sei , und wie sich die junge Marie darauf freute , Elmerice mit dieser Nachricht zu überraschen . Denn noch immer glaubte sie , ihr Liebling trage eine unglückliche Neigung zu jenem Jünglinge , und seit lange hatte sie sich gewöhnt , die Schwermuth derselben dieser Ursache Schuld zu geben . Lord Duncan hatte die Gräfin um eine ungestörte Unterredung gebeten ; man hob die Tafel deshalb zeitig auf , und da Marie Duncan alle Plätze kennen lernen wollte , von denen das Tagebuch ihrer Elmerice so lebhafte Schilderungen enthielt , hatte die Gräfin dafür gesorgt , daß das sanfte Reitpferd , welches Miß Eton zuweilen gebrauchte , der jungen Lady zugeführt wurde . Der alte Förster von Ardoise und ein völlig zuverlässiger Reitknecht bekamen den Auftrag , Miß Duncan zu allen Punkten hinzuführen , welche die junge Dame nennen würde . Nachdem man das junge , heiter lächelnde Mädchen mit ihrem Gefolge hatte abreiten sehen , führte die Gräfin d ' Aubaine ihren Gast nach dem abgelegenen , grünen Kabinet , welches wir bereits kennen ; und als sie in den offenen Balkonthüren , die einen begrenzten Blick in die einsamsten Baumpartien des Gartens darboten , Platz genommen hatten , trat eine Pause ein , in der Beide sich zu beherrschen suchten . Die Gräfin fühlte , sie würde mit Lord Duncan nicht zusammen sein können , ohne durch gemeinschaftliche Erinnerungen den wunden Punkt in ihrer Brust zu berühren ,