Fuad-Effendi durch seine Intriguen und Versprechungen eine starke Partei für die Pforte warb . Nur hatte der schlaue Graf ohne das Herz der jungen Frau gerechnet , dessen Geheimniß allein sie zur Uebernahme jener Rolle bewogen . Nach langem und schwerem Kampf mit dem in Wien so tief verletzten weiblichen Stolz waren dem Capitain die kurzen Zeilen geworden : » Gräfin Helene Laszlo hat die Ehre , Baron von Meyendorf ihre Anwesenheit auf Schloß Badowitza anzuzeigen und wird , wenn der Dienst ihn in diese Gegend führt , den Besuch eines Freundes mit Vergnügen empfangen . « - So kalt diese Mittheilung in ihrer conventionellen Form auch war , so genügte sie doch , wie wir gesehen haben , den Capitain nach Krajowa zu führen . Zwei Mal seither war er der schönen Frau begegnet , in Krajowa selbst und bei einem Besuche auf ihrem Gute , doch beide Male hatten der zahlreiche Hof , der die Gräfin umlagerte , und der kalte Ernst , der in dem Benehmen des Capitains lag , jede Verständigung , ja jede vertraulichere Annäherung verhindert . So fern standen sich die Herzen , die einander gehörten und die geschaffen waren , sich zu beglücken - als die Schlacht von Czetate und die Intrigue des Sarden auf ' s Neue sie trennte . Die Gräfin war bei der gewaltsamen Entführung von Schloß Badowitza durch die Dorobandschen1 , die mit einer Plünderung und einem kurzen Kampfe gegen den schwachen russischen Posten verbunden war , zwar von jeder Beleidigung verschont geblieben , aber es war ihr keiner der Schrecken , keine Gefahr ihrer Lage erspart worden . Trotz aller Bitten und Versprechungen auf eine Kerutza geworfen , von Zweien der wilden Söhne des Landes bewacht , führte die wilde Jagd der Flucht sie nach den Ufern der Donau , und vergeblich ersehnte jetzt die ungarische Patriotin Hilfe und Rettung durch die Hand der russischen Unterdrücker , denn die Zahl der zum Feinde flüchtenden Dorobandschen war so bedeutend , daß sie die schwachen begegnenden Pikets leicht in die Flucht schlug . So gelang es - während wenige Meilen davon die blutige Schlacht tobte - Apollony , dem Agenten des Sarden , im Rücken der russischen Stellung seine Beute am Nachmittag glücklich bis an ' s Ufer der Donau und zu den türkischen Posten zu bringen . In einem Boote wurde hier die Gräfin über den Strom geführt und in die Festung gebracht . Sie war so erschöpft , daß sie willenlos Alles mit sich geschehen lassen mußte . In einem abgelegenen Gemache des Selamlik ließ Sami-Pascha seine schöne Gefangene einstweilen einschließen , indem er wegen der Pläne des Obersten seine Gründe hatte , sie in das Haremlik selbst nicht aufzunehmen . Mit Schrecken gewahrte Gräfin Helene , daß alle Hoffnungen auf sofortige Befreiung sie täuschten , die sie gefaßt , als sie sich in die Hände der Türken geliefert sah . Sie blieb eine Gefangene , zwischen den öden Mauern eines türkischen Zimmers eingeschlossen , von schwarzen Sclaven bedient , und erst am Nachmittag erhielt sie eine weiße Dienerin , Marutza , die Tochter des Handja ' s , die der Pascha , als am Tage vorher Vater und Tochter nach dem Befehl Iskender-Bey ' s von den Khawassen vor sein Gericht geführt worden , zum Dienst im Haremlik bestimmt hatte , während Gawra mit einer harten Geldbuße und dem Verbot der Hanewirthschaft belegt ward . Das Mädchen verstand ein Wenig italienisch , und so konnte die Gräfin sich wenigstens verständlich machen und erfuhr , daß sie in den Händen des Pascha ' s von Widdin sei . Durch Marutza , welche frei aus- und einging , ließ die geängstete Frau alsbald eine Unterredung mit dem Pascha verlangen , aber der Erfolg derselben hatte nur dazu gedient , ihre Angst und ihre Verlegenheit zu erhöhen . Der alte Moslem fand sich in der That gegen Abend bei ihr ein , von einem seiner Eunuchen begleitet , und nahm seinen Sitz mit aller Bequemlichkeit eines türkischen Haremsherrn auf dem Divan des Gemachs , indem er mit lüsternen Augen die selbst noch in dem Zustande der Abspannung fesselnden Reize der schönen Ungarin betrachtete . Zu ihrem Schrecken erfuhr diese jetzt , daß sie nicht bloß eine Gefangene , sondern von den Dorobandschen als Beute an Sami- verhandelt worden , und daß dieser sie als eine Erwerbung seines Harems betrachtete . Vergebens berief sie sich auf ihren Stand , auf ihre Bemühungen für die türkischen Interessen , auf Graf Pisani , dessen Herbeiholung sie verlangte , der alte Moslem erwiederte ihr , daß er sie ehrlich gekauft und bezahlt habe , daß er ihren Stand nicht kenne und dieser ihm auch gleichgültig sei , daß er von keinem Anrecht auf türkischen Schutz wisse , und wich mit großer Schlauheit den Fragen und dem Verlangen nach dem Sardinier aus . » Mashallah ! « sagte der dicke Pascha , sich den Bart streichend , » was geht dieser Dschaur mich an ? Ich kenne ihn nicht , und wenn ich ihn kenne , bin ich nicht der Herr in meinem Haremlik , und was hat er dort zu schaffen ? Ich weiß nicht , ob er in Widdin ist , oder in Kalafat , oder in der Schlacht gefallen . Wallah ! was kümmert einen Gläubigen ein Kreuzträger ? « Gräfin Helene vermochte keine entscheidende Antwort zu erzielen . Der Pascha verließ sie , indem er ihr nochmals andeutete , daß sie sich als ein Mitglied seines Harems anzusehen habe . Die einzige Hilfe , die der Verzweifelnden beifiel , war , einen europäischen Arzt zu verlangen . - Doctor Welland hatte den Morgen nach der Schlacht bis zum späten Nachmittag im Lazareth zugebracht , Hunderten der armen Verwundeten , die sich zurück zum türkischen Lager zu schleppen vermocht hatten , Hilfe bringend und die traurigen Leistungen der ihm beigeordneten Unterärzte und Chirurgen beaufsichtigend . Zum Tode erschöpft , langte er in der Locanda Alexo ' s an , wo Nursah ,