der Bekanntschaft mit Elmerice und den wunderbaren Verhältnissen derselben , das zärtliche Herz der Gräfin erfüllte , da Lucile , von Empfindungen der Bewunderung überströmend , ihrer schnell erweckten Zuneigung mit Ausdrücken erwähnte , die in ihrem eigenen Herzen einen nur zu lebhaften Anklang fanden - so wurde diese Freude doch eben so rasch niedergeschlagen und in Besorgniß verwandelt , als sie den zweiten Brief erbrach und die Krankheit der alten Mistreß Gray und Elmerice ' s schnelles Zurückziehen erfuhr . » Mein Gott , « sagte sie lebhaft - » das geht nicht mehr so ! Ich muß dennoch zu ihr ; - mein armes , theures Kind , ich kann Dich nicht länger verlassen ! Vielleicht that ich es schon zu lange und habe das heilige Vertrauen verletzt , das Deine Eltern in mich setzten . - Sorgt , Lorint , « sagte sie , sich zu ihm wendend - » daß wir morgen abreisen können ; ich werde nach Ste . Roche zu meiner Nichte gehen ! « Lorint verbarg sein Erstaunen , welches ihm das Blut in das Gesicht trieb , durch eine tiefe Verbeugung . » Ich komme nach dem Schlosse zurück , « fuhr die Gräfin fort , da Monsieur Lorint noch immer stehen blieb - » richtet vorläufig das Nöthigste zu meiner Abreise ein . « » Zu Befehl , Euer Gnaden ! « erwiederte Lorint ; - » ich wollte nur unterthänigst an den Courier erinnern , der auf Antwort harret ! « » Ein Courier ? « sagte die Gräfin überrascht , da sie jetzt erst die Nachricht hörte - » ein Courier aus Ste . Roche ? « » Nein , Euer Gnaden , ein Courier , der eine fremde Herrschaft anmeldet , welche sich aber nur der Frau Gräfin selbst nennen will , und über die der Bursche keine Auskunft zu geben weiß , da er von dem nächsten Posthause kömmt , wo die Herrschaft erst vor wenigen Stunden eintraf und ihn absendete , um die Anwesenheit Euer Gnaden zu erfragen und diese allgemeine Meldung zu machen . « » Das ist sonderbar , « sagte die Gräfin ; - » ich muß aber dennoch Bekannte annehmen , obwol ich kaum weiß , wer sich dieser eigenen Form bedienen könnte . Doch darf dieser Besuch keinen Einfluß auf meinen Entschluß haben . Besorgt zu morgen meine Equipagen und sagt dem Courier , ich wäre im Begriffe abzureisen , doch bis morgen bereit , Jeden willkommen zu heißen . « » Auch , glaube ich , können dies Euer Gnaden ohne Bedenken , « fuhr Lorint mit der Vertraulichkeit alter Domestiken fort ; - » denn die Herrschaft ist , dem Aufwande nach , mit dem sie reist , von hohem Range . « » Wir werden dies erwarten , « sagte die gütige Gräfin lächelnd ; - » gebt die nöthigen Befehle zu ihrer Aufnahme ! « Doch lange noch blieb sie allein in der schönen Einsamkeit , die sie umgab ; sie vertiefte sich in die Mittheilungen ihrer Nichte und suchte sich dadurch in ihrem Vorhaben zu stärken , das sie , bei aller pflichtgetreuen Festigkeit ihres Sinnes , dennoch mit einem geheimen Bangen erfüllte , über das sie nicht Herr zu werden vermochte . Wie Viel sich an diese Empfindungen anreihen mochte , was von der Zeit und ihrem starken Willen verdeckt lag , wäre auf dem schönen , früh gealterten Gesichte zu verfolgen gewesen , obwol es die feine Hand , welche das denkende Haupt stützte , halb verbarg . So mochte die Zeit schnell an ihr hin gestrichen sein , und vielleicht hatte sie selbst die Abreise und mehr noch den angekündigten Besuch bereits vergessen , als sie die Stimme von Monsieur Lorint vernahm , der , dicht vor dem Eingange des grünen Gemaches stehend , einige unterthänige Worte murmelte . Sie zog die Hand von ihrem Angesichte und sah hinter Lorint eine hohe , männliche Gestalt stehen , und an ihrer Seite eine jüngere , weibliche , die Beide der Gräfin völlig fremd erschienen und sie an ihre erwarteten Gäste erinnerten . Sogleich erhob sie sich , und mit ihrem edeln und gewinnenden Anstande nahete sie sich den Fremden , die Monsieur Lorint versucht hatte , ihr vorzustellen . Wer hätte sich nicht in dem Augenblicke , als sich die hohe , leichte Gestalt , so würdig von den reichen Falten des schwarzen Kleides umhüllt , ihnen nahete , sagen müssen : sie habe die unverwüstliche Schönheit der Seele , deren Dasein wir beim ersten Blicke empfinden , und die an dem Körper , der wie ein durchsichtiger , aber farbloser Schleier den Geist umgiebt , keinen größeren Verfall zuläßt , als die Verflüchtigung der Jugendreize ! Der Fremde schien , von ähnlichen Betrachtungen bewegt , ihren vollen Anblick genießen zu wollen ; denn er blieb in derselben Entfernung vor ihr stehen und ließ sie in ihrer ganzen edeln Erscheinung auf sich zu kommen ; aber sein großes Auge , das unter starken , schwarzen Augenbraunen feurig hervorleuchtete , sagte ohne Worte : ich bewundere Dich ! Der Fremde zeigte eine sichere , würdevolle Haltung ; die Schönheit eines alten Mannes , der sich seiner Jugend ohne Erröthen erinnern darf . Sein weißes Haar hob sich noch voll um die freie Stirn , und die Feinheit der schönen , griechischen Nase verstärkte den edeln Ausdruck seines Kopfes . Er war über der gewöhnlichen Größe , ohne Korpulenz , in reicher , einfacher Tracht , die aber nicht die der französischen Mode war ; seine ganze Erscheinung flößte Achtung und Vertrauen ein . An seiner Seite stand eine junge , weibliche Gestalt , die fast andächtig ihre sanften Augen auf die Gräfin d ' Aubaine gerichtet hielt und eins der zarten , blonden Mädchen war , an deren materielle Existenz wir kaum Glauben fassen können . Die Gräfin gewann die von uns dargelegte Ansicht mit einem Blicke ihrer klugen , erfahrenen Augen ; und in