und den Frieden herunterrief ? - O daß sie es nur wagte , ihm beides vorzuspielen ! Und kann sie das vergessen ? « Julienne kam endlich zum Worte » So setz es denn ; ist Idoine aber nicht edel und fromm ? « - » Ich habe nichts wider sie und nichts für sie « ( antwortete Linda ) - » Wenn aber Er sie nun sieht , wenn er die Fromme noch einmal der Verstorbnen ähnlich findet , wenn die ganze erste Liebe umkehrt und über die zweite triumphiert ? ... Bei Gott ! Nein , « ( setzte sie stolz und stark dazu ) » nein , das duld ' ich nicht ; bitten will ich nicht , weinen nicht , oder resignieren , um ihn aber kämpfen will ich . - Bin ich nicht auch schön ? Ich bin schöner , und mein Geist ist kühner geschaffen für seinen . Was kann sie geben , was ich ihm nicht dreifach biete ? Ich wills ihm geben , mein Glück , mein Dasein , auch meine Freiheit , ich kann ihn so gut heiraten wie sie , ich wills .... O sprich , Julienne ! Aber du bist eine kalte Deutsche und ihr heimlich zugetan aus gleicher Gottesfurcht . O Gott , Julienne , bin ich denn schön ? Beteuer ' es mir doch ! Bin ich der Verklärten gar nicht ähnlich ? Säh ' ich nur so aus , wie er es gerade wollte ! Warum war ich nicht seine erste Liebe und seine Liane und wäre auch gestorben ? - Gute Julienne , warum sprichst du nicht ? « » Lasse mich nur sprechen « , sagte diese , wiewohl nicht ganz wahr . Sie war ergriffen und gestraft von Lindas treffender Wahrheit und vom eignen Bewußtsein , daß sie einen Plan , Lindas Vorurteile gegen die Ehe aufzulösen , angelegt , dessen Hülfsmittel ihr von Linda gerade als Rechtfertigungen der Eifersucht vorgezählt worden ; und daß sie einen Felsen auf der Spitze eines Felsen in Bewegung und in den Fall gebracht , den sie nun nicht mehr regieren konnte . Auch war sie betäubt , ja erzürnt von einem ihr fremden Ungestüm der Liebe , vor welchem sie den verhaßten Trost gar nicht aussprechen durfte , daß Albano stets nach der Pflicht der Treue handeln würde . - Schön war sie überrascht von der geglückten Bekehrung zum Trauungs-Ja . Mit einiger Ungewißheit des Erfolgs bei Linda , die durch das Mondlicht und die ferne milde Bergmusik nur stürmischer geworden , fuhr sie fort : » Ich wollte dich nicht gern unterbrechen mit dem Lobe deines Entschlusses zur Ehe - Unrecht hast du sonst in allen Stücken . Freilich ist Sie jetzt ernster ; aber sie stand am Sterbebette ihres Ebenbildes und sah sich in Lianen erbleichen - das mäßigt sehr . Ihn anlangend : so , hätt ' Er dich früher gesehen .... « » Sah er nicht früh das Bild auf dem Lago maggiore , aber unähnlich , wie er sagt ? « » So will ich dirs denn gestehen , Wilde , « ( versetzte Julienne ) » weil man dich nicht überraschen soll , daß ich ihn gestern gebeten , mit zur Prinzessin zu reisen , und daß er eben aus Rücksicht und Kälte gegen alle Ähnlichkeiten mir es derb abgeschlagen ; aber morgen erwartet er uns im Prinzengarten . « Verändert - weich - mit verklärten Augen sagte Linda mit gesunkner Stimme : » Mein Freund liebt mich so sehr ? - Ich lieb ' ihn aber auch sehr , den Reinen . Morgen will ich zu ihm sagen : nimm meine Freiheit und bleibe ewig bei mir . Vom Altare ziehen wir davon , meine Julienne , du und er und ich , nach Valencia , nach Isola bella , oder wohin er will , und bleiben beisammen . Du guter Mond und Musik ! Wie die Töne und die Strahlen so kindlich miteinander spielen ! - Umarme mich , meine Geliebte , vergib , daß Linda unartig gewesen ! « - Hier war der Sturm des Herzens in süßes Weinen zergangen . So wird in den Ländern unter der scheitel-rechten Sonne täglich der blaue Himmel Donner , Sturm und schwarzer Regen , und täglich geht die Sonne wieder blau und golden unter . Julienne versetzte bloß : » Schön ! nun wollen wir hinauf ! « , weniger als sie zu schnellen Übergängen fähig . Als sie oben die stille , helle , nichts begehrende Idoine wiedersah - die fest und heiter Handelnde - klagenlos und hoffnungslos - nur den Ährenkranz der Taten , nie den blumigen Brautkranz tragend - so viele weiße Blüten zu ihren Füßen , die zu keinem Kranz und Gewinde zusammengehen - ihre helle reine Seele einem hellen reinen Tone gleich , der seinen Reiz durch nasse wolkige Luft ungetrübt und ungebrochen trägt : so fühlte sie , Idoine sei ihr schwesterlicher verwandt als Linda , jene sei ihr ein Ideal und Sternbild in ihrem Himmel über ihr , diese ein fremdes , das fern und unsichtbar in einer zweiten Halbkugel des Himmels glänzt ; aber in ihr wirkte die weibliche Kraft , fortzulieben fast bis in den Haß hinein , stärker als in irgendeiner Frau , und sie blieb der alten Freundin getreu . Idoine gehörte unter die weiblichen Seelen , die dem Monde ähnlich sind : blaß und matt muß er am prächtigen Abendhimmel , den Glanz und brennende Wolken schmücken , stehen und kann auf der Erde keinen einzigen Schatten verdrängen und steigt mit unsichtbaren Strahlen , aber das fremde Licht verbleicht , und seines wächset aus dem Schatten auf , bis zuletzt sein überirdischer Glanz die Erden-Nacht umzieht und in eine zweite Welt umkleidet , und alle Herzen lieben ihn weinend , und die Nachtigallen singen in seinen Strahlen . Alles war nun bestimmt und geendigt . Linda hielt sich in ihrer Ferne und bloß aus Gesetz der geselligen Artigkeit