- » Menschen , versteht euch « , sagte Julienne - » Albano , sprich dein Wort « , sagte Linda hart . - » Ich habe keines « , sagt ' er . Linda erhob sich beleidigt und sagte : » Ich bin auch stolz - ich fahre jetzt , Julienne . « Kein Bitten der Schwester konnte die Staunende oder den Staunenden schmelzen . Der Zorn , mit seinem Sprachrohr und Hörrohr , sprach und hörte alles zu stark . Die Gräfin ging fort und befahl anzuspannen . » O ihr Leute und du Hartnäckiger , « ( sagte Julienne ) » geh ihr doch nach und stille sie . « Aber der empfindlichen Sinnpflanze seiner Ehre waren jetzt Blätter zerquetscht ; das ihm neue Auffahren , der Schlagregen ihres Zorns hatt ' ihn erschüttert ; er fragte nach nichts . » Schau hinauf zu jenem Garten , « ( sagte die Schwester außer sich ) » dort liegt deine erste Braut begraben , und schone die zweite ! « - Das wirkte gerade das Gegenteil : » Liane « ( sagt ' er kalt ) » wäre nicht so gewesen ; begleite nur die Gräfin ! « - » O die Männer ! « rief sie und ging . Bald darauf sah er beide davonfahren . Allmählich zerstob das wilde Heer des Zorns . Aber er hatte , fühlt ' er , nicht anders gekonnt . Er war ihr , sie ihm mit solcher neuen Zärtlichkeit entgegengereiset - keines wußte von der fremden - und der unbegreifliche Kontrast entrüstete darum beide so sehr - Er haßte schon an andern Menschen das Bitten , wie viel mehr an sich selber , und nie war er vermögend , einen Menschen , der ihn verkannte , zurechtzuweisen . Er sah jetzt um sich , alle prangenden Springbrunnen der Freude waren plötzlich niedergefallen , die Lüfte verödet , und das Wasser murmelte in den Tiefen . Er ritt hinauf zum Garten , wo Lianens Grab sein sollte . Nur Blumenbeete , einen Lindenbaum mit einer Zirkelbank sah er darin , aber kein Grab . Betäubt und verworren blickt ' er hinein und in den glänzenden Gegenden umher . Verstockt - tränenlos - mit einem im zurückgetriebnen Strom der Liebe erstickenden Herzen - hinschauend in die weite Zukunft , die zwischen Bergen in krumme Täler ging und sich versteckte , ritt er düster nach Hause . Hier traf er folgendes Blatt von Schoppe an , das der vorauseilende Oheim bei ihm abgegeben : » Es ist richtig - Ich fand das bewußte Porträt - Ich bring ' es in der Jagdtasche mit - In wenigen Wochen oder Tagen komm ' ich - Den Kahlkopf hab ' ich angetroffen und hinlänglich totgemacht - Ich bin sehr bei Sinnen . Dein seltsamer Oheim reisete lange mit mir . S. « Zweiunddreißigste Jobelperiode Roquairol 127 . Zykel Linda hatte den ganzen Tag darauf in schweigendem Seelenschmerze zugebracht über den Geliebten , der ihr , wie einst Liane ihm , nicht im ganzen lebendigen Feuer der Liebe zu leben schien wie sie - sie war lange von der Fürstin umlagert und dann durch sie Juliennens für eine Lustreise beraubt worden , die ihr nur die Nachricht zuwerfen konnte , daß Albano diesen Tag auch einen Ausflug gemacht , um Schoppen früher zu umarmen - sie war still geblieben nach ihrem Grundsatze , daß der weibliche Stolz hier Schweigen , Ruhe und sogar Vergessen gebiete ; - als sie abends durch das blinde Mädchen aus Blumenbühl , das sie in ihre Dienste genommen , folgenden Brief erhielt : » Du Meine ! Sei es wieder ! Ich will noch sterben , aber für dich , nicht für ein Volk auf dem Schlachtfeld . Vergib das Gestern und beglücke das Heute . Ich habe meinen Vorsatz einer Entgegenreise wieder aufgegeben , um dir heute noch an das Herz zu stürzen und deinen Himmel auszuschöpfen und meinen zu füllen . Ich kann nicht warten , bis Julienne wiederkommt : mein Herz brennt nach dir . Morgen muß ich ohnehin im Prinzengarten sein , wo Roquairol einen Trauerspieler endlich gibt . Komme diesen Abend - ich flehe dich bei unserer Liebe an - um 8 Uhr entweder , wenn es hell ist , in die Tartarus-Höhle , deren Totengräber-Putz und Orkus-Ameublement dir gewiß nur lächerlich sein wird , oder , wenn es wolkig ist , in das Ende des Flötentals . Dein blindes Mädchen nimmst du nur mit . Du kennst ja das Spionenwesen , das gerade uns umstellt . Ich erwarte und begehre keine Antwort von dir , sondern Schlags acht Uhr schleich ' ich durch das Elysium , um zu sehen , wo die Göttin steht , der Himmel , die Sonne , die Seligkeit , du . Dein Albano . « Wie durch einen Wetterstrahl des Himmels war ihr ganzes Wesen geschmolzen zu weicher seliger Glut ; denn sie glaubte der Handschrift , daß das Blatt von Albano sei - so unerwartet ihr auch an ihm eine so schnelle Umkehrung erschien - , ob es gleich von Roquairol geschrieben war . Lasset uns zurückgehen bis an die finstere Quelle des reißenden Höllenflusses , der seinen eiskalten Arm nach der Unschuld und nach dem Himmel ausstreckt . Roquairol war im Winter bei allen Fehlschlagungen seiner unbändigen Wünsche ziemlich glücklich und gut geblieben ; der Abendstern der Liebe , ob er wohl für ihn mehr ab- und zunahm , stand doch noch nicht unter dem Horizont , sondern nur unter Gewölke . Aber sobald Linda mit Julienne abgereiset war - und zwar , wie er sogleich erriet und früh erfuhr , nach Italien - : so bewegte sich ein neuer Sturm durch sein Leben , der ihm die letzten Blüten abriß und mit dem lange gelegenen Staub verfinsterte , weil er nun , wie er Albano selber vorausgesagt , das Netz zu diesem und der Gräfin im Strome heraufkommen sah , das beide eng gefangennahm . Das fressende Gift