vertrauend folgen dürfte . « » So heiligt man sich ! « erwiderte Lelio . » Ja , das Leben im Licht des Glaubens ist göttlich , Judith ! doch nicht , weil es unserem Geist göttliche Geheimnisse zu betrachten gibt , nicht , weil es unser Herz durch göttliche Gefühle beflügelte ; das alles ist Genuß , Heiligung nicht ! sondern weil es uns gottähnlich machen und in all die Tugenden einführen soll , die der Gottmensch von Bethlehem bis Kalvaria geübt hat und die sich in dem einen Wort zusammendrängen : demütiger Gehorsam .... Gehorsam aus Liebe ! Dies himmlische Wort will die Welt nicht verstehen . Das ist ihre Krankheit , ist die tiefe Wunde , an der sie ihre besten Kräfte verliert : sie will nicht gehorchen , keiner Autorität , keinem Gesetz . Der Grund , weshalb die heilige Kirche so viel Feinde und Gegner hat , ist freilich zuerst die Heiligkeit ihrer Lehre und ihre Bestimmung , die Seelen zur Heiligkeit zu führen ; allein der nächste Grund ist : Abneigung gegen den Gehorsam , die in Folge einer verkehrten , auf materialistischen Grundsätzen beruhenden Erziehung , unsere Welt von oben bis unten zerwühlt und verstört . Die Kirche aber lehrt unermüdlich Ehrfurcht vor rechtmäßiger Autorität - und muß es tun , weil Christus es getan hat , als er sprach : Gebt dem Kaiser , was des Kaisers ist , und Gott was Gottes ist . Heutzutage hat weder Kaiser noch König den Mut , zu den Völkern zu sagen : Gebt dem Kaiser , was des Kaisers ist . Die revolutionären Bewegungen , die seit einigen Generationen Europa erschüttern , und fort und fort vom Partei-und Faktionsgeist aufgestachelt und angespornt werden , haben eine solche Hefe von Unbotmäßigkeit in der Gesellschaft zurückgelassen , daß Kaiser und König nur mit vielen Umschweifen und unter mancherlei Schmeicheleien zu verstehen geben : die rechtmäßige Herrschaft sei zu respektieren - Schmeichelei , für welche sich der eine und andere durch Gewalttat , Heuchelei und Tyrannei zu entschädigen weiß . Immer müssen sie darauf gefaßt sein , daß die Revolution , trotz aller Vorsicht , ihnen antworte . Nun kommt die Kirche und sagt zu diesem unbotmäßigen Geschlecht , das Kaiser und König einschüchtert , höchst bestimmt und ohne alle Verbrämung : Gebt dem Kaiser , was des Kaisers ist , nämlich Gehorsam ; das ist euere Schuldigkeit ; und sagt weiter , zu Fürsten und Völkern , als eine Erläuterung dieses Gebotes : Und gebt Gott , was Gottes ist ! Sie fürchtet sich nicht vor Hohnlachen und Achselzucken , nicht vor Steinwürfen , Dolchstichen , Höllenmaschinen , Revolutionen . Sie hat ihre Vorschule hier in den Katakomben gemacht . Sie spricht , nach dem Ausdruck der heiligen Schrift , wie jemand , der Gewalt hat ; und ich weiß es ja leider ! aus Erfahrung : die ruhige Würde , welche dies Bewußtsein gibt und welche charakteristisch für das Wesen der Kirche ist , flößt dem Revolutionär einen namenlosen Ingrimm ein , denn mit denjenigen irdischen Majestäten , die sich seinem Wunsch gefügt und Szepter und Krone , ihm zu Lieb ' , nicht mehr von Gottes Gnaden haben , hofft er recht bald fertig zu werden . Aber ob mit dieser geistigen Majestät , die von Gottes Gnaden den heiligen Hirtenstab führt - das ist ihm im Grunde seines Herzens höchst zweifelhaft ; und wenn er ihren Untergang so laut ausposaunt , wie wir das erleben : so tut er das hauptsächlich , um sich selbst in seinen Hoffnungen zu bestärken . Der Gehorsam ist ein ewiges Gesetz für jede gute Erziehung . Eivilisation ist die gute Erziehung der menschlichen Gesellschaft ; folglich bedarf auch sie jenes ewigen Gesetzes und der Ausübung desselben . Da nun die Kirche , und sie allein ! es aufrecht hält , so ist sie die Bannerträgerin , welcher die Civilisation folgt - wie sie das genügend bewiesen hat , seitdem sie die Katakomben verließ - und ihren Feinden bleibt nichts übrig , als sich in Taten und Worten des Hasses zu erschöpfen . Ihre Feinde sind alle , welche jenem ewigen Gesetz nicht gehorchen wollen , nicht das Leben in der Zeit als eine Erziehung für das ewige Leben betrachten wollen . Auf dem Punkt steht der arme Graf Orestes . Daß Sie , Judith , aus allen Elementen der Rebellion und der Gegnerschaft , in Ihnen und um Sie , heraustreten - und daß Sie das süße Joch des Gehorsams aus Liebe frei annehmen , beweist einmal wieder , wie keine Seele ihr zu fern , zu fremd , zu empörerisch , zu unbändig ist , um nicht ein Reis des himmlischen Ölbaumes , Christus , auf diesen Wildling zu verpflanzen . « » So wird man ein Christusträger ; nun verstehe ich es , « sagte Judith . » Wir nennen es Kreuzträger , « entgegnete Lelio lächelnd . » In der Kreuztragung erscheint Christus uns am leidenvollsten und am demütigsten . Es ist billig , daß die dankbare Liebe sich ihm in dieser Gestalt verähnliche . « » Wie schön ist das Kreuz ! « rief Judith ; » es setzt einen Dämpfer auf das Instrument unserer Seele , damit alle Töne in Milde zusammen- und dahinfließen . « » Ja , ja ! das Kreuz ist ein vortreffliches Werkzeug der Abtötung ! « rief Lelio . » Kann auch nicht anders sein , da Gott selbst es dazu erfunden hat . « - - Judith ahnte , daß das christliche Leben neue Horizonte vor ihr entrollen werde . Sie freute sich , gerade am Vorabende der hehren Feier , welche sie dem mystischen Leib Christi einverleiben sollte , in den Katakomben gewesen zu sein . » Möchte ich hier die Liebe der Martyrer eingeatmet haben , « sagte sie , als sie die erhabene Stätte verließen . Am Abend waren sehr viele Menschen bei ihr . Das war ihr lieb ! nun brauchte sie