Gelbgießers fielen , irgendeinen Einfluß auf die hehren Ruferinnen der Lüfte ausüben mögen . Bernhard Fuld unterwarf sogar die Inschriften der Glocken einer Kritik , denn der Bildner der Form ließ sie sich buchstabenweise bezahlen und Pfarrer Engeltraut hatte großen Werth darauf gelegt , die Worte des Psalmisten : » Wohl denen , die in deinem Hause wohnen , die loben dich immerdar , Sela ! « auf die große Glocke und die Worte des Propheten : » Wie lieblich sind auf den Bergen die Boten , die da Frieden verkündigen ! « auf die kleine zu setzen . Der von ihm sogar noch beantragt gewesenen , aber von Fuld gestrichenen dritten Glocke hätte er hingehen lassen , daß sie nur einfach die Jahreszahl brachte . Bernhard ' s Gast , der die Cigarren seines tschibukrauchenden Wirthes ebenso zu würdigen versteht , wie die pittoreske Lage der Veranda , ist kein Jüngling mehr und doch besitzt Herr von Terschka etwas außerordentlich Jugendliches . Von sechsunddreißig Jahren , die man ihm nach dem untrüglichen Merkmal aller Jahre , den Runzeln , die von den Schläfen nach den Augen zulaufen , geben mußte , hatte er noch ganz das Wesen eines Jünglings , jedenfalls noch immer das aus der Zeit , als er mit seinem Freunde Grafen Hugo von Salem-Camphausen unter den Offizieren zu Kiel saß , damals , als des Kronsyndikus Trauer selbst beim Weine von diesen feierlich geehrt wurde und gerade Terschka es war , der bei Gelegenheit der Nase Lucindens und eines Bildes auf einem herumgereichten Armbande die Veranlassung wurde , an eine Römerin zu erinnern , über die der Kronsyndikus in jene nächtliche Aufregung gerieth , die ihn seine noch lebende » zweite Frau « sehen ließ - und das war bereits sechs Jahre her . Schlank und behend von Gestalt , mager , wachsbleich wie ein Armenier , mit schwarzem Haar , weißen Zähnen , leidenschaftlichen schwarzen Augen , befliß sich Wenzel von Terschka völlig unbedeutend zu sein , so kindlich , so gutmüthig , wie nur irgendeinem gebornen Czechen möglich . Mit Gewandtheit folgte er jedem Gedanken seines Wirthes und ließ sich in der Morgenunterhaltung beim Genusse seiner Cigarre auf jede Aeußerung desselben mit der liebenswürdigsten Selbstentäußerung ein : » Ah ! « - » In der That ! « - » Meinen Sie wirklich ? « - Mit diesen Zwischenreden folgte er allen Ansichten , die Bernhard Fuld über die große Erbschaft aussprach , die demnächst der Auftraggeber Terschka ' s , Graf Hugo , antreten wollte . Immer wieder kehrte das ihm sicher hochwichtige Gespräch auf Harmlosigkeiten zurück , auf die Gegend , auf das Stift Lindenwerth , auf die Pferde seines Wirths , auf die Preise des Heus und der Fourrage in hiesiger Gegend , auf das erst neuerdings eröffnete Bad zu Homburg , wo Bernhard Fuld mit seiner jungen Frau vor wenig Wochen die erste Saison durchgemacht und zu erzählen wußte von einer Jagdpartie der Spielpächter im Costüm der Zeiten Ludwig ' s XIII. und einer andern im Geschmack rothgekleideter englischer Fuchspreller . Bei der geschickten Art , wie sich Wenzel von Terschka zu unterhalten wußte , lenkte er das Gespräch immer wieder auf den Beistand ein , den für seine große Erbschaft und vielleicht die zweckmäßigste Entäußerung derselben Graf Hugo in dem Fuld ' schen Hause zu finden hoffte . Bernhard , der ohne seinen erst aus der Stadt noch erwarteten , sicher zum Diner kommenden Bruder Moritz nichts Geschäftliches unternahm oder zusicherte , nicht einmal eingehend etwas erörterte , war schon mit der gleichgültigen Bemerkung hervorgetreten , daß vielleicht eine Parcellirung - das Rentabelste wäre und sich dann zu einer Recognoscirung des Terrains niemand besser eignen würde , als - par exemple - ein erfahrner Landwirth und Gütermakler Namens Löb Seligmann ... Und gerade in diesem Augenblick wurde Löb Seligmann von einem eben in seiner Toilette fertig gewordenen , in schöner , bunter Livree auftretenden Bedienten angemeldet . Terschka , der alles nur leicht zu nehmen schien , doch den Namen des Agenten sogleich zweimal sich nennen ließ , setzte bei seinem Wirth Privatgeschäfte voraus und ging auf sein Zimmer . Er besaß die Klugheit , die Dringlichkeit seines Anliegens mit nichts zu verrathen , sondern die Geschäftswelt an sich herankommen zu lassen . Fast könnte es scheinen , als hätte dies für sein lebhaftes Naturell keine kleine Aufgabe sein müssen . Mit seinen hellgelben , seidenen Handschuhen steht nun der glückliche zu Tisch Geladene vor dem dem Baronisirtwerden so nahe gerückten » Vetter « Bernhard Fuld und äußert ihm durch einen trunkenen Blick die schon oft ausgesprochene Bewunderung seiner reizenden Besitzung . Bernhard Fuld hatte die Gewohnheit , beim » Unter uns « nicht die vornehme Reserve zu beobachten , die ihm sonst eigen war ... Graf Rudolf in der » Nachtwandlerin « singt , auf die schöne Gegend blickend : » Hier das Bächlein , dort die Mühle ! « - und ebenso verklärt schaute Löb Seligmann rundum ... Bringen Sie die Quittung über die - wie viel Thaler waren es - ? fragte Bernhard . Herr Fuld , Sie werden doch sagen , daß ich meine Sache gut gemacht habe ! begann Seligmann . Sie sollen sich bauen auf den Berg den schönsten Pavillon und eine Treppe hinauf mit so viel Stufen , als ich Ihnen Jahre zu leben wünsche ! Hundert Stufen sind mir nicht genug , Herr Fuld ! Wer sagt Ihnen , daß ich einen Pavillon bauen will mit Stufen ? erwiderte Fuld und fand sich schnell in die so höchst angenehme Nachricht . Ich will nur einen Weinberg haben und mein eignes Getränk auf den Tisch , Drusenheimer Ausbruch ! Denken Sie , die Papiere stehen so , daß ich alle Tage Champagner trinken kann ? Champagner ! ... Seligmann ahnte eine bedeutsame Anspielung auf das heutige Diner , ließ seine gelbseidnen Handschuhe nicht wenig in der Sonne spielen und verzichtete still für sich auf Champagner , befriedigt vollkommen von gewöhnlichem - Johannisberger