waren auf dieser Erde am Donnerstag Vormittags elf Uhr jemanden gesprochen worden in der Residenz des Kirchenfürsten . Sie wurden dann wiederholt in den Moppes ' schen Kellern , dann bei Veilchen Igelsheimer in der Rumpelgasse ; sie waren hinübergeschrieben worden gen Kocher am Fall , wo David Lippschütz mit seiner lebhaften Phantasie gewiß bereits der Mutter auseinandersetzte , was wol alles der Onkel zu essen bekommen würde bei den reichen » Vettern « , den Millionären , auf ihrem feenhaften Lustschlosse im Enneper Thale ... Löb Seligmann sang bereits seit Donnerstag keine Arie lieber , als die des Leporello im » Don Juan « : » Ihr Herr Koch , der kocht ganz vortrefflich ! « Selbst das Zwischenspiel der Violinen begleitete er mit den feurigst eingeworfenen Sechszehntelnoten : » Ganz vortrefflich , ganz vortrefflich , ganz vortrefflich ! « Nicht , daß er nicht allmählich einem gewissen innern Flüstern gewisser innerer Stimmen Gehör gegeben hätte , die ihm sagten : Seligmann , bilde dir doch nichts ein ! An seine eigene Tafel wird dich wahrhaftig der Ritter Bernhard Fuld nicht placiren unter die Grafen und die Barone ! Du wirst lediglich in der Küche beim französischen Koch oder bei der alten Regine , die Madame Bernhard Fuld aus Wien als orthodoxe Köchin mitbekommen hat von ihren Aeltern , vor oder nach dem Diner abgespeist werden ! Aber - der Schwung der Seele , der blieb denn doch ! Man hatte ihn einer Ehre gewürdigt ! Man hatte ihm Erlaubniß gegeben , sich verwandtschaftlicher Annäherungen zu rühmen ! Man hatte nicht hindern können , daß von Donnerstag bis zum Sonntag jeder , der geschäftlich oder nichtgeschäftlich einige Worte mit Löb Seligmann wechselte , von ihm die nur so fallen gelassenen Worte zu hören bekam : » Nächsten Sonntag , ja - richtig - aha , Sonntag , ganz recht , wo ich bei Fulds in Drusenheim speisen werde - . « Nie wurde dann den Staunenden , die das Fallengelassene überrascht aufhoben , eine Genealogie gründlicher vorgetragen , als die Abstammung und Verwandtschaft , in welcher seit Abraham , Isaak und Jakob die Seligmanns , die Lippschützens , die Igelsheimers und die Perls zu den Fulds standen . Am Samstag sah Löb Seligmann im Stadttheater noch den » Zampa « . Diese wilde Räuberoper mit ihrer rauschenden Musik , mit ihren üppigen Trinkgelagen und Tafelschwelgereien weckte ihm wieder den ganzen Humor der sonntäglichen Erwartung , den er infolge eines Streites mit Veilchen fast verloren hätte . Dieser Streit betraf einen Gegenstand , der ihn , wie wir sogleich hören werden , in die Lage versetzen konnte , sich seinem Gastgeber , Herrn Bernhard Fuld in einer Weise zu Tisch einzuführen , die diesen selbst fast dafür belohnte , so einmal seinen bescheidenen Vetter ausgezeichnet zu haben . Auf dem Dampfschiffe hielt sich Löb mit Stephan Lengenich so herausfordernd und kühn , wie der wilde Held der gestrigen Oper . Wäre er auch beim Landen , als er inzwischen , angeregt durch die Schifferkähne , zur » Stummen von Portici « übergegangen war und nicht achtend des schmalen Steges und des Menschengedränges trällerte : » Auf , singt die Barcarole ! « fast in den Fluß gefallen , so kehrte doch nach dem ersten Schrecken seine ganze Erwartungsfreudigkeit zurück . Während Lengenich zum Pfarrer ging , umkreiste er die stolze Villa seines Vetters und rüstete sich zum Eintritt . Bernhard Fuld inzwischen finden wir in der behaglichsten Stimmung eines geschäftsfreien Sonntagsvormittags . Jeune homme von einigen dreißig Jahren hat er seinen hie und da schon grauenden Bart mit großer Kunst übermalt und à la mécontent geordnet . Auf seine Veranda begibt er sich in türkischem Schlafrock mit Fes auf dem Haupte und ungarischem Tschibuk in der mit einem goldenen Siegelring geschmückten feinen etwas magern Hand ... Er ist nicht allein . Seine Gesellschaft ist ein gestern angekommener Gast , Baron Wenzel von Terschka , ein ihm geschäftlich Empfohlener von einem Freunde der Familie seiner Frau ... Und während diese sich noch hinter einem blumengeschmückten Fenster oben bei ihrer Toilette befindet , die heute eine neu aus Paris gekommene war , da sie ein größeres Diner , Nachmittags großen Kaffee hatte , ergingen sich der Wirth und Herr von Terschka ( dieser schon in vollständigster Mise ) in Naturbewunderung , Börsencursen , Louis Philippistischer Politik und Pferdezucht . Der neue Stall war besehen worden , Terschka ' s Kennerwort vernommen , Homburger und Baden-Badener Grafen und Barone , die sich vielleicht als Traineurs auszeichneten und von zwei alten magern Pferden , d.h. Wettrennern , mit denen sie Preise gewannen , lebten , waren mannichfach als Autoritäten für diese oder jene Fütterungsmethode citirt worden , kurz , man konnte sich jetzt mit Behaglichkeit dem Blumenduft und der zauberischen Aussicht hingeben in zwei allerliebst geformten gußeisernen Lehnstühlen . Die Besitzung hatte schon beim Ankauf , wie heute auch von der Kanzel bemerkt worden , viel Geld gekostet und mehr noch hatte man in sie hineingesteckt . Das Landhaus war , wie Terschka sagte , würdig am Comersee zu stehen ... Die nahe Kirche , die ebenfalls neu , hatte dem Erbauer allerdings in erster Frühe vor seinem Schreibtisch einige » unangenehme Viertelstunden « verursacht . Sie bot nämlich die Unbequemlichkeit , daß sie nie fertig wurde . Immer noch gab es etwas zu vervollständigen an ihr und zu ergänzen . Bald fehlten noch Chor- und Beichtstühle , Schränke in der Sakristei , allerlei von jenen Mechanismen , von denen man bei Aufbewahrung der heiligen Geräthschaften , der praktikablen Benutzung z.B. nur der Leuchter als Laie kaum eine Vorstellung hat . Was hatte der israelitische Patron der Kirche des St.-Dionysius nicht schon für unheilige Sacrebleus in die Holzschnitzereien , die Vergoldungen , die Stickereien und die Gelbgießerrechnung allein für die beiden Glocken gewettert ! Wir wollen nicht wünschen , daß die mehreren Goddams , die auch heute auf die in frühester Morgenstunde schon wieder vor dem fleißigen Rechner ausgebreiteten Noten und vorzugsweise die des