andere zu gleicher Zeit ? Ach , es mochte mir in dieser Stunde wohl die Ahnung kommen von der Tiefe jener melancholischen Weisheit , daß es schwer , daß es unmöglich sei , Gott zu dienen und dem Mammon ! Achtzehntes Capitel . Ich hatte mich auf eine Bank gesetzt , die hier in dichtem Baum- und Buschwerk stand . Es war ein lauschiges Plätzchen . Die Vögel zwitscherten gar vergnüglich ; ein leiser Wind , der aus dem Garten heranwehte , trug süßen Wohlgeruch auf seinen weichen Schwingen ; von dem blauen Himmel strahlte eine warme , erquickliche Sonne - der Ort war so lieblich und die Stunde war so schön , und ich mußte denn doch der holden Lockung folgen , so sehr ich ihr auch heute wiederstrebte . Mein Blut fing an ruhiger zu fließen , ich begann mich für ein Spechtpärchen zu interessiren , das in dem Astloch eines benachbarten , kürzlich erst aus dem Rossow ' schen Park hierher verpflanzten Baumes seine junge Wirtschaft angesiedelt hatte und zu der engen Oeffnung aus- und einschlüpfte : es war ein so friedliches , liebes Bild ; die Thierchen hatten es so eilig und waren so unermüdlich fleißig und alles offenbar aus eitel Liebe - die Welt war am Ende doch nicht so schlecht , wie sie mir eben erschienen war . Und mit diesen Gedanken mußte ich die Augen geschlossen haben , wohl gar eingeschlafen sein , denn ich sah , wie mir gegenüber die Büsche , hinter welchen ein Pfad vorüberführte , auseinandergebogen wurden , und in der so entstandenen Oeffnung ein Gesicht sich zeigte : ein schönes Mädchengesicht , auf dem die Sonnenlichter mit den Schatten der Zweige spielten , und das ich in Folge dessen , und weil ich es eben nur träumte , nicht genau genug sehen konnte , um zu entscheiden , ob das , was in den Augen glänzte , Zorn war oder Liebe . Als ich selbst die Augen wieder öffnete , sah ich wohl die Stelle in den Büschen noch ganz deutlich , aber natürlich das holde Gesicht nicht mehr ; dafür schlug in diesem Augenblicke helles Lachen an mein Ohr , und laute Worte und Peitschenknall und dazwischen ängstliche Rufe , wie einer Bittenden und plötzlich ein geller Angstschrei , der mich von der Bank auffahren und nach dem Orte hineilt ließ , von welchem der Lärm zu mir herüberschallte . Es war ein ebenfalls mit Buschwerk umgebener runder Platz , der als Reitbahn benutzt wurde , und von mir selbst während meines Aufenthaltes wiederholt benutzt worden war , indem ich unter Aufsicht und Leitung des alten Kutschers Anton , eines früheren Cavalleristen , meine etwas lückenhafte Kenntniß der equestrischen Kunst zu erweitern mich bestrebte . Wir hatten das in der ersten Morgenfrühe in aller Stille gethan , weil ich wußte , daß Hermine , die eine leidenschaftliche Reiterin war , während des Vormittags bald früher oder später eine Stunde Schule zu reiten pflegte . Neuerdings hatte mir Anton noch anvertraut , daß auch Fräulein Duff an diesen Uebungen Theil nehme , auf Wunsch des gnädigen Fräuleins , die es sich plötzlich in den Kopf gesetzt , auf ihren Ausflügen und Besuchen in der Nachbarschaft außer dem Reitknecht , den sie noch dazu oft genug zu Hause lasse , eine Begleiterin zu haben . Die Sache war mir , trotzdem sie mir der alte Anton , der gar nicht wie ein Schelm aussah , mit dem ernsthaftesten Gesicht versichert hatte , ganz unglaublich erschienen ; jetzt sollte ich mich von der Wahrheit der seltsamen Nachricht überzeugen . In der Mitte der Reitbahn standen Arthur , der mit einer großen Peitsche unaufhörlich knallte ; Hermine , die sehr lachte ; die beiden Eleonoren - noch in Unschuld-Weiß - die sich umschlungen hielten ; zuletzt Anton , der offenbar nicht wußte , ob er dem mehrmals wiederholten Befehle Arthur ' s : » daß Sie sich nicht unterstehen ! « Folge leisten , oder den flehentlichen Bitten Fräulein Duff ' s nachkommen und der Aermsten vom Pferde herabhelfen sollte . Es schien , als ob man eben die Longe , vielleicht zum ersten Mal , losgelassen hatte , und die ungeschickte und überaus furchtsame Reiterin darüber in tödtliche Angst gerathen sei . Wenigstens hatte sie in diesem Augenblicke ihre beiden Arme in voller Verzweiflung um den Hals des Pferdes - eines kleinen , krausmähnigen , ponyartigen Thieres - geschlungen , das seinerseits wieder die bereits halb aus dem Sattel Geschleuderte vollends abzustreifen suchte , und mit gesenktem Kopfe unaufhörlich hinten ausschlug . Das sah nun allerdings unglaublich lächerlich aus ; aber ich konnte doch meine gute Freundin nicht einen Augenblick in der Situation sehen , ohne ihr zu helfen , und so war ich denn mit ein paar raschen Schritten an ihrer Seite , und hatte sie , die mir ihre Arme sofort entgegenstreckte , aus dem Sattel gehoben . Ich wollte sie nun sanft auf die Erde gleiten lassen , aber vergebens , daß ich ihr mit leisen Worten zuredete , doch verständig zu sein und keine Scene zu machen . Wie sie vorhin den Hals des Pferdes umklammert hatte , so umklammerte sie jetzt den meinigen , und schien die größte Lust zu haben , in meinen Armen , an meiner Brust ohnmächtig zu werden . Mag nun gleich eine derartige Situation unter Umständen für den Ritter nicht ohne alle Reize sein , so wird sie bedenklich , falls seine holde Last durchaus in den Jahren ist , in ihren eigenen Schuhen stehen zu können , und geradezu unerträglich , wenn die Umstehenden , anstatt sich seiner zu erbarmen , und ihn von seiner Bürde zu befreien , die Hände nur regen , um wie toll zu klatschen und in ein nicht endenwollendes Gelächter ausbrechen . Und das Letztere thaten wenigstens Hermine und Arthur , während von den beiden Eleonoren die zweite die erste vorläufig nur fragend ansah , ob sie lachen dürfe . » Duff ' chen