von hinkender Schwäche entwaffnet , wie der Kunst die Zunge gefesselt von falscher Autorität , wie Narrheit als Doktor die Weisheit curirt . « Nun ja , das alles mochte wohl als wahr gelten , vom Standpunkt der äußeren Gerechtigkeit . Aber liegt nur hierin die immanente Gerechtigkeit der Dinge , von der Gambetta sprach ? Bleibt nicht der Werth und das Ideale in sich selbst Sieger ? - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - An einsam moosigem Gestein verträumte der Müde den Abend . Wie die Sonne wild verblutete ! Ueberm Meer ein Flammenmeer . Ein Scharlachbaldachin auf goldnen Strahlenschnüren schien langsam droben hinzuschweben . Dann wieder schien eine Stadt aus Purpurwolken den Rand des Horizontes zu schmücken . Leichte feuchte Wassernebel kräuselten sich , emporsteigend . Roth überhaucht wie gefrorenes Blut schien sich die ruhige Fluth zu dehnen , ruhig wie das Todte Meer , das wie Eisenöfen raucht , wo ihren Saft die Palme gerinnen fühlt . Das Todte Meer mit seinem giftigen Qualm - ja , dem gleicht das Leben der großen Welt und der großen Stadt . Und das Rothe Meer - ja , durchs Rothe Meer muß man hindurch , wenn man zum gelobten Lande will . Aber die Feuersäule des Genies , die den Weg weist - wo lodert sie ? ...... Die Lectüre dieses Tagebuches wirkte niederdrückend . Das Herz krampfte sich zusammen vor diesem Aufwühlen aller geheimen Schreckensmächte , die unser Dasein unterhöhlen . Gewiß kann solch ein Grimm als ehrwürdig , als ein heiliger Zorn erscheinen . Von ihm werden die großen Männer zu welterschütternden Thaten hingerissen . Man liebt einen guten Hasser . Es ist der Haß gegen die Feigheit und Falschheit der Welt . Die Hindus beten die Brillenschlange , die Hagin den Tiger an . Die Chinesen opfern im Sturm dem Drachen der Tiefe , statt ihr Schiff zu lenken , und lassen sich als Gefangene lieber pfählen , statt tapfer zu fechten . Ewig verehrt die stumpfe Herde Fetische . Aber der vom göttlichen Hauch Beseelte wird wieder und immer wieder seinen Wormser Protest aus der Klause von Ermenonville , aus dem Erker der Wartburg , von der Insel Ufenau treu bis zum Tod den unfehlbaren Päpsten dieser Welt entgegenschleudern : » Ich hab ' s gewagt ! - Ich kann , nicht anders , Amen . « War Leonhart ein solcher Geist , war es ein heiliger Zorn , der ihn beseelte ? Wohl darf man fürchten , nein . Und schlägt dieser Wahrheitsdrang des » Entrüstungs-Pessimismus « nicht manchmal ins Manierirte , Krampfhafte um ? Schneidet er nicht Grimassen scheuer Lüsternheit , wirft er nicht Togafalten des Weltschmerzes ? Ibsen ist ja so verlogen , daß er die Verlogenheit der Menschen stets noch ins Unwahre übertreibt Etwas davon stak auch in Leonhart ' s griesgrämiger Skepsis . Während dieselbe die naturentstellenden Schönpflästerchen hinwegzuschwemmen suchte , fehlte es ihr selbst nicht ganz an Schminke . Echtes Gefühl und falsche Empfindelei zu unterscheiden , fiel manchmal schwer . Gleichwohl suchte man ja hier umsonst nach der Zwiebel , welche die schönen Zähren entlockt , wie bei moschusduftigen Flennern . Ueber diese harten bizaren Züge , welche ein wahrer Schmerz verzerrt , rannen wirkliche Thränen . Aber verwischten sich nicht vor dem absichtlich kurzsichtigen Mikroskopauge des Dichters hier allmählich die Unterschiede von Vernunft und Narrheit ? Und wenn er auch elementare Naturlaute lallte , warum fand er niemals Noten auf dem Instrument seines umfassenden Geistes für morgenfrische Glücksbegeisterung ? Freilich , wo sollte die auch herkommen in einer Zeit , die nur feiles Gesindel heranzüchtete ? Ja , es blieb wahr , wie man es drehen und wenden mochte , dieser Grimm war an sich gerecht . Die Verzweiflung hatte ihn geboren . Der Ekel an seiner jämmerlichen Umgebung , dem » Collegen « -Gesindel , in das ihn sein vermaledeiter Beruf verstrickte , mußte sich einmal Luft machen . Und was er an Klagen und Anklagen vorgebracht war ja an sich gerecht . Allein , seiner grausamen Ironie fehlte gänzlich das Wohlwollen . Und somit erhob er sich nur wenig über den allgemeinen Menschenhaß eines Schmoller . Gewiß gehörten sie Beide , Löwe Leonhart und Tiger Schmoller zu der adeligsten Rasse , der Rasse der Naubthiere . Aber wie sah es denn mit dem Charakter dieses unerbittlichen Zuchtmeisters selber aus , der so lieblos seine Geißel schwang über Gerechte und Ungerechte ? Ueberall spürte man mit Trauer , aber nicht immer mit Mitleid , wie der Schatten des Wahnsinns diesem grellen Irrlichteln näher rückt . Er wüthete endlich auch gegen sich selbst und prophezeite mit heiserem Gelächter seine Anlage zur Geistesstörung . Eine alte Erfahrung lehrt , daß die Welt nur als ein Spiegel dient : Was herein schaut , schaut heraus . Das Ich selbst giebt allein die Auffassung des All . Ein guter Mensch entdeckt überall gutmüthige Züge , ein schlechter überall nur bewußte oder unbewußte Schlechtigkeit . War nicht Leonharts und Schmollers wüthende Misanthropie gerechtfertigt , da sie von sich selbst aus urtheilen mußten ? Eine Gesellschaft , die aus lauter solchen Naturen bestände , möchte sich wohl bald genug untereinander zerreißen . Erreichen diese Gallenergießungen nicht manchmal einen Grad , der bereits anfängt , dem albernen Lallen des Irrsinns zu ähneln ? Pathologisch gesprochen , rumort der Wahnsinn in dieser Menschenverachtung , die in letzter Instanz unbändigem Größenwahn entspringt . Indem ein solcher Halbgott die Menschen wie aufzuspießende Insekten angrinst , wird er selber ein Halbthier . Schnellt der grauenhafte Wuthschrei einer aus Rand und Band gerathenen Weltverzweiflung nicht auf ihn selber zurück ? Hört man in diesem gräßlichen Gelächter nicht den Widerhall des eigenen bosheitgetränkten Gemüthes ? Unablässig geheizt von dem Brand eines grenzenlosen Hasses und dennoch von gleichmäßiger kaltblütiger Härte , arbeitete diese Denkmaschine rastlos fort . Doch glich ja die in Leonhart kochende Bitterkeit gar wenig dem kannibalischen