zu bieten , dazu war er numerisch zu schwach . Er vereinigte sich deshalb mit der etwa 4000 Mann starken ostpreußischen Landmiliz und nahm eine gute Stellung bei Wehlau , von der aus er durch einen unausgesetzten Scharmützelkrieg den Feind zu beschäftigen und an einem ernsten Vorgehen zu hindern trachtete . Er erreichte jedoch seinen Zweck nur halb . Die Wehlauer Stellung , weil alle Wässer mit Eis bedeckt waren , war auf die Dauer nicht zu halten und Görtzke mußte sich auf Königsberg zurückziehen , zu dessen Entsatz der Kurfürst jeden Tag erscheinen konnte . Als dies geschah , ergriff Görtzke ungesäumt die Offensive wieder und leitete durch den Übergang über das zugefrorene Frische Haff jene berühmt gewordene Verfolgung ein , die mit der Vernichtung des schwedischen Heeres endigte . Über diese Verfolgung selbst habe ich in dem Kapitel Tamsel ausführlicher berichtet . Der Friede von St. Germain machte diesen Kriegswirren ein Ende , und Görtzke zog sich nunmehr ruhebedürftig in seine Statthalterschaft Küstrin zurück . In nächster Nähe lagen seine Güter und gestatteten ihm Besuch und Aufenthalt . Um diese Zeit war es auch , daß er , lange vor seinem Hinscheiden , sich einen Sarg anfertigen ließ , den er mit der Standhaftigkeit eines hoffenden Christen zu betrachten liebte . Den 27. März 1682 starb er , seines Alters im 72. , und ward einen Monat später am 27. April , von Küstrin aus nach Friedersdorf in seine Gruft übergeführt . Hans Otto von der Marwitz hat ihm die Standrede , Garnisonprediger Johann Heinrich Grunelius die Leichenrede gehalten . Aus seiner Ehe mit der Lucie von Schlieben waren ihm drei Töchter : Maria Elisabeth , Barbara , und Lucie Hedwig geboren worden . Die mittlere ( Barbara ) starb jung , während sich die älteste mit dem Anhalt-Zerbstischen Hofmarschall Johann Georg von der Marwitz , die jüngste mit dem brandenburgischen Obersten und Kommandanten von Küstrin Ulrich von Lüderitz vermählte . Der » alte Paladin « selbst aber muß im Rat und Herzen seines Kurfürsten in hohem und besonderem Ansehen gestanden haben . Dennoch gebricht es an Erinnerungsstücken an ihn , auch die Tradition schweigt , und alles , was die Stätte seines Heimganges von ihm aufweist , ist das Schloß , das er sich schuf , und die beiden Bildnisse , die seine Züge der Nachwelt überliefert haben . * So viel über den » Paladin « . Aber zurücktretend von seinem Bilde , werden wir bei weiterer Umschau gewahr , daß andere jetzt an dieser Stelle zu Hause sind . Den Marwitzen gehört das Feld . Und vor allem auch diese Kirche . Von rechts her Gestalten und Inschriften , die der Epoche vor dem Siebenjährigen Kriege zugehören , von links her die Namen und Bildnisse derer , die seitdem gekommen und gegangen sind . Da sind zunächst ( zur Rechten ) die Bildnisse Hans Georgs und seiner zwei Frauen , Medaillonporträts , deren eines träumerisch und wehmutsvoll aus dem weißen Kopftuche hervorblickt . Da sind , an derselben Seite , die Monumente seiner beiden Söhne , von denen der eine , voll Eifer für die Wissenschaften , jung und unvermählt verstarb , während der andere ( August Gebhard ) in die Armee trat und , als Gardekapitän den Dienst quittierend , seine Tage auf Friedersdorf beschloß . Von diesem August Gebhard von der Marwitz , dem Urgroßvater des gegenwärtigen Besitzers , existieren noch ein paar Überlieferungen , die hier Platz finden mögen , weil sie ein anschauliches Bild von dem Leben geben , das ein märkischer Edelmann vor den Tagen des Siebenjährigen Krieges zu führen pflegte . August Gebhard lebte noch völlig als Patriarch . Die Bauern fürchteten sein grimmiges Ansehen und vermieden ihn lieber , als daß sie ihn suchten . Er war etwa der » Soldatenkönig im Kleinen « und das bekannte » lieben sollt ihr mich « ward auch hier mit dem spanischen Rohr auf die Rücken geschrieben . Von besonderer Wichtigkeit war der sonntägliche Kirchgang . In vollem Staat , gefolgt von Frau und Kindern , erschien dann der alte Gardekapitän auf seinem Chor und teilte seine Aufmerksamkeit zwischen dem Prediger und der Gemeine . Sein kontrollierender Blick war über dem Ganzen . Ein eigens bestallter Kirchenvogt mußte aufmerken , wer von den Bauern ausgeblieben war , von denen jeder , der ohne triftige Ursache fehlte , an seinem Beutel oder seinem Leibe bestraft wurde . Dabei war August Gebhard ein Lebemann . Sein Haus stand gastlich offen und in heiterer Gesellschaft vergingen die Tage . Man aß von silbernem Geschirr und eine zahlreiche Dienerschaft wartete auf . Der Sommer gehörte dem Leben auf dem Lande , aber der Winter rief alles nach Berlin . In einem mit sechs Hengsten bespannten Wagen brach man auf und ein Läufer in voller Livree lief vor dem Zuge her . Auch in Berlin machte August Gebhard ein Haus ; vornehme Gesellschaft ging aus und ein , angezogen durch den feinen und geistreichen Ton seiner zweiten Gemahlin , einer geborenen von der Goltz . Das Weihnachtsfest führte die Familie auf kurze Zeit nach Friedersdorf zurück , bis mit dem herannahenden Karneval der Läufer und die sechs Hengste wieder aus dem Stall mußten . Das waren die Zeiten August Gebhards . Die kommenden Jahre trugen von allen Seiten her Verwüstung in das Land und zerstörten die Wohlhabenheit , die die gesunde Basis dieses patriarchalischen Lebens war . August Gebhard starb 1753 . Er hinterließ drei Söhne , von denen wir jedem einzelnen , statt der Verwirrung stiftenden Vornamen , lieber ein bezeichnendes Beiwort geben wollen . So nennen wir denn den ältesten den Hubertusburg-Marwitz , den zweiten den Hochkirch-Marwitz , den dritten aber , der nicht Gelegenheit fand , im Kriege sich auszuzeichnen , einfach nach seinem Titel , den Kammerherrn Marwitz . Von jedem mögen hier ein paar Worte stehen . Der Hubertusburg-Marwitz ( Johann Friedrich Adolf ) war 1723 geboren . Er trat in das Regiment Gensdarmes und avancierte von Stufe zu Stufe .