Spritzenhäuschens will wenig sagen ) in der schönen gemischten Empfindung zu halten denke , welche , wie ich deutlich verspüre , währenden Redens bereits in mir aufgestiegen ist . - Wolltest du mich aber fragen , Gudel , warum ich nicht zu Hause nachspeise so wäre dieses eine unnütze Frage . Denn abgesehen von der Kurrende , welche heute zu mir gelaufen kommt , um die Büchse zu überreichen , und welche mir alle Gedanken vertreiben würde , so fehlt mir überhaupt zwischen meinen vier Pfählen bei dem Reden meiner Ehefrau jegliche Einbildungskraft , und sie würde nur gemeines Essen sein , diese Hochzeitspeise , welche ich dort zu mir nähme . « Die Magd hatte von der langen Rede ihres Brotherrn wenig oder nichts verstanden . Sie dachte nur an den Schulmeister , von dem ihm eine Überraschung bevorstand und fragte den Küster : » Mögt Ihr jemand lieber vor Tische sprechen , oder nach Tische , Herr ? « » Ich weiß nicht , wie du auf diese Frage kommst , Gudel « , versetzte der arglose Küster . » Indessen , da du einmal fragst , so antworte ich : nach Tische spreche ich niemand gern , wie du weißt , sondern liebe zu schlummern . « » Wohl , so will ich draußen auch mein Stück Brot und Fleisch verzehren « , erwiderte die Magd ohne allen logischen Zusammenhang . Sie ging aus dem Spritzenhäuschen , stellte sich an die durchlöcherte Wand und winkte dem Schulmeister , der sich in der Nähe schon versteckt aufgestellt hatte . Leise schleichend näherte sich der Schulmeister dem Spritzenhäuschen . Auch er hatte eine Rede vorbereitet , fast so lang als die des Küsters gewesen war . Sie begann so : » Herr Amtsbruder , es ist endlich Zeit , verjährten Irrtümern zu entsagen . Der Mann soll den Mann erkennen , wie er ist , das ist Mannespflicht . Schämen soll der Mann sich nicht , erkannten Irrtümern zu entsagen . Blicken Sie in das Herz eines Mannes , welcher Ihrer Freundschaft nicht unwürdig ist , stoßen Sie einen Mann nicht von ihrer Brust zurück , welcher an derselben zu ruhen recht herzlich sich sehnt ! « - Nach diesem Erregung des Gefühls bezweckenden Eingange wollte er durch eine klare Auseinandersetzung auf den Verstand des Verstandesleugners wirken . Jenen Eingang still für sich wiederholend schlich er zum Spritzenhäuschen , worin der andere eben , auch durch seine Rede zu einer Art von erbaulichem Seelentaumel gesteigert , das erste Stück Rindfleisch in die Hand genommen hatte . In diesem Augenblicke hörte der Küster hinter der Wand neben der Türöffnung mit sanfter Stimme sagen ( denn der Schulmeister wollte seine Erscheinung stufenweise vorbereiten ) : » Herr Amtsbruder , es ist endlich Zeit , verjährten Irrtümern zu entsagen ... « Er kannte die Stimme - » geronnen fast zu Gallert durch die Furcht « saß er da , das Stück Rindfleisch starr erhoben haltend vor dem geöffneten und doch nicht zufassenden Munde , ein mitleidswürdiges Bild ! Aber eine schwache Hoffnung im letzten Winkel seines Herzens flüsterte ihm zu : » Nein , es ist nicht möglich , es muß eine Täuschung sein , so hart kann dich der Herr nicht strafen . « - Doch da erschien in der Türöffnung das Entsetzliche , die Harpyie , die nun abermals auch diese Nachmahlzeit besudeln wollte , das Haupt der Gorgone wurde sichtbar , wirklich stand der tolle Kerl , der Agesilaus , in der Türe , diesmal sogar mit einem Knotenstocke bewaffnet ! Aufsprang der Küster , schleuderte dem Feinde , was er in der Hand hatte , in das Antlitz , nämlich das Rindfleisch , und stürzte schreiend nach dem hinteren Teile des Häuschens , sich gegen die lehmerne Wand drückend und mit Augen , die fast aus ihren Kreisen schossen , nach seinem Gegner starrend . Der Schulmeister , von dieser Unvernunft erzürnt und von dem Wurfe mit dem Rindfleische auf das empfindlichste beleidigt , verlor nun alle Geduld . Mit den Worten : » Wenn du verfluchter Kerl nicht hören willst , so sollst du fühlen ! « sprang er , den dicken Knotenstock schwingend , in das Häuschen auf den Küster zu . Unfehlbar würde er diesen jetzt für seine Meinung , er sei rasend , wie ein Rasender abgestraft haben , wenn nicht die Verzweiflung den Küster gerettet hätte . Hatte derselbe vorher geschrieen , so brüllte er nunmehr . Brüllend griff er mit der Faust durch ein Loch der Lehmwand hinter sich und faßte die Magd , welche außen wacker gegengestemmt stand , in den Schopf . Die Magd , welche sich so schmerzlich berührt fühlte , vergaß nun auch ihre Aufgabe , die Wand zu halten ; sie zerrte sich vielmehr mit aller Kraft ihres starken Leibes von der Wand ab , um der Faust aus dem Schopfe quitt zu werden . Dadurch wurde der Küster , der sich an diesem letzten Strohhalme in seiner äußersten Not , an einem menschlichen , mitfühlenden Wesen , krampfhaft festhielt , gegen die Lehmwand heftiger gepreßt . Die Lehmwand leistete unter solchem Drucke keinen längeren Widerstand , sondern brach zusammen und der Lehm überschüttete den Küster scheußlich gelb von oben bis unten , so daß er aussah , wie ein König der gelben Erbsen ; indessen wurde er von der Magd , an deren Schopfe er gleichsam wie ein Geschleifter hing , in das Freie gerissen und erhielt nur einen Schlag über die Nase vom Schulmeister . Der genotängsteten Magd glückte es endlich , den Brotherrn mit Zurücklassung eines Haarbüschels in seiner Hand abzuschütteln und der Küster stürzte draußen immer brüllend zu Boden . Die Magd sprang von dannen , der belehmte und nasenblutende Küster raffte sich nun auf und sprang ihr nach , und der Schulmeister , dem sein wohlgemeinter Verständigungsversuch so übel geraten war , rasete in seiner blinden Wut , wie Ajax in die Herde , in das schuldlose Mahl des Entsprungenen . Er