um die Wonne zu kennen , daß wir uns nicht auf uns selbst , sondern auf unseren göttlichen Kampfgenossen zu verlassen haben ? O Judith ! die Menschen wollen immer so hoch hinaus und wollen immer die ganze Welt zu ihren Füßen sehen ; und auch Sie wollten es . O , wenn doch die Menschen die wahre Erkenntnis ihrer Hoheit und das Bewußtsein ihres göttlichen Geschlechtes hätten , dann würden sie in Wahrheit die Welt zu ihren Füßen - nämlich als etwas so geringes sehen , daß ihre Freuden nicht eines Lächelns - ihre Schmerzen nicht eine Träne wert sind . So haben es auch die Martyrer verstanden , die in den Katakomben ruhen . Sie waren meistens im Heidentum aufgewachsen , oft in den glücklichsten , glänzendsten Verhältnissen . Da rührte die Gnade ihr Herz an , sie erkannten die Wahrheit , sie legten ihr Zeugnis für sie ab ; und wo ? auf der Folterbank , auf dem Scheiterhaufen , vor den wilden Tieren . So stark waren sie in dem Gott , an den sie glaubten , auf den sie hofften , den sie liebten . « » Ach Lelio ! « rief Judith , » mir kommt die Welt zuweilen wie eine Arena voll wilder Tiere vor und gewiß hat die christliche Seele in ihr manches Martyrium zu bestehen , das der Siegespalme würdig ist . « » Gott Dank dafür ! « sagte Lelio . » Es wäre ja sehr traurig , wenn uns die Martyrer nichts übrig gelassen hätten . « Dann teilte er ihr mit , was Hyazinth und Corona hinsichtlich der Tauffeierlichkeit abgemacht hatten , und setzte hinzu , er werde sie in der Frühe um vier Uhr abholen . » Aber heimlich ! aber in aller Stille ! « sprach Judith . » Ich weiß nicht warum - allein ich schwebe in zitternder Angst , daß Graf Orest auf den Einfall kommen könnte , meine Taufe zu hindern - mich gewaltsam fortzuschleppen . « » Solche Ängste hat man immer , wenn man der Erfüllung eines großen Glückes , eines heißersehnten Wunsches nahe ist , « erwiderte Lelio beruhigend . » Das Menschenherz weiß instinktmäßig , daß das Glück auf Erden äußerst flüchtig ist ; da fürchtet es denn leer auszugehen . « » Nein , « entgegnete Judith , » meine Angst entspringt aus Angst um Orest . Er sieht das Sündhafte unseres Verhältnisses nicht ein ; er fühlt sich tötlich verletzt und bei seiner unbezähmbaren Leidenschaftlichkeit liegt es nahe , Rache nehmen zu wollen . Möge sie mich treffen .... aber als Christin . « » Ah ! Sie möchten auch Martyrin werden und wegen Ihres freudigen Glaubensbekenntnisses Verfolgung und Tod zu leiden haben ! « rief Lelio heiter . » Seien Sie getrost , Judith : das Leid wird Ihnen nicht fehlen ! dies prophezeie ich abermals und mit großer Sicherheit . Machen wir ernst mit Gott : so macht er ernst mit uns . In dem Maß , wie wir ihn lieben , legt er uns Kreuze auf . « » Und meine Natur hat einen solchen Abscheu gegen das Leid ! « rief sie . » Art der Natur überhaupt , « entgegnete Lelio gelassen , » und bleibt auch ihre Art. Der heilige Johannes Chrysostomus bezeugt es , indem er schreibt : Die Gnade ändert nicht unsere Natur , wohl aber unseren bösen Willen ; er will Ihnen damit sagen : Die Gnade gibt dir die Kraft , Gott zu lieben und durch diese Liebe den Willen , das Kreuz - diesen Ausdruck für die Quintessenz jedes edlen Leidens - demütig anzunehmen . « » Ich werde pünktlich um vier Uhr bereit sein , « sagte Judith ; » aber Sie dürfen nicht vorfahren , sondern lassen den Wagen in einiger Entfernung auf dem Corso halten und kommen dann zu Fuß an die kleine Pforte , wo ich auf Sie warte . « » Diese Heimlichkeit hat ja in der Tat etwas Ähnlichkeit mit jener Zeit , wo die heidnische Verfolgung wütete und wo die Christen sich zur Feier des heiligsten Meßopfers und zum Empfang der Sakramente bei nächtlicher Weile in den Katakomben versammelten , ja sogar zeitweise in ihnen lebten . Die Verfolger kannten weder die Ein- und Ausgänge dieses unterirdischen Labyrinthes , noch die Wege und Stege innerhalb desselben ; und so wurden die Grabkammern der Toten zugleich die Wohnstätte der Lebenden . Mancher , der in den Katakomben das Bad der Wiedergeburt im Blut Jesu empfangen hatte , verließ sie nur , um in der Arena sein Blut für das Bekenntnis eines Glaubens zu verspritzen , dessen höchste Gnade , Vergebung der Sünden und Teilnahme am eucharistischen Opfer , ihm soeben geworden war . « Sie durchwandelten die Katakomben , die sich unterhalb der Kirche von St. Sebastian befinden - diese dunkeln , kellerhaften , unregelmäßigen Gänge , die zuweilen eng und niedrig , zuweilen breit und hoch fortlaufen , und in deren Wände sich die zugemauerten Grabnischen der Christen befinden , welche diese unzugängliche Stätte zu ihrem Dom und zu ihrem Gottesacker machen mußten , weil die heidnische Welt sie nicht auf der Erde dulden wollte . » Wie ist es möglich , an der göttlichen Stiftung der Kirche zu zweifeln , wenn man die Geschicke der ersten Jahrhunderte erwägt ! « rief Judith , nachdem Lelio ihr Einzelheiten über die Grausamkeit der Verfolgung und die Standhaftigkeit der Martyrer mitgeteilt hatte . Was nur irgend zerstörend und auflösend wirkt : die Macht des Thrones , der Haß des Unglaubens , der Druck der Masse , die Verachtung der sogenannten Gebildeten - alles wälzt sich auf sie und zwar mit den gewalttätigsten und giftigsten Mitteln . Aber sie wich keiner Gewalt und jedes Gift schied sie aus - und mit demselben Glauben , mit dem sie in die Katakomben hineingegangen war , ging sie nach drei Jahrhunderten aus ihnen hervor . So etwas ist ohne die Leitung des heiligen Geistes und