ohne die Gründung auf eine übernatürliche Basis ganz unmöglich . Mir däucht , es müßte sich jeder , der guten Willens ist und diese Geschicke bedenkt , zu ihr bekehren ; denn nur in ihr ist er auch objektiv sicher , die Lehre zu besitzen , welche die ersten Christen geglaubt haben , weil ein Lehrgebäude , das auf übernatürlichem Felsen ruht und vom heiligen Geist in Unantastbarkeit erhalten wird , notwendig ein unfehlbares sein muß - und das Unfehlbare ist ewig unveränderlich ; während es doch ganz unmöglich ist , von einem menschlichen Lehrsystem so etwas zu glauben oder zu behaupten . Ich finde diese Unveränderlichkeit der Lehre in einer veränderlichen Welt , deren Strömungen ja auch auf die menschlich-schwachen Glieder der sichtbaren Kirche nicht ohne Einfluß sind - etwas so Göttliches , ein solches Wunder über alle Wunder , eine solche Beglaubigung als himmlische Stiftung , daß ich eher Florentins rohe Negation aller göttlichen Offenbarung begreife , als Orests Vorschlag , eine Offenbarung außerhalb der katholischen Kirche anzunehmen . Jener sagt : es gibt keine objektive ewige Wahrheit , denn meine Sinne empfinden sie nicht , und mein Verstand verwirft sie . Gut ! das ist der Ausdruck der gefallenen Natur in höchster Potenz , auf der äußersten Stufe der Brutalität . Aber Orest ! welche Verwirrung des Verstandes und Verirrung der Vernunft , um die ewige Wahrheit irgendwo anders zu suchen oder zu glauben , als dort , wo der Weltheiland sie niedergelegt hat . Ach , Lelio ! was wird aus Orest werden ! « » Gram um unsere irrenden Brüder - das ist katholisch , teure Judith , « entgegnete Lelio . » Den werden Sie nicht los bis zu Ihrem letzten Atemzug und umso weniger , je mehr Sie die Kirche als Wunder aller Wunder Gottes erkennen und in dem eucharistischen Christus , den sie liebend und anbetend im süßen hochheiligen Opfer auf ihren Altären hegt , die Besiegelung dieses Wunders umfassen . Die Kirche , die den eucharistischen Christus besitzt - ist die ewig lebende Stiftung der göttlichen Liebe , denn ihr Mittelpunkt ist sein ewig lebendiges , wahrhaft und wesenhaft gegenwärtiges Herz . Und weil sie das ist und das hat , so ist sie - und nur sie ! für alle Zeiten der Welt ihrer Fortdauer gewiß und ihr - nur ihr ! gehört die Zukunft an . Das wußten die alten todesfreudigen Martyrer . Der eucharistische Christus war der Nerv ihres Lebens , ihres Todes . Sie starben mit ihm für uns . Sie glaubten nicht im Stande zu sein , die namenlosen Schrecknisse der vervielfältigten Folterqualen aushalten zu können , wenn sie nicht zuvor mit ihm durch die heilige Kommunion sich vereinigt hatten . Daher wendeten die Anverwandten und die Priester alle Mittel an , die größten Geldsummen auf , um in den Kerkern , wo die Verurteilten schmachteten , das heilige Meßopfer zu feiern und ihnen den Leib des Herrn zu spenden . Und wir , Judith , wir ihre Nachfolger in der grausigen Arena der Welt , wie Sie sagen , wir sollen ja auch Martyrer am Herzen werden , indem wir ihm durch die Flammen der heiligen Liebe alles Ungöttliche und Irdische langsam , langsam , lebenslang ausbrennen lassen . Wir sind ja auch Gefangene im Kerker des Leibes , Verurteilte zum Tode , Verurteilte , die zuvor Meere von Trübsal und Drangsal durchschwimmen müssen und immer Kopf und Herz höher behalten müssen , als ihre Wellen und Fluten . Was gibt uns dazu den Nerv und den langen Atemzug ? der eucharistische Christus ! Er bevölkerte die alte Welt mit Martyrern und die späteren Tage mit Martyrern - immer mit der Art , die am meisten die Verherrlichung Gottes förderte . Und so wird es bleiben bis zum Ende der Zeiten ; denn die heilige Liebe , Judith , ist ein Martertum und muß es sein , weil sie am Kreuz geboren ist und vom Herzen Jesu sich nährt . « » Wie göttlich wird das Leben im Licht des Glaubens ! « rief Judith entzückt . Ihr zusammengekrümmtes , staubumwölktes Herz erhob sich gerade und frisch vor der Gnadenluft , die vom göttlichen Opfer auf dem Altar sie anwehte . Jeder edle Instinkt ihrer Seele und jeder hohe Aufflug ihres Geistes fand Maß , Schwung , Ziel . » Ich habe , « fuhr sie fort , » nicht die leiseste Ahnung , wie sich mein ferneres Leben gestalten und auf welchem Punkt unseres Erdballs ich mein Zelt aufschlagen werde ; ich muß brechen mit meinen Freunden und Freuden , mit meinen Beschäftigungen , ja , mit meinem Talent , damit ich tot für Orest sei ; aber ich weiß eines : der gräßliche Druck ist von meinem Herzen genommen , unter dem ich erlag , der sich unter allen Formen und Gestalten auf mich wälzte , den Stempel des Todes auf alle Erscheinungen prägte und der in dem Gedanken liegt : ich finde nichts , was der Mühe des Lebens wert ist ! Ich glaube , Lelio ! und nun kann ich leben ! « Er fragte sie , ob sie gesonnen sei , den Vorschlag der Oberin anzunehmen und in Trinità dei Monti zu bleiben . Sie antwortete : » O hätte ich jemand , der sich außerhalb all meiner tumultuarischen Verhältnisse befände und gleichsam von Oben herab in sie hineinblickte und zu mir spräche , wie von Oben herab : dem wollte ich folgen ! Ich bin bis jetzt immer sehr schnell zu irgend einem Entschluß gekommen . Ich ging nur mit mir selbst zu Rat , und je nachdem eine Sache mir zusagte oder nicht , entschied ich mich für oder gegen sie . Allein wenn ich bedenke , wohin ich auf diese Weise geraten bin und daß unser höchstes Opfer darin besteht , unseren egoistischen Eigenwillen zu opfern : so sehne ich mich nach erleuchteten Ratschlägen , die mich über das Richtige und das Beste aufklären und denen ich