von der Polizei , die das Haus umstellt habe ? - Was kann man da machen ? « » Und wir sollen sie also ruhig ziehen lassen ? « » Soll ich sie vielleicht aufhalten ? « fragte Meister Schwemmer mit einem jammervollen Blick auf seine wankende Gestalt . - » Ja , vor zwanzig Jahren , « setzte er zähneknirschend hinzu , » mit einer gesunden Faust und keinen trüben Erinnerungen , da hätte mir Einer so kommen sollen . - Aber jetzt ! - Doch ruhig , Weib ; komm ' vor in die Wohnstube , da ist ' s dunkel und wir können unbeachtet zum Fenster hinaus schauen , um zu sehen , wer geht und was sie mitnehmen . - Merk ' dir die Figuren so genau du kannst - das kann später von großem Nutzen sein . - Der verfluchte Husten ! « - Bei diesen Worten schlich er aus der Küche in die Wohnstube und näherte sich leise der Thüre , die in den Gang hinaus führte . Dabei machte er dem Weibe mit der Hand ein Zeichen , sie solle geräuschlos die Fenster schließen , denn die kalte Nachtluft sei ihm im Athmen beschwerlich . Die draußen hatten nun das Kinderzimmer verlassen , Katharine drückte ihr Mädchen fest an die Brust , der Bube schlich hinter den Zimmerleuten drein , ohne von ihnen gesehen zu werden , und die zurückgebliebenen beiden kleinen Kinder auf dem Schragen schrieen jämmerlich , da man sie aus ihrem Schlafe geweckt . Richard war voran und hatte fast die Hausthüre erreicht , als er plötzlich stehen blieb , denn er bemerkte , daß diese weit offen stand und von mehreren Gestalten besetzt war . Eine löste sich rasch aus dem Haufen los , trat in den Gang und rief den Ankommenden ein » Halt ! « entgegen . Diese Stimme klang nicht gerade übermäßig stark , aber der Ton , mit welchem sie ihr » Halt ! « rief , brachte auf den Zimmermann , der seine Axt schon erhoben hatte , eine eigenthümliche Wirkung hervor . Es war ihm gerade , als gäbe ihm ein Vorgesetzter einen Befehl . » Schließt die Thüre ! « fuhr die Stimme fort . » Ich meine , man hätte von dem verfluchten Lärm draußen genug gehört . « Herr Schellinger , der zuletzt kam , trug die Blendlaterne , welche einer der Zimmerleute mitgebracht hatte . Bei dieser unerwarteten Störung hob er sie hoch empor , um das Hinderniß , welches sich ihnen entgegengestellt , zu beleuchten , wodurch es Richard möglich wurde , den Mann zu betrachten , der ihn so unerwartet und befehlend angesprochen . Es war das eine ziemlich hohe Figur , in einen weiten Mantel gewickelt , dessen eines Ende so hoch um Hals und Schultern geschlungen war , daß es das Kinn bedeckte und man so von dem dunkeln Gesichte nichts sah als den langen schwarzen Bart und die glänzenden Augen , die unter einem gewöhnlichen runden Hute hervorblitzten . » Ihr macht da ein sauberes Stück Arbeit , « fuhr die Gestalt mit großer Ruhe fort , » brecht in anderer Leute Häuser ein und geht auf den Kinderraub aus . - He ! « Richard , der genug persönlichen Muth besaß , versicherte später oftmals , es sei ihm in diesem Augenblick nicht möglich gewesen , ein unheimliches Gefühl zu unterdrücken . Die Ruhe und Kälte , mit der dieser einzelne Mann - denn die Hausthüre hatte man sogleich hinter ihm geschlossen - nun in dem engen Gange ihnen gegenüber getreten , habe ihm mächtig imponirt ; weßhalb es denn auch erklärlich war , daß der Zimmermann Schritt vor Schritt zurückwich , während Jener langsam vorwärts schritt . An der Stubenthüre blieb er stehen , öffnete sie und sprach : » Trete Einer von euch da hinein , auch das Weib mit dem Kinde ; die Uebrigen mögen draußen bleiben . « Diesem Befehle leistete Richard Folge , indem er Katharine am Arme nach sich zog . Meister Schwemmer war zurückgetreten , als sich die Thüre geöffnet hatte , und zog sich langsam nach der Küche hin , um dort zu erwarten , wie sich dieser neue Vorfall entwickeln werde . » He ! ein Licht ! « sagte die Stimme von vorhin . » Soll ich eines bringen ? « flüsterte das Weib ihrem Manne zu . - Und als dieser versetzte : » Gegen die Gewalt ist nichts zu machen , « ging sie an den Herd , zündete eine Lampe an und trug sie mit zögernden Schritten in die Stube . Dort stand der fremde Mann im Mantel und wandte langsam den Kopf herum , wodurch der volle Schein des Lichtes auf sein Gesicht fiel . Wäre aber in diesem Augenblicke die ganze Polizei erschienen , ja das ganze Gerichtspersonal inklusive Kerkermeister , es hätte auf den Meister Schwemmer unmöglich einen schrecklicheren Eindruck hervorbringen können , als der Anblick des fremden Mannes , der so ruhig mitten in seiner Stube stand . Er fühlte , daß ihm die Kniee den Dienst versagen wollten und hielt sich deßhalb mit aller Kraft an einem Thürpfosten . » Verzeihen Sie , « sagte er alsdann nach einem tiefen Athemzuge , » daß ich nicht vorkomme , um Sie bestens zu begrüßen ; aber ich bin ein armer kranker Mann , den seine Füße nicht mehr recht zu tragen vermögen . « » Der aber trotz seiner Schwachheit beständig die Hand zu Geschichten bietet , die doch am Ende nothwendigerweise Aufsehen erregen und ihm Strafe auf den Hals laden müssen . - Nicht wahr ? « » Wie so , Herr ? « fragte Schwemmer erschrocken , während er scheu an dem Fremden hinaufblinzelte , sogleich aber die Augen wieder niederschlug , als er einem jener flammenden Blicke begegnete . » Wenn Ihr Euch nur das Fragen abgewöhnen könntet ! « entgegnete der im Mantel ungeduldig . » Gebt mir lieber gute Antworten auf