ohne daß er wußte wie ? mit einem Gegner versehen ; alles balgte sich herum , Ohrfeigen , Püffe , Stöße regnete es , wenn auch nicht vom Himmel ; dazwischen platzten die Gewehre ab , die aber zum Glück hier alle nur mit Pulver geladen waren , und es gab eine wilde Kampf- und Blutszene ( denn schon manche Wange und Nase war aufgeschlagen ) , welche sich von der Straße nach dem angrenzenden Kornfelde wälzte , weil die Schwächeren zufällig an dieser Seite gestanden hatten und sich dorthin zurückzogen , um wenigstens auf Garben und Mandeln zu einer weicheren Niederlage zu gelangen . Als Oswald seine List selbst über die Erwartung hinaus gelungen und den Platz frei sah , winkte er Lisbeth , die in einiger Entfernung ängstlich stillgestanden hatte . Scheu ging sie über den Platz , ohne sich nach der Schlägerei umzusehen , und als sie einige hundert Schritte von dort außer dem Bereiche dieser Roheiten war , erwartete sie ihren Beschützer . - » Ich habe Ihnen Dank zu sagen für Ihren Beistand « , sprach sie , als Oswald sich ihr genähert hatte . - » Nicht den geringsten « , versetzte er . » Ich würde mich jedes Frauenzimmers angenommen haben , mit welchem ich desselben Weges gegangen wäre . « - Sie wandte sich von ihm ab und er von ihr und beide gingen in der früheren Weise weiter . Eine halbe Stunde von dort lag das alte Spritzenhäuschen . Dieses kleine Gebäude war unter den Streitigkeiten zweier Bauerschaften darüber , welche dasselbe zu erhalten habe ? verfallen und darauf hatten sich die beiden Bauerschaften neue Spritzenhäuser erbauen müssen . Die Wolken des Himmels schauten durch die Öffnungen im Dache und die Lüfte des Feldes fuhren zur Türöffnung hinein und zu den Löchern in dem lehmernen Fachwerke wieder hinaus . - In diesem luftigen Lusthäuschen hatte der Küster sein Mittagsquartier aufgeschlagen , um eine recht vergnügliche Mahlzeit zu halten , nach welcher sein Sinn mit einem besonderen Verlangen stand . Er saß auf altem Holzwerk , welches sich dort noch hatte vorfinden lassen ; vor ihm war eine Serviette ausgebreitet , auf welche die Magd nun Brot und Fleisch legte , auch eine Flasche Wein stellte , die man ihm auf besonderes Wünschen vom Oberhofe hatte mitgeben müssen , weil er seiner Versicherung nach am Hochzeittage der Furcht vor dem Schulmeister wegen zu keinem ordentlichen Schlucke gekommen war . Die ganze Zurüstung dieses ländlichen Mahles ließ der Küster mit einem feierlichen Schmunzeln geschehen . Er weidete sich wie es schien an den großen Augen der Magd , welche nicht begriff , warum ihr Herr , der , wenn er sonst im Freien etwas verzehrte , ein Stück Brot ohne viele Umstände aus der Tasche aß , zu dieser Mahlzeit so schwerfällige Vorbereitungen machen ließ . Nachdem alles Eßbare aufgesetzt worden war , und die Magd ein Glas Wein eingeschenkt hatte ( denn auch ein Glas war vom Oberhofe leihweise mitgegeben worden ) , teilte der Küster seiner Dienerin ein Stück Brot und Fleisch zu und fragte sie dann , bevor er selbst anbiß , was sie wohl davon denke , daß er sich hier so häuslich niederlasse und sein Mittagsessen im Freien halte ? » Ja , was soll ich davon denken ? « erwiderte die Magd . - » Ich denke , es gibt hin und wieder kuriose Einfälle , die dem Menschen anwehen , wie der Wind . « » Du denkst das vermutlich nur , Gudel , weil wir uns hier im Winde befinden , der allerdings einigermaßen stark durch das Spritzenhäuschen hindurchzieht . Nicht ein bloßer kurioser Einfall ist es von mir , im Freien hier mir gehörig decken zu lassen , sondern lange hatte ich mir vorgenommen und nur immer nicht der Gelegenheit dazu habhaft werden können , einmal Hochzeitfreude ohne den lästigen Zwang , den mir mein Stand auferlegt , zu genießen . Es war dieses mein dritter und größter Lebenswunsch . Denn wohl mag mancher , der draußen umherschleicht , den Küster beneiden , daß er sich an der Hochzeittafel so vollstopfen kann , wie jener denkt , weil er nahe der Schüssel sitzt , und ihm unter den ersten stets präsentiert wird . Aber die Bürde des Amtes beachtet der oberflächliche Urteiler nicht ! Keinen beschäftigteren Mann gibt es wohl auf einer Hochzeit als den Küster . Denn erst muß er singen und dann muß er beten und über Tische die Augen allerorten haben , seinen zierlichen Spaß anbringen zur rechten Zeit und in rechten Einschnitten , und abtrumpfen , wer sich zu mausig macht und ermuntern , wer wie ein Tuckmäuser dasitzt . Während dieser Amtshandlungen ißt und trinkt nun zwar ein Küster , was er kann , aber auch nur gleichsam pflichtmäßig schlingt er alles hinunter , ohne rechtes Gefühl von Speise und Trank . Weshalb ich sagen darf , daß mir von den mehreren hundert Hochzeiten , denen ich beigewohnt habe , wenig Erinnerung verblieben ist . Nun aber muß es nach meiner Überzeugung eine der schönsten Empfindungen sein , in voller Seelenruhe und in dankbarer Erhebung zu Gott , dem Geber alles Guten , zugleich der Festesspeise und Tränkung froh zu werden , zu genießen und dabei der feierlichen Gelegenheit zu denken , bei welcher man genießt , des Tages , an welchem ein von Gott selbst gestifteter Stand sich begründet . Diese aus Erbauung und Wohlgeschmack zusammengesetzte Empfindung hätte ich gern schon lange einmal gehabt , konnte aber wie gesagt auf den Hochzeitschmäusen selbst nie dazu gelangen . Als ich nun im Oberhofe vorgestern durch gerechte Furcht vor einem Rasenden um alle Hungersstillung gebracht wurde , erkannte ich plötzlich den Finger Gottes und entschloß mich sogleich zu diesem meinem heutigen Hochzeitnachschmause , den ich denn auch bei noch frischer Erinnerung an Predigt , Lied , Orgelspiel , abgelegt die Last meines Amtes , abgestreift die Fessel des Ranges , hier unter Gottes freiem Himmel ( denn das Dach des