Krug , wo er sich vorläufig mit Krüger Scharwenka behelfen mußte , denn von den andern Bauern war noch keiner da . » Nun ist ja der General auch fort « , sagte Sahnepott und sah so wichtig aus , als ob er wieder von » Tiegel-Schulzen « und dem Schwedter Markgrafen erzählen wollte . » Ich hab ihn heute nachmittag auf der brandroten Fuchsstute nach Frankfurt reiten sehen . Er ritt über den Forstacker . Es war so Klocker vier . « » Das kann nicht sein , Sahnepott « , erwiderte Scharwenka . » Und warum nicht ? « » Erstens , weil die Fuchsstute tot ist ; ich habe sie selber fallen sehen , keine zehn Schritt von der Pappel , wo sie nachher den Konrektor erschossen haben , und dann zweitens , weil er heute nachmittag ( ich meine den General ) in unseres Alten Kaleschwagen an mir vorbeigefahren ist . So Klocker drei . Die Ponies waren vorgespannt , und der Shetländer ging als Handpferd . « Kallies schüttelte den Kopf . » Du verstehst mich nich , Scharwenka . Das is es ja gerade , was ich meine . Nach Küstrin hin in der Kalesche und nach Frankfurt hin auf der Fuchsstute . Du hast sie fallen sehn . Gut . Aber tot oder nicht , macht keinen Unterschied . So was kommt vor . Du mußt doch wissen , was es mit ihm is . Uhlenhorst ... « Hier brach das Gespräch ab , weil andere Bauern eintraten , unter ihnen auch Kniehase , vor dem Kallies eine Scheu hatte . Ganz besonders , wenn er sich mit Uhlenhorstschen Federn schmücken und allerhand schabernacksche Konventikler-Visionen in Kurs setzen wollte . Siebenundzwanzigstes Kapitel » Und eine Prinzessin kommt ins Haus « Eine Woche war vergangen . Die Strohschütten , die vor dem Hause lagen , waren weggeschafft worden , aber alles ging leise , als wäre noch jemand da , der nicht gestört werden dürfe . Renate hatte seit jenem Abend , wo wir sie zuletzt sahen , das obere Stock nicht mehr verlassen , und um ihretwillen war es , daß sich der Ton des Hauses dämpfte . Berndt arbeitete viel ; im Erdgeschoß , auf spezielles Geheiß der Schorlemmer , standen zwei , drei Fenster auf , um das » Bammesche « wieder hinauszulassen , und statt Hoppenmariekens - von der es im Dorfe hieß , daß sie drei Nächte lang auf ihrem Grabe gesessen habe - erschienen abwechselnd Krist und Hanne Bogun , um Briefe und Zeitungen auf den Tisch zu legen . Es war eine rechte Jeetze-Zeit , alles still und grau und mit schwarzen Gamaschen ; der alte Jeetze selbst aber , der kaum noch Dienst hatte , saß halbe Stunden lang neben der Binsenmatte und plauderte mit Hektor . So vergingen die Tage . Marie kam oft vormittags schon und stieg zu Renaten hinauf , um ihr vorzulesen oder zu erzählen . Nur von Tubal sprach sie nicht . Darnach begab sie sich zu Lewin in das Eckzimmer hinunter , der ihrer schon wartete , und sie saßen dann am Kamin oder in der tiefen Fensternische und gedachten vergangener stiller Tage , am liebsten des letzten Weihnachtsfestes und jenes schönen Plauderabends , wo sie , den hohen Christbaum zwischen sich , über seine hohe Spitze hinweg , die goldenen Nüsse geworfen und gefangen hatten . Von ihrem Glücke schwiegen sie , denn sie hatten eine Scheu , daß es fortfliegen könnte , wenn es genannt würde . Nur einmal kam es wie von ungefähr dazu . Das war an dem Tage , wo der Bohlsdorfsche Pastor , auf einer Dienstreise begriffen , bei seinem Hohen-Vietzer Amtsbruder vorgesprochen und zugleich auch einen Besuch auf dem Schulzenhofe gemacht hatte . Als Marie davon erzählte , sagte Lewin : » Ach , du weißt nicht , Marie , wieviel ich diesem alten Bohlsdorf und seiner Kirche verdanke . Vor allem dich . Dort begann ich zu genesen , noch eh ich wußte , daß ich krank war . Wie blind ich doch war und wie selbstsüchtig ! Aber nun hab ich sehen gelernt und habe dich , dich , mein Glück und meine Goldstern-Prinzessin . « Es war unmittelbar nach diesen Worten , daß Berndt in das Zimmer trat und , das Erröten Maries wahrnehmend , ihr lächelnd und mit väterlicher Zärtlichkeit die Stirn küßte . Sie sah vor sich nieder und zitterte vor Bewegung , denn sie fühlte wohl , was ihr dieser Augenblick bedeute . Gleich darauf verabschiedete sie sich , um Vater und Sohn allein zu lassen . Als sie gegangen war , sagte Berndt : » Ich freue mich eures Glücks , Lewin , trotzdem ich noch nicht weiß , was ich all den Vitzewitzes , die draußen in der Halle hängen , zu sagen haben werde , wenn ich über kurz oder lang an anderer Stelle unter ihnen erscheine . Aber ich werde noch manch anderes vor ihnen zu verantworten haben . Ungehorsam und Auflehnung standen auch nicht in unserem Hauskatechismus , und ich denke , eines rechnet sich dann ins andere , und das Kleine wird in dem Großen mit aufgehen . Und nun nichts mehr davon . Ist es in den Sternen anders beschlossen , so wird eine französische Kugel mitsprechen . Gott verhüt es ! Haben wir dich aber wieder , so haben wir auch Hochzeit . Und eines weiß ich , sie wird uns freilich den Stammbaum , aber nicht die Profile verderben , nicht die Profile und nicht die Gesinnung . Und das beides ist das Beste , was der Adel hat . « Und abermals lagen Tage zurück , und Renate , die sich in ihren einsamen Stunden wenn nicht die Heiterkeit , so doch die Klarheit ihrer Seele zurückgewonnen hatte , saß wieder teilnehmend im Kreise der Ihrigen . Am andern Morgen sollten Lewin und Hirschfeldt nach Breslau hin aufbrechen . Sie waren in Vorbereitung für ihre Reise und