, das ich abschreibe , steht vor mir und rückt und rührt sich nicht ; es ist mein Herr , ich bin sein Sclave , ich darf nichts zu- , nichts abthun , jeder Buchstabe ist mein Meister . Aber Zahlen , die commandire ich , die füge ich zusammen , die vermehre und vermindere , die verbinde und theile ich , die sind meine Geschöpfe . Und wie schön sieht es aus , solch ein Cassabuch , wie stattlich , wie majestätisch , wenn die Stellen unten sich auf jeder Seite mehren , wenn es in die Tausende , in die Hunderttausende geht ! - Er hielt ein wenig inne , als schäme er sich dieser Aufwallung , und sagte dann ganz leise und bewegt : Ich war sehr glücklich damals , als in meinem Hauptbuche das Soll und das Haben sich noch wohl vertrugen , als ich noch mit ruhigem Stolze auf die langen , schlanken Zahlenreihen blicken konnte ; und - ich würde hier in dieser schönen , stillen Stube recht glücklich sein , wenn ich wieder etwas zu rechnen , wenn ich wieder die schönen Zahlenreihen zur Gesellschaft und vor Augen hätte ! Es ist das Einzige , was mir zu meinem Glücke und zu meiner Zufriedenheit fehlt ! Paul konnte nur mühsam sein mitleidiges Lächeln verbergen ; er versprach dem Alten , an seinen Wunsch zu denken , und als dieser ihm die Thür öffnete , um ihn hinaus zu lassen , fragte er : Wer geht denn bei dem Grafen Berka ein und aus ? Wissen Sie das zufällig ? Meistentheils Franzosen , entgegnete der Kriegsrath . Ein Baron von Castigni kommt alle Tage . Meine Laura sagt , es sei ein verbindlicher und feiner Mann . Aber auch von den Würtembergern und Westfalen besuchen ihn viele Officiere , und in den letzten Monaten ist auch der junge Freiherr von Arten öfter bei dem Herrn Grafen zu Tische gewesen . Heute ißt er , glaube ich , allein mit ihm . Paul hörte das ohne Entgegnung an und schied von dem Alten mit dem wiederholten Versprechen , an die Erfüllung seiner Wünsche denken zu wollen ; aber die Frage , was die Warnung der Kriegsräthin zu bedeuten habe , beschäftigte ihn doch mehr , als er es dem Greise zu zeigen für angemessen fand , denn sie traf mit den Bemerkungen zusammen , welche auch Herr von Werben ihm in dieser Beziehung gemacht hatte . Da er nicht dazu neigte , seine Person und seine Thätigkeit höher , als es recht war , anzuschlagen , fiel es ihm auf , daß man überhaupt von französischer Seite auf ihn aufmerksam geworden war . Seine Geschäfte waren nicht größer , nicht bedeutender gewesen , als die mancher anderer Kaufleute , seine Reisen hatten an und für sich auch nichts Auffallendes , und der Verkehr , welchen er zwischen den heimischen und den im Auslande lebenden Vaterlandsfreunden vermittelt hatte , war mit solcher Vorsicht behandelt worden , daß er nicht wohl verrathen sein konnte . Den Grafen Gerhard , über dessen Verhältniß zu Seba er nicht im Zweifel war , hatte er seit seiner Kindheit nicht wieder gesehen . Er trug auch kein Verlangen danach , dem von ihm in jeder Beziehung verachteten Manne aufs Neue zu begegnen , und mit dem Herrn von Castigni , mit dem er jetzt im Flies ' schen Hause freilich beständig zusammentraf , hatte er keine Unannehmlichkeit gehabt . Die einzige peinliche Berührung hatte gestern zwischen ihm und Renatus Statt gefunden ; damit konnte aber die Warnung der Kriegsräthin , die ohnehin von älterem Datum war , nichts gemein haben , und es blieb ihm auf diese Weise also kein Anhalt für seine Vermuthungen . Da man sich jedoch unter der obwaltenden französischen Gewaltherrschaft auf jede Art von Spionage und Angeberei gefaßt halten mußte , so war es ihm erwünscht , mit seinen Angelegenheiten so weit vorgeschritten zu sein , daß seiner Abreise nicht mehr viel im Wege stand . Dreizehntes Capitel Während dessen war Renatus bei seinem Onkel angelangt , und da der Graf es liebte , sich noch zu den jungen Leuten zu zählen , von ihm mit einer fast kameradschaftlichen Heiterkeit empfangen worden . Er wußte bereits von Castigni , der in der Frühe bei ihm gewesen war , daß sein Neffe den letzten Abend im Flies ' schen Hause zugebracht hatte , und warf lächelnd die Frage hin , wie ihm denn der Günstling dieses Hauses , der sogenannte Tremann , gefallen habe . Sie kennen ihn also auch ? fuhr Renatus auf , während das Blut ihm zu Kopfe stieg . Der Graf bejahte dies in einer Weise , die darauf berechnet war , sich dasjenige , was er wußte , abfragen zu lassen , und er erreichte auch seine Absicht , denn Renatus fiel ihm mit dem Ausrufe in die Rede : So sagen Sie mir , Onkel , wo war der Mensch bis jetzt und wie kommt er in das Haus ? Der Graf zuckte die Schultern . Hast Du noch nicht bemerkt , mein Lieber , wie zufällig die Gesellschaft sich bei solchen Leuten , die um jeden Preis ein Haus zu machen wünschen , zusammensetzt ? Ich könnte Dich mit gleichem Rechte fragen : Wie kommst Du dorthin ? wüßte ich nicht , daß Flies von Alters her der Geschäftsmann Deines Vaters war , und Dein Vater hat seine eigenthümlichen Wege , die zu kreuzen nicht meines Amtes ist . Er that , als wolle er von dem Gegenstande abbrechen ; indeß Renatus war damit nicht gedient , und da er geneigt war , sich der Einsicht seines Onkels heute mehr als sonst zu fügen , weil er heute einen Beweis von der Menschenkenntniß desselben gewonnen zu haben meinte , sagte er : Sie selber haben ja früher die Flies gekannt , und es dünkt mich , fügte er in einer ihm fremden , leichtfertigen Weise hinzu , mit der er sich