ist ein Ding , das seinen Zug an meinem Herzen vorüber genommen hatte . Ein Jahr nach dem Tode Juliens starb mein Oheim und setzte mich zu dem Erben seines beträchtlichen Vermögens ein . Meine Geschäfte wurden mir indessen von Tag zu Tag schwerer . So wie ich in früheren Zeiten schon gedacht hatte , daß der Staatsdienst meiner Eigenheit nicht entspreche , und daß ich besser täte , wenn ich ihn verließe : so wuchs dieser Gedanke bei genauerem Nachdenken und schärferem Selbstbeobachten zu immer größerer Gewißheit , und ich beschloß , meine Ämter niederzulegen . Meine Freunde suchten mich daran zu verhindern , und mancher , den ich als feste Säule des Staates kennen zu lernen Gelegenheit gehabt , und mit dem ich in schwierigen Zeiten manche harte Amtsstunde durchgemacht hatte , sagte eindringlich , daß ich meine Tätigkeit nicht einstellen sollte . Aber ich blieb unerschüttert . Ich zeigte meinen Austritt an . Der Kaiser nahm ihn wohlwollend und mit übersendeten Ehren an . Ich hatte die Absicht , mir für die letzten Tage meines Lebens einen Landsitz zu gründen , und dort einigen wissenschaftlichen Arbeiten , einigem Genusse der Kunst , so weit ich dazu fähig wäre , der Bewirtschaftung meiner Felder und Gärten und hie und da einer gemeinnützigen Maßregel für die Umgebung zu leben . Manches Mal könnte ich in die Stadt gehen , um meine alten Freunde zu besuchen , und zuweilen könnte ich eine Reise in die entfernteren Länder unternehmen . Ich ging in meine Heimat . Dort fand ich meinen Schwager schon seit vier Jahren gestorben , das Haus in fremden Händen und völlig umgebaut . Ich reiste bald wieder ab . Nach mehreren mißglückten Versuchen fand ich diesen Platz , auf dem ich jetzt lebe , und setzte mich hier fest . Ich kaufte den Asperhof , baute das Haus auf dem Hügel , und gab nach und nach der Besitzung die Gestalt , in der Ihr sie jetzt sehet . Mir hatte das Land gefallen , mir hatte diese reizende Stelle gefallen , ich kaufte noch mehrere Wiesen , Wälder und Felder hinzu , besuchte alle Teile der Umgebung , gewann meine Beschäftigung lieb , und machte mehrere Reisen in die bedeutendsten Länder Europas . So bleichten sich meine Haare , und Freude und Behagen schien sich bei mir einstellen zu wollen . Als ich schon ziemlich lange hier gewesen war , meldete man mir eines Tages , daß eine Frau den Hügel herangefahren sei , und daß sie jetzt mit einem Knaben vor den Rosen , die sich an den Wänden des Hauses befinden , stehe . Ich ging hinaus , sah den Wagen , und sah auch die Frau mit dem Knaben vor den Rosen stehen . Ich ging auf sie zu . Mathilde war es , die , einen Knaben an der Hand haltend und von strömenden Tränen überflutet , die Rosen ansah . Ihr Angesicht war gealtert , und ihre Gestalt war die einer Frau mit zunehmenden Jahren . Gustav , Gustav , rief sie , da sie mich angeblickt hatte , ich kann dich nicht anders nennen als du . Ich bin gekommen , dich des schweren Unrechtes willen , das ich dir zugefügt habe , um Vergebung zu bitten . Nimm mich einen Augenblick in dein Haus auf . Mathilde , sagte ich , sei gegrüßt , sei auf diesem Boden , sei tausend Mal gegrüßt , und halte dieses Haus für deines . Ich war mit diesen Worten zu ihr hinzugetreten , hatte ihre Hand gefaßt , und hatte sie auf den Mund geküßt . Sie ließ meine Hand nicht los , drückte sie stark , und ihr Schluchzen wurde so heftig , daß ich meinte , ihre mir noch immer so teuere Brust müsse zerspringen . Mathilde , sagte ich sanft , erhole dich . Führe mich in das Haus , sprach sie leise . Ich rief erst durch mein Glöckchen , welches ich immer bei mir trage , meinen Hausverwalter herzu und befahl ihm , Wagen und Pferde unterzubringen . Dann faßte ich Mathildens Arm und führte sie in das Haus . Als wir in dem Speisezimmer angelangt waren , sagte ich zu dem Knaben : Setze dich hier nieder und warte , bis ich mit deiner Mutter gesprochen und die Tränen , die ihr jetzt so weh tun , gemildert habe . Der Knabe sah mich traulich an , und gehorchte . Ich führte Mathilde in das Wartezimmer und bot ihr einen Sitz an . Als sie sich in die weichen Kissen niedergelassen hatte , nahm ich ihr gegenüber auf einem Stuhle Platz . Sie weinte fort ; aber ihre Tränen wurden nach und nach linder . Ich sprach nichts . Nachdem eine Zeit vergangen war , quollen ihre Tropfen sparsamer und weniger aus den Augen , und endlich trocknete sie die letzten mit ihrem Tuche ab . Wir saßen nun schweigend da und sahen einander an . Sie mochte auf meine weißen Haare schauen , und ich blickte in ihr Angesicht . Dasselbe war schon verblüht ; aber auf den Wangen und um den Mund lag der liebe Reiz und die sanfte Schwermut , die an abgeblühten Frauen so rührend sind , wenn gleichsam ein Himmel vergangener Schönheit hinter ihnen liegt , der noch nachgespiegelt wird . Ich erkannte in den Zügen die einstige prangende Jugend . Gustav , sagte sie , so sehen wir uns wieder . Ich konnte das Unrecht nicht mehr tragen , das ich dir angetan habe . Es ist kein Unrecht geschehen , Mathilde , sagte ich . Ja , du bist immer gut gewesen , antwortete sie , das wußte ich , darum bin ich gekommen . Du bist auch jetzt gut , das sagt dein liebes Auge , das noch so schön ist wie einst , da es meine Wonne war . O ich bitte dich , Gustav , verzeihe mir . O teure Mathilde , ich habe dir nichts zu