Erwartung , um zu erfahren , was sich indessen an einer anderen Stelle für diese besonderen Verhältnisse vorbereitete . Die Gräfin d ' Aubaine war , nach der Abreise ihrer jungen Freunde von Ardoise , mit der uneigennützigen Ruhe , die der Hauptzug ihres geläuterten Karakters war , zu ihrem einsamen Leben zurückgekehrt . Lebhaft angeregt durch die Erscheinungen der geistigen Welt , die sie aus ihrer gesicherten Ruhe mit antheilvollen Blicken verfolgte , nahmen die Zusendungen aller in Paris entstehenden , neueren Schriften ihre Zeit ausreichend in Anspruch - wenn wir noch hinzufügen , daß sie das geistvolle Resumé der ihr daraus erwachsenden Betrachtungen mit absichtslosem Fleiße , sich selbst zur Prüfung , in schriftlichen Aufsätzen sammelte . Doch behielt sie nach Außen den vollständigsten Antheil für alle ihr näher gerückten Verhältnisse , und unter ihnen standen ihr die ihrer jungen Freundin jetzt am nächsten , gegen welche sie sich heilig verpflichtet hielt durch das Vertrauen , mit dem die Aeltern sie ihr als Vermächtniß übergeben hatten . Die zärtliche Freundschaft , die das junge , anziehende Wesen ihr eingeflößt , gab ihr eine genaue Kenntniß ihres feinen , leicht verletzlichen Sinnes , und ließ sie über die zweifelhaften Verhältnisse , in denen sie sich jetzt befand , eine berechtigte Unruhe empfinden . Doch hoffte sie noch immer , durch die Anwesenheit der Marquise d ' Anville in Ste . Roche , einen ausreichenden Schutz für ihren Liebling annehmen zu dürfen , und fühlte sich schmerzlich getäuscht , als sie die Nachricht zurück erhielt , wie bestimmt Elmerice sich jeder Gemeinschaft mit ihr entzogen habe , wie fest diese neuen Verhältnisse sie zu fesseln schienen . Sie hatte darüber ein langes Nachdenken und fragte die Erinnerungen ihrer Jugend um Auskunft über Emmy Gray . Aber es war ein undeutliches Bild , was sie vorfand , und weniger hatte die Zeit dies bewirkt , als die damalige Zerstörung ihres Geistes , und daß nach ihrer Genesung die ganze traurige Begebenheit wie mit heiligen Siegeln in dem Munde Aller verschlossen war , die sie umgaben . - Was sie darüber später erfuhr , war ihr durch Madame St. Albans mitgetheilt , die durch ihren Besuch , wie durch die Erwähnung der Nähe des Klosters Tabor , sie wieder zu einigem Antheile erweckt und manche Erinnerungen in ihr aufgefrischt hatte , die sie mit ihren übrigen Schmerzen fest hielt und aus denen sie jetzt einen Begriff von der Lage ihrer Elmerice schöpfte . Die finstere , feindselige Stimmung , die Emmy Gray zu der ganzen Welt trug , war für die Gräfin eine Ursache mehr , ihre junge Freundin als ein Opfer ihres Mitleidens anzusehen ; und wie sie diese weit getriebene Theilnahme mindern solle , das war der Gegenstand ihrer Ueberlegungen . Sie entwarf hierzu in einem Tage mehr Pläne , als ihr ganzes übriges Leben aufzuweisen hatte , nur immer wieder verworfen oder verändert durch ihr großes Zartgefühl . Die Furcht , mit einer Autorität aufzutreten , die sie zu edel und uneigennützig war geltend zu machen , wenn sie nicht durch wirkliche Nothwendigkeit erzeugt ward , machte , daß sie bis zu dem Gedanken gelangte , selbst nach Ste . Roche zu gehen , um durch ihre Nähe Elmerice , die sich ihr sicher nicht entziehen konnte , zu zerstreuen , ohne sie ganz der Theilnahme für ihre alte Freundin zu berauben . Aber dieß war freilich ein großer Entschluß , den die edle Franziska trotz der Aufopferungen , deren sie fähig war , doch nicht ohne eine große , innere Bewegung fassen konnte , und von dem sie eben so lebhaft wünschte , er möchte ihr erspart werden . Denn Ste . Roche war der Markstein ihres irdischen Glückes ! Ste . Roche hatte das unschuldige und tugendhafte Dasein des einzigen Mannes , den sie je geliebt , auf immer zerstört ! Wenn sie dorthin dachte , schien es ihr ein riesiges Grabmal , das Alles bedeckte , was ihr je an irdischem Besitze gehörte , - und dennoch kam der Gedanke immer wieder ; denn nur ihrem Pflichtgefühle räumte sie eine ausschließliche Herrschaft über sich ein und schon erließ sie einzelne Fragen an Lorint über den Bestand der Reiseequipagen , welche die ganze Dienerschaft in Erstaunen setzten , da die Gräfin seit zehn Jahren das Schloß nicht verlassen hatte . - In einem jener zierlichen Blätterklosets , welche die Gartenkunst des damaligen Jahrhunderts bestrebt war , mit möglichster Täuschung der Natur abzuringen , ruhte die Gräfin d ' Aubaine und sah durch den hohen Bogen des grünen Eingangthores eine große , schnurgrade gepflanzte Allee riesenhoher Platanen entlang , die mit einem malerischen Prospekte auf das Schloß endete , als sie Monsieur Lorint gewahrte , der mit den weiß seidenen Strümpfen , dem gestickten Scharlachrocke und der kleinen weißen Stutzperücke , eine kleidende Staffage dieser einsamen Blätterarchitektur ward . Als er näher trat , bemerkte sie den Glanz des silbernen Tellers in seiner Hand und war nun gewiß , er brächte ihr Briefe . Sie hoffte aus Ste . Roche - und stand auf , um , ihm entgegengehend , sie früher in Empfang nehmen zu können . Der alte , etwas korpulente Herr beeiferte sich bei dieser Bewegung seiner angebeteten Gebieterin , sie so schnell , als möglich , zu erreichen , und bald stand er , ganz außer Athem , mit dem reich belegten Teller vor der Gräfin . » Zwei Briefe von meiner Nichte ? « rief die Gräfin . - » Ja , Euer Gnaden , durch zwei sich schnell folgende Boten ; außerdem befindet sich noch ein Courier anwesend , der Euer Gnaden eine fremde Herrschaft anzumelden kömmt . « - » Nun , und wenn ? « sagte die Gräfin zerstreut und , schon in den ersten Brief ihrer Nichte vertieft , kaum Lorint ' s Worte beachtend . Lorint schwieg daher , sich vor das Kloset zurückziehend . Mit welcher Freude nun auch die erste , begeisterte Erzählung der Marquise von