Jalousie und hüpfte verlockend , gleich einer dämonischen Flamme vor der rauschenden Fähre her , welche den Herrn am Stein nach der Insel trug . Bianca machte ihrem Spiegelbilde mit reizendem Lächeln eine graziöse Verbeugung , setzte den Leuchter wieder fort und schlang ein rosaseidnes Band gürtelartig um ihre schlanke Taille . Erst nachdem dies geschehen war , erklärte sie mit stolzem Kopfnicken ihre Toilette für beendigt , schritt bedächtig durch mehrere Gemächer , bis sie Adrians Wohnzimmer erreichte , wo sie Alles zum Abendtisch ordnete . Dann zog sie sich zurück und ging , die Hände über dem klopfenden Busen gefaltet , sinnend im Zimmer auf und nieder . Bald darauf hörte sie die befehlshaberische Stimme Adrians . Sie erbebte leis und ein fulckelnder Blitz schoß aus ihren großen schwarzen Augen . Ihre schwellenden Lippen zuckten und ein Zug bitteren Hohnes , ja tiefer Verachtung verunstaltete auf einige Secunden ihr tadellos schönes Gesicht . Lauschend blieb sie an der Thür stehen , die Stirn in ihre linke Hand stützend , an deren kleinem Finger ein Brillantring blitzte . Als sie sich überzeugt hatte , daß ihr Gebieter nach seinem Zimmer gegangen sei , zog sie ein zusammengefalteles Blatt aus dem Busen , schlang schnell eine bereit liegende Schnur darum , an welcher ein Schlüssel hing , öffnete eben so rasch Fenster und Jalousie und warf Beides unter dreimaligem Husten hinaus . Bald darauf schlüpfte hinter der Scheuer , auf deren Tenne Adrian die verhungerten Kinder ausgestellt hatte , eine dunkle hohe Gestalt hervor , schlich behutsam nach dem Hause und ergriff das weiße Papier , das Bianca absichtlich ruckweise am Boden flattern ließ . Als sie es in den rechten Händen wußte , ließ sie die Schnur fallen , der nächtliche Gast verschwand wieder hinter der Scheuer und Bianca schloß behutsam ihr Fenster . Wieder trat sie vor den Spiegel , um sich von ihrem Liebreiz zu überzeugen . Sie sah jetzt weit bleicher aus , als zuvor , allein diese Blässe that ihren Reizen keinen Abbruch , sondern machte sie eher noch verführerischer . Selbst ihr Lächeln , das nichts weiblich Sanftes an sich hatte , und nur wie eine Maske über die ursprünglich reinen Züge geworfen war , konnte durch die Eigenthümlichkeit des spöttischen Ausdruckes bezaubern , in dem sich Schallhaftigkeit und Laune höchst anmuthig umarmten . Fast erschöpft lehnte sich Bianca jetzt an den Divan und wartete ruhig , bis sie Adrians Schritte vernahm . Vor diesem Tone schauderte sie zusammen , ob vor Wonne oder Entsetzen würde schwer zu entscheiden gewesen sein , denn ihr Blick blieb kalt , ihre Miene ruhig . Sie ergriff abermals einen der Armleuchter , und indem sie das Zimmer verließ , sprach sie flüsternd zu sich selbst : » Nun , Gott der Rache , sende mir Deine schrecklichen Engel , daß ich ihn züchtigen mag , wie er es verdient hat ! « Und mit dem süßesten , verführerischsten Lächeln verschämter Liebe trat sie in Adrians Zimmer . - Der Herr am Stein war sehr zufrieden mit seiner jungen schönen Haushälterin . Bianca war fleißig , sorgsam , accurat und die Aufmerksamkeit selbst . Besser war Adrian nie bedient worden , delicater hatte er nie gespeist . Und was ihm besonders gefiel , war , daß Bianca selbst die Stelle eines Dieners versah und ihm eigenhändig die Speisen reichte . Dabei erschien sie täglich in geschmackvoller Kleidung , immer einfach und immer reizend . Zwar bat Adrian das schöne Mädchen , es möge die Aufwartung seinen Bedienten überlassen und Theil nehmen an seinem Mahle ; wie dringend er aber auch bat , Bianca ließ sich nicht dazu bewegen . Sie wisse gar wohl , was ihr zukomme , behauptete sie mit dem allerschelmischsten Blick ihrer leidenschaftlichen Augen , und wenn der gnädige Herr nur zufrieden sei mit ihren Leistungen , so würde sie mit dem größten Vergnügen als Dienerin ihm während der Mahlzeit Gesellschaft leisten . - Von diesem Entschlusse war Bianca nicht abzubringen , so große Mühe sich Adrian auch gab . Sie legte ihm vor , wenn er es wünschte , sie setzte sich auch auf Verlangen neben ihn und unterhielt ihn munter plaudernd mit allerliebsten Geschichten . Dabei benahm sie sich so unbefangen , wie ein unschuldiges Kind von funfzehn Jahren . Sie streifte mit ihren warmen bloßen , runden Schultern beim Darreichen einer Schüssel Adrians Wangen , daß der sinnlich erregte Mann von der elektrischen Berührung des schönen Mädchens zitterte , oder sie beugte sich mit zur Seite geneigtem Kopf zu ihm herab , mit Mund und Augen zugleich eine Frage an ihn richtend , wobei der arme Mann nothwendig seine Blicke auf den weißen klopfenden Busen der schlauen Verführerin richten mußte , der die zarten Bande , die ihn gefesselt hielten , zu sprengen drohte . Schon beim ersten Besuche Bianca ' s war Adrian in das Netz dieses unendlich verführerischen Geschöpfes gerathen , wie wir wissen . Das heitere , verschämte , naive Mädchen hatte ihn so gefesselt , daß er bei sich beschloß , ihr nach Beendigung des Prozesses seine Hand zu reichen . Daß Bianca einen solchen ihr gemachten Antrag ausschlagen könne , daran dachte er nicht . Er selbst glaubte sich noch rüstig und liebenswürdig genug , um einem schönen Mädchen ohne Namen und Vermögen Liebe einflößen zu können . Auch verlangte er nicht Unmögliches oder nur Seltenes . Eine stille Neigung , ein freundliches Anschmiegen , ein aufmerksames Eingehen auf seine Wünsche zog er in jeder Hinsicht aufreibender Leidenschaftlichkeit und quälender argwöhnischer Eifersucht vor , womit liebende Mädchen so gern den leidenschaftlich geliebten Mann peinigen . Leider aber passirte Adrian bei aller Verstandeskälte im Umgange mit Bianca selbst das Unglück , daß er sich mit aller Leidenschaft , deren die Sinne fähig sind , in seine jugendliche Haushälterin verliebte . Und Bianca , das schuldlose Kind , merkte gar nichts von dem Unglück , das sie angerichtet hatte ! Immer lächelnd , immer guter Laune , täglich in