und Sinnsprüche « , auf der ersten Seite als erste Lehre die Worte : » Gib nie einem Weibe Gewalt über Dich , denn des Weibes Herz ist verkehrt und sein Thun und Treiben eitel ! « Herr Weißenbach schien großes Gewicht auf diesen Ausspruch zu legen . Wenn Sie wüßten , sagte er , wie oft ich mir das in meinem Unglücke vor die Seele gehalten habe ! Und ich war nicht am unglücklichsten , als das Geheimniß meiner Verschuldigung entdeckt , als die Untersuchung gegen mich eingeleitet und mein Urtheil erst gesprochen war , als ich die Untreue , mit welcher ich die mir anvertraute Kasse angegriffen hatte , im Gefängnisse büßte . - Er blätterte in seinem Buche , zeigte dann mit dem Finger auf die betreffende Stelle und rief : Sehen Sie , da steht es : » Ehre annehmen mit dem Bewußtsein , sie nicht zu verdienen , thut einem Rechtschaffenen sehr wehe ! « - Und ich kann mir das sagen und Sie werden mir das bezeugen , lieber Tremann , ich war ein rechtschaffener Mann . Ich bedurfte nicht viel , ich war zufrieden , wenn ich ruhig bei meinen Acten saß , wenn ich meine Pflicht that ; aber ich hatte einem Weibe Gewalt über mich gegeben , einem jungen , einem schönen Weibe , als ich kein Jüngling mehr war , und ich traute einer Delila ! Ich traute , ich folgte ihr und ihren verführerischen Rathschlägen , weil ich ihrem klugen Kopfe und ihren beredten Worten mehr , als meiner Einsicht und meinem warnenden Gewissen glaubte ! Das soll man nicht thun , soll man nicht thun ! Paul hatte viel Nachsicht mit dem alten Manne ; aber er fand es endlich doch nöthig , seinen Erzählungen und Herzensergießungen ein Ende zu machen , indem er ihn bat , sich der Gedanken an seine Schuld , an seine Cassation und an seine Frau zu entschlagen . Der Alte versicherte , daß er dies auch thue . Nur wenn sie hier war , setzte er hinzu , wenn sie einmal wieder hier war , dann wurmt und brennt ' s mich wieder , dann wacht Alles wieder auf - und heute ist sie dagewesen ! Was wollte sie ? fragte Paul . Nichts , nichts , lieber Herr Tremann . Seit sie bei dem Grafen ist , hat sie nichts von mir verlangt , sie hat ' s ja nun bei dem vollauf . Aber weßhalb kam sie denn , sie pflegte doch nichts ohne Absicht , nichts umsonst zu thun ? meinte Paul , der seine Abneigung gegen die Kriegsräthin nicht verhehlte . Der Alte sah sich schüchtern um und sagte : Daß ich die Wahrheit sage , sie kam Ihretwegen ! Meinetwegen - und wie das ? Was will sie von mir ? Gewiß , lieber Paul , ich wollte sagen : lieber Herr Tremann , versicherte der Kriegsrath , dieses Mal hatte sie keine Absichten , dieses Mal meinte sie es gut . Sie fragte , ob ich noch immer Arbeit hätte , ob Sie mir noch das Monatsgeld gäben , woher ich die Arbeit hätte , was ich für Sie schriebe ? Ich zeigte ihr die Auszüge , die ich für Sie aus den Zeitungen machen muß ; sie besah sich das alles , denn sie versteht sich auf dergleichen , und als sie schon im Fortgehen war , drehte sie sich noch einmal um und sagte : » Der Paul hat uns zwar schmählich verlassen und ist eigentlich an Allem schuld , denn wenn er bei uns geblieben wäre , würde Alles anders geworden und wir nie in die Verlegenheit gerathen sein . Da er Dich aber in Deiner Noth und in Deinem Alter wenigstens nicht verläßt - denn ich brauche ihn nicht , ich weiß mir selbst zu helfen - und da ich Dir seinen Beistand auch nicht entzogen sehen mag , so sage ihm , er solle machen , daß er von hier fortkomme , und zwar je eher , desto lieber ! Sag ihm das , und ich verlangte keinen Dank für meinen guten Rath ! « Und damit ließen Sie sich genügen ? Sie erkundigten sich nicht , was diese Weisung , diese Warnung zu bedeuten habe , worauf sie sich beziehe ? Der Alte sah ihn verlegen an . Sie wissen , was meine Laura nicht sagen will .... Er brach ab ; Paul drang nicht weiter in den alten Kriegsrath . Er stand vielmehr auf , händigte dem Greise die Pension , die er ihm seit dessen Freilassung zahlte , für den nächsten Monat aus , sagte , daß er sich dieselbe aus dem Flies ' schen Comptoir für die nächsten Monate holen möge , und wie er in dem Bureau des Staatskanzlers von einem der Sekretäre die Zusage erhalten habe , daß man Herrn Weißenbach auch ferner mit Copisten-Arbeit beschäftigen werde . Dann nahm er seinen Hut und wollte sich entfernen , aber der Kriegsrath hielt ihn zurück . Er hatte offenbar noch etwas auf dem Herzen , das er sich zu sagen scheute , und Paul ermunterte ihn dazu mit der Frage , ob er noch irgend etwas wünsche . Der Alte sah ihn scheu und bittend an . Sie haben so viel für mich gethan , lieber Herr Tremann , sprach er endlich und ich danke Ihnen , daß Sie sich so für mich verwenden ! ich thue mein Möglichstes , Ihrer Fürsprache Ehre zu machen , aber ... Nun was denn ? Aber könnten Sie mir nicht etwas zu rechnen schaffen ? rief der Alte , und er sah so hell dabei aus wie ein Liebender , der endlich sein lange beabsichtigtes Geständniß anzubringen vermochte . Etwas zu rechnen ? Aber was soll das sein ? Weßhalb eben etwas zu rechnen ? Sie haben ja Arbeit genug ! Ja , Arbeit , aber kein Vergnügen , keine Freude ! rief der Alte . Solch ein Blatt