der schwarze Diener , der jeden seiner Wünsche ihm an den Augen abzulauschen schien , ihn mit bereit gehaltenen Erfrischungen erwartete . Nur Einem hatte seltsamer Weise der Sclave sich immer bisher zu entziehen gewußt : seinen Herrn in die türkischen Bäder zu begleiten und ihn dort zu bedienen ! Der Doctor war noch mit seinem Mahle beschäftigt , das von mehreren der türkischen Offiziere getheilt wurde , und lauschte den Einzelnheiten der blutigen Schlacht , als ihm von Alexo , dem Wirth , gemeldet wurde , daß ein höherer Offizier ihn zu sprechen wünsche . Es war Graf Pisani , der ihn im selben Zimmer erwartete , in welchem er mit Apollony , dem walachischen Agenten , die für das Schicksal der Gräfin Laszlo so unheilvolle Unterredung gepflogen . Der Arzt kannte den Grafen seit den wenigen Tagen seines Aufenthalts in Widdin nur von Ansehen . Der innere Instinct seiner ehrlichen Seele warnte ihn vor dem glänzenden Tiger und er erwartete stillschweigend die Anrede . » Verzeihen Sie , Signor Dottore , daß ich Sie nach den vielen Anstrengungen noch in Anspruch nehme . Im Selamlik des Gouverneurs befindet sich eine kranke Dame , die Ihrer Hilfe bedarf . Sie ist durch Schreck und Furcht in große Nervenaufregung versetzt und es wird nöthig sein , ihr ärztlichen Beistand zu leisten . Darf ich Sie um diesen bitten ? Sobald es Ihnen genehm , wird mein Diener Sie dahin geleiten . « Der Arzt verbeugte sich . » Ich werde in einer halben Stunde bereit sein . « » Ich habe bei dem Besuch eine Bitte an Sie , Doctor , « bemerkte der Graf . » Man wird Sie nach mir fragen und Sie wahrscheinlich mit einer Botschaft an mich beauftragen . Ich bitte Sie nun , der Dame gegenüber zu thun , als sei ich Ihnen gänzlich unbekannt . Es versteht sich von selbst , daß ich Ihre ärztliche Mühwaltung honoriren werde . « Die ruhigen ernsten Augen des deutschen Mannes hatten sich finster gefaltet . » Ich biete gern meine Hilfe , Herr Graf , « sagte er gemessen , » wo sie verlangt wird . Zu Intriguen und Lügen bin ich unfähig . « Der Oberst lächelte verächtlich . » Wir mißverstehen uns , Signor Dottore . Ihre Person und Ihre Vergangenheit sind mir nicht unbekannt , und ich habe das Recht . Sie zu dem kleinen Dienst aufzufordern , den ich von Ihnen verlange . Sehen Sie dies ! « Die Hand , die er in die Brustöffnung seiner Uniform gesteckt , zeigte dem Arzt einen kleinen Gegenstand . Der Doctor fuhr unwillkürlich zurück . » Immer dies unselige Zeichen ! « sagte er schmerzlich und unwillig . » Wohin ich mich auch wende , überall verfolgt es mich . Doch , was Sie auch denken mögen , Herr Graf , ich bin es müde , meine Ehre und mein Gewissen unter einem Zwange zu beugen , den mir eine Thorheit der Jugend auferlegt hat . « » Sie verweigern den Gehorsam ? « » Ich weigere mich , eine Lüge zu sagen . Alles , was mir Ehre und Pflicht gestatten , bin ich bereit , zu thun . « Der Graf , der offenbar noch andere Aufträge beabsichtigt hatte , bedachte sich einige Augenblicke . » Ihre Weigerung , die Sie natürlich zu vertreten haben , kann in meinen Absichten nur wenig ändern . Es bleibt dabei , daß Sie sich zu der Kranken begeben , die eine in die türkische Gefangenschaft gerathene Dame von jenseits der Donau ist . Ich will Ihnen nicht weiter wehren , ihr zu sagen , daß Graf Pisani Ihnen bekannt und hier am Orte ist , aber ich habe das Recht , Sie zu ersuchen , daß Sie jedes nähere Eingehen auf meine Verhältnisse und etwaige Aufträge ablehnen . « Der Arzt verbeugte sich schweigend . » Die Dame , « fuhr der Graf fort , » mag ihre Wünsche mir auf andere Weise zugehen lassen ; ich habe selbst nichts dawider , daß Sie ihr meine Adresse geben . In einer halben Stunde wird mein Diener Sie auf dem Tschardak der Locanda erwarten . Adieu , Signor Dottore . « - - - Der Morgen sog die frischen Nebeldüfte von der wallenden wogenden Fläche des Stromes . Zu den Füßen der Gräfin Helene kniete Marutza , die walachische Dienerin . » Deine Befehle sind erfüllt , o Excellenza , meine süße Herrin , « berichtete das Mädchen in schlechtem Italienisch , » aber mein Herz ist schwer geworden bei Bestellung der Botschaft und meine Wange bleich . - Hast Du von dem Wudkoklak gehört , o schöne Herrin ? « flüsterte sie scheu . » Ich verstehe Dich nicht , Kind . Wird Graf Pisani mir Hilfe leisten in dieser eigenthümlichen Noth ? wird er kommen ? Sprich - gieb mir Antwort . « » Er wird nicht säumen , Herrin , « sagte ängstlich das Mädchen ; » wann hätte der Wudkoklak je gezögert , wenn es galt , auf seine Beute zu stürzen ? Weißt Du auch , wem ich Dein Blatt gebracht ? « » Dem Oberst Pisani , jetzt in türkischen Diensten , einem alten Freunde von mir . Er allein kann mich retten . « » Was kümmert mich sein Name in der Welt ! Er ist ein Wudkoklak - ich sah es an dem Faltenmaal auf seiner Stirn , an seiner Leichenfarbe und dem höhnischen Zug um seinen Mund ! « » Ich verstehe Dich nicht - wer ist Dein Wudkoklak ? « Das Mädchen blickte sie scheu an : » Das ist der Vampyr , der als Mensch unter den Lebendigen wandelt und die junge Braut sucht , die er zum ewigen Verderben umstricken und deren Blut er aus den blauen Adern trinken muß . « Die Gräfin schauderte . » Du bist ein thörichtes Kind und hängst an dem Aberglauben Deines Volkes ! « - - - -