liebliche Zeit . Mathilde kam mit Natalien öfter , um uns zu besuchen . Ich machte ihr in den ersten Tagen den Vorschlag , daß ich die Rosen , wenn sie ihr schmerzliche Erinnerungen weckten , von dem Hause entfernen wolle . Sie ließ es aber nicht zu , sie sagte , sie seien ihr das Teuerste geworden und bilden den Schmuck dieses Hauses . Sie hatte sich zu einer solchen Milde und Ruhe gestimmt , wie Ihr sie jetzt kennt , und diese Lage ihres Wesens befestigte sich immer mehr , je mehr sich ihre äußeren Verhältnisse einer Gleichmäßigkeit zuneigten , und je mehr ihr Inneres , ich darf es wohl sagen , sich beglückt fühlte . Ein freundlicher Verkehr hatte sich entwickelt , Gustav hatte sich an mich gewöhnt , ich an ihn , und aus der Gewöhnung war Liebe entstanden . Mathilde gab Rat in meinem Hauswesen , ich in der Verwaltung ihrer Angelegenheiten . Nataliens Erziehung wurde oft zwischen uns besprochen , und Schritte getan , die wir verabredet hatten . Und in der gegenseitigen Hilfeleistung stärkte sich die Neigung , die wir gegen einander hatten , die nie verschwunden war , die sich zu einem edlen , tiefen , freundlichen Gefühle gebildet hatte , und die nun offen und rechtmäßig bestehen konnte . Ich hatte wieder jemanden , den ich zu lieben vermochte , und Mathilde konnte ihr Herz , das mir immer gehört hatte , unumwunden an mein Wohl und an mein Wesen wenden . Nach einer Zeit wurde der Sternenhof verkäuflich . Ich schlug Mathilden den Kauf vor . Sie besah das Gut . Seiner Nachbarschaft mit mir willen und schon seiner Linden willen , die sie an die großen Bäume auf dem Rasenplatze vor dem Hause in Heinbach erinnerten , war sie zu dem Kaufe geneigt . Auch hatte der Sternenhof überhaupt große Ähnlichkeit mit dem Hause in Heinbach , war an sich eine sehr angenehme Besitzung , und gab Mathilden für den Rest ihres Lebens einen festen Punkt und einige Abrundung ihrer Verhältnisse . Also wurde er erworben . Um dieselbe Zeit ließ ich in meinem Hause die Wohnung für Mathilden und Natalien herrichten . In dem Sternenhofe war viel Arbeit , bis alles zur gefälligen Wohnlichkeit geordnet war . Und auch nach dieser Zeit wurde beständig geändert und umgewandelt , bis das Haus so war , wie es jetzt ist . Und selber jetzt , wie Ihr wißt , wird dort wie hier gebaut , befestigt , verschönert , und es wird wohl immer so fortgehen . Die Rosen , dieses Merkmal unserer Trennung und Vereinigung , sollten vorzugsweise auf dem Asperhofe bleiben , weil es Mathilden lieb war , daß sie dieselben dort gefunden hatte . Jede Rosenblütezeit verlebte sie bei mir , sie liebte diese Blumen außerordentlich , pflegte sie , und konnte sich freuen , wenn sie mir eine Art , die ich noch nicht hatte , zubringen konnte . Dafür ließ ich ihr in ihrem Schlosse die Geräte machen , die ihr so viel Vergnügen bereiten . Gustav wurde von Tag zu Tage trefflicher , und versprach , einmal ein Mann zu werden , woran seines Gleichen Freude haben sollten . Natalie wurde nicht bloß schön und herrlich , sondern sie wurde auch im Umgange mit ihrer Mutter so rein und edel , wie wenige sind . Sie hatte das tiefe Gefühl ihrer Mutter erhalten ; aber teils durch ihr Wesen , teils durch eine sehr sorgfältige Erziehung ist mehr Ruhe und Stettigkeit in ihr Dasein gekommen . Zwischen Mathilden und mir war ein eigenes Verhältnis . Es gibt eine eheliche Liebe , die nach den Tagen der feurigen , gewitterartigen Liebe , die den Mann zu dem Weibe führt , als stille , durchaus aufrichtige , süße Freundschaft auftritt , die über alles Lob und über allen Tadel erhaben ist , und die vielleicht das Spiegelklarste ist , was menschliche Verhältnisse aufzuweisen haben . Diese Liebe trat ein . Sie ist innig , ohne Selbstsucht , freut sich , mit dem andern zusammen zu sein , sucht seine Tage zu schmücken und zu verlängern , ist zart , und hat gleichsam keinen irdischen Ursprung an sich . Mathilde nimmt Anteil an jeder meiner Bestrebungen . Sie geht mit mir in den Räumen meines Hauses herum , ist mit mir in dem Garten , betrachtet die Blumen oder Gemüse , ist in dem Meierhofe und schaut seine Erträgnisse an , geht in das Schreinerhaus und betrachtet , was wir machen , und sie beteiligt sich an unserer Kunst und selbst an unsern wissenschaftlichen Bestrebungen . Ich sehe in ihrem Hause nach , betrachte die Dinge im Schlosse , im Meierhofe , auf den Feldern , nehme Teil an ihren Wünschen und Meinungen , und schloß die Erziehung und die Zukunft ihrer Kinder in mein Herz . So leben wir in Glück und Stettigkeit gleichsam einen Nachsommer ohne vorhergegangenen Sommer . Meine Sammlungen vervollständigen sich , die Baulichkeiten runden sich immer mehr , ich habe Menschen an mich gezogen , ich habe hier mehr gelernt als sonst in meinem ganzen Leben , die Spielereien gehen ihren Gang , und etwas Weniges nütze ich doch auch noch . « Er schwieg nach diesen Worten eine Weile , und ich auch . Dann fuhr er wieder fort : » Ich habe das alles mitteilen müssen , damit Ihr wißt , wie ich mit der Familie in dem Sternenhofe zusammenhänge , und damit in dem Kreise , in welchen Ihr nun auch tretet , für Euch Klarheit ist . Die Kinder wissen die Verhältnisse im allgemeinen , ein näheres Eingehen war für sie nicht so nötig wie für Euch . Ich wünsche nicht , daß Ihr gegen Eure künftige Gattin Geheimnisse habt , Ihr könnt Natalien mitteilen , was ich Euch sagte , ich konnte es , wie Ihr begreifet , nicht . Über Nataliens Zukunft sprach ich oft mit Mathilden . Sie sollte einen Gatten bekommen , den sie