- Sie seufzen ! Ach geben Sie diesem Seufzer Worte ! Lassen Sie Ihr Herz sprechen , wie das meinige zu Ihnen spricht ! Knüpfen Sie Ihr Schicksal an das meinige ! « Aurel fühlte die Hand Elwirens in der seinigen zittern , aber sie schwieg , den Blick zu Boden gesenkt . Mit gedämpfter Stimme fuhr Aurel fort : » Ein Wort , Elwire , ein einziges Wort genügt , um mich glücklich zu machen ! Können Sie dieses Wort nicht aussprechen , so dürfen Sie versichert sein , daß Kapitän Aurel nicht eine zweite dringende Bitte an Sie richten wird ! Nur jetzt , in diesem geheiligten Augenblick gestatten Sie , daß ich Ihnen einmal sagen darf : ich liebe Dich , theure Elwire ! « Aurel drückte heftig ihre Hand an seine Lippen und heftete wieder fragend sein brennendes Auge auf die liebliche zarte Gestalt . » Elwire ! « bat er . » Ist es denn so schwer , sich zu entscheiden ? Laß mich in Dein Auge schauen ! In ihm will ich lesen , ob über meinem zukünftigen Dasein der Azurbogen eines sonnigen Himmels schweben soll ! « Da erhob Elwire zögernd ihr schönes Haupt , die Blicke begegneten sich und jauchzend sanken sie einander in die Arme . » Ewig Dein ! « hauchte Elwire , als Aurel die bebende Braut wieder aufrichtete . » Möchte es mir nur auch vergönnt sein , Dir ein kleiner lichter Stern am Himmel Deines Lebens zu werden ! « Lächelnd schloß ihr Aurel den lieblichen Mund durch einen Kuß . » Zu Herta ! « sagte er . » Die Großmutter muß ihre kleine verliebte Nichte doch ein wenig schelten , daß sie unter ihren Augen mit dem schelmischen Gott Amor geheime Zwiesprach gepflogen hat . « Elwire lächelte jetzt ebenfalls schelmisch , hüpfte leichten Fußes am Arme Aurels in Herta ' s Zimmer und ließ sich von dem Kapitän der liebreichen Tante als Braut vorstellen . » Hat sie doch endlich geplaudert , der liebe Schalk ? « sagte Herta , legte die Hände der Liebenden in einander und gab ihnen ihren großmütterlichen Segen . Als gleich darauf Gilbert eintrat und die Verlobung erfuhr , schnitt er ein sehr verdrießliches Gesicht , das sich indeß sehr bald wieder aufheiterte , da er den Auftrag erhielt , am nächsten Tage nach Boberstein abzureisen . » Das ist höchst gescheidt von dem Kapitän , « sagte er nach eingenommenem Thee . » Heirathen mag ich zwar nicht , aber lieben muß ich wieder . Und dazu ist Bianca die passendste Person ! « Viertes Kapitel . Das Erwachen der Nemesis . Es schlug neun auf der Fabrikuhr . Die Nacht war finster , die Luft still . Das gewöhnliche Brausen der Haide erstarb in einem kaum bemerkbaren Säuseln und Flüstern . Als der letzte Glockenschlag verhallte , stieß die Fähre vom Lande und durchschnitt langsam die trägen schwarzen Gewässer des See ' s , der große schwere Eisschollen in Menge trieb . Auf dieser Fähre kehrte Adrian von seinem heimlichen Besuche im Raubhause zurück . Es war derselbe Abend , an dem wir die blinde Marie auf dem Zeiselhofe begrüßt haben , beinah dieselbe Stunde , in welcher Aurel Elwiren seine Liebe gestand . Adrian holte tief und seufzend Athem , als er den Lichtschein am Ufer der Insel durch die Jalousien schimmern und im Wasser des Sees sich wiederspiegeln sah . Auf diesen kleinen flimmernden Lichtpunkt heftete er sein Auge , als liege in dem schwankenden Flämmchen ein unwiderstehlicher Zauber . Die blendenden Reihen der erleuchteten Fenster der Fabrik zogen ihn heut nicht an . Wie kam es , daß Adrian sein hohles Auge unter Herzklopfen an jenen irrlicht trüben Lichtschimmer heftete , der spielend auf dem Gewässer gaukelte ? Um diesen geheimnißvollen Zauber zu begreifen , müssen wir die prächtige Wohnung des Fabrikherrn betreten und uns in dieser etwas genauer umsehen . - Hier kommen wir in ein kleines behagliches Zimmer , dessen Wände mit blauen Tapeten ausgeschlagen sind . Ein reiches Möblement gibt diesem wohnlichen Zimmer jenen fesselnden Reiz , den wahrer Comfort immer mit sich führt . Vor einem hohen und breiten , in kostbaren Goldrahmen gefaßten Spiegel brennen auf zwei dreiarmigen Leuchtern starke Wachskerzen und gießen ihr volles stilles Licht über eine weibliche Gestalt aus , die auf gesticktem Sessel in einem blendend weißen Kleide kniet und eben damit beschäftigt ist , in ihr prächtiges schwarzes Haar eine purpurrothe Camelie zu befestigen . Die schönen glänzenden Flechten sind am Hinterhaupt in einen einfachen geschmackvollen griechischen Knoten verschlungen , und nur um die Schläfe und die feinen Ohren ringeln sich einige lange Locken . Dieses Mädchen ist Bianca , die ihre Abendtoilette macht . Die zarten Hüllen des weißen Kleides mit den kurzen Aermeln , die ein breiter Spitzenbesatz umflattert , zeigen ihren schlanken und doch edlen Wuchs auf das Vortheilhafteste und erhöhen die natürliche Anmuth des schönen Geschöpfes noch durch ihre ausgesuchte Einfachheit , in welcher ein Kenner die raffinirteste Koketterie erblicken würde . Bianca betrachtet sich lange im Spiegel , läßt die starken schwarzen Locken so lange durch ihre Finger laufen , bis sie die marmorweißen vollen Schultern berühren , welche das weit ausgeschnittene Kleid nicht verhüllt . Um den schlanken Hals trägt sie ein Collier von ächten Perlen , deren reines Wasser gegen den zarten Glanz der sammetnen Haut nicht aufkommen kann . Es ist ein Geschenk Adrians , Bianca aber findet heut Abend , daß Nacken , Hals und Brust ohne diesen kostbaren Schmuck verführerischer sind , und so legt sie es denn mit kaltem Lächeln wieder in die Sammetkapsel , der sie es entnommen hat . Nun verläßt sie den Sessel , ergreift einen der Leuchter , erhebt ihn bis zur Höhe ihrer Achseln , und den Blick immer fest auf den Spiegel richtend , dreht sie sich langsam im Kreise um sich selbst . Bei diesem koketten Spiel stahl sich der Strahl des Lichtes durch die halbgeöffnete