sagen : Ei ! Du blonder junger Mann mit dem schüchternen , ehrlichen Antlitz ! Wo hab ' ich denn dich schon gesehen ? Man hatte nun Manches auszutauschen , was zu gegenseitiger Annäherung diente .. Siegbert war ein wenig auf Kohlen , wie das Gespräch so gar persönlich wurde und auf eine Menge Erinnerungen zurückging , bei denen Anna vertraulich die Hand der Fürstin hielt , ihr in ' s Auge sah und aus ihm die alte Zeit , die Mutter und die Vorstellung von dem Vater dieser Kinder hervorsuchen wollte . Er dankte recht der lustigen Paulowna , die allerhand Späße mit ihm trieb und ihn wol nicht hätte gehen lassen , wenn er nun auch aufgestanden wäre .. Auch Rudhard erzählte vom Vergangenen , während die Altenwyl schweigsam lauschte und fast lauerte , wie sich Anna von Harder entwickeln würde , was sich ihr wol abmerken ließe und worin sie wol so eigenthümlich wäre , wie man sagte . Und sonderbar ! Ihr Eigenthümliches war eben Das , daß sie ganz einfach war und immer nur ein gütiges Ja ! und Nein ! sagte , wo man vielleicht eine geistreiche Entgegnung hätte anbringen können . Zehnmal entfuhr ihr ein beistimmendes herzliches So ! Zehnmal ein verwundertes Ach ! Ganz einfach , wie jedem natürlichen Menschen , dessen Ohr und Herz dem Herzen Dessen folgt , der mit ihm spricht ... Vielleicht waren aber auch diese einfachen Zustimmungen ein klein wenig der Ausdruck eines inneren Grübelns , wo sie Siegbert hinbringen sollte ... Endlich fand sie es ... Nach einer Pause , wo die Mittheilungen an die gefährliche Grenze der Erwähnung Paulinen ' s von Harder und der Gräfin d ' Azimont angekommen waren und man über die betrübende Ähnlichkeit in den Verhältnissen zweier sich entfremdeter Geschwisterpaare mit verlegenem Stocken innehielt , sagte Anna von Harder , die jedoch über Helene d ' Azimont mit Güte sprach , über ihre Schwester völlig schwieg , halb zu Siegbert , halb zu den Kindern die freundlichen Worte : Die kleine Paulowna bindet da an den Finger Ringe von Blumenstengeln und weiß doch hoffentlich , daß sie die Hand eines Malers schmückt ? Siegbert angenehm überrascht , richtete sich jetzt auf und verbeugte sich , als machte er eigentlich nun erst die Begrüßung , die er nicht gewagt hatte . Sie kennen - sagte die Fürstin fragend ... Rudhard hörte mit Aufmerksamkeit und sichtlicher Freude , daß Siegbert so bekannt war .. Ich habe damals , erläuterte Anna freundlich , ich habe damals nicht gewußt , als ich dem fleißigen Zeichner in Tempelheide für das Interesse , das er an unsrer alten Kirche zeigte , in der schrecklichen Hitze einen Becher Weins zur Erfrischung anzubieten wagte , daß ich den gefeierten Maler des Jakob Molay so dürftig bewirthet hatte . Frau von Trompetta und Fräulein von Flottwitz machten mir eine Stunde darauf diese angenehme Entdeckung . Siegbert dankte für die schmeichelhafte Erinnerung und lehnte das ihm gespendete Lob in aufrichtiger Bescheidenheit ab . Anmuthig und herzlich erzählte Anna den uns bekannten Vorfall und verschwieg auch den Raben , verschwieg auch den alten Schwiegervater , ja selbst die vom Bedienten gemeldete Theilung mit einem Landstreicher nicht , wie sie doch wol etwas zu schnell dem um den Becher geängstigten Diener das Urtheil über Hackert nachsprach . Siegbert hielt eine Berichtigung und Milderung dieses Urtheils für zu weitläufig , sagte aber doch : Ihn dürstete , wie mich . Wir haben uns Beide erquickt ... Frau von Trompetta , fuhr Anna von Harder fort , während die Altenwyl immer horchte und sich gleichsam wörtlich einprägte , was sie von diesen Begegnungen heut in den kleinen Cirkeln berichten konnte , Frau von Trompetta ist glücklich über das Albumsblatt , das Sie ihr schenken werden . Wer Ihren Molay bewundert hat , kann nur etwas Schönes erwarten . Ich freue mich , daß der Kunstverein so klug war , ihn anzukaufen und würde noch glücklicher sein , wenn ich ihn mit meinen armen drei Loosen gewänne ... Siegbert wuchs bei diesen Worten ordentlich in den Augen der ganzen Umgebung . Die Fürstin fixirte ihn mit erhöhtem Interesse . Während er sich wie eine Schnecke in ihr Gehäuse hätte zurückziehen mögen , beobachteten ihn die Andern mit ehrfurchtsvollen Blicken , die Altenwyl besonders , die in ihrer Stellung doch angewiesen war , jedem im öffentlichen Leben des Staates und der Gesellschaft nur irgend hervortretenden Ereignisse oder Individuum eine gewisse huldvolle Aufmerksamkeit zuzuwenden ... Die Majestäten , sagte sie auch mit einer herablassenden Wendung ihrer sitzenden Stellung , die Majestäten haben dies Bild mit vielem Wohlgefallen betrachtet und nicht begreifen können , warum der Propst , der den Cicerone machte , soviel daran zu mäkeln fand .. Man wird doch oft ganz irr an diesem Mann ! Ein feiner Kopf konnte aus dieser Äußerung viel entnehmen . Hätte sie Gelbsattel gehört , er würde gezittert haben . Denn sie bewies , daß man bei Hofe anfing , gegen ihn eingenommen zu sein . Solche schlaue Barometermesser fehlten hier aber . Nur Siegbert erröthete und sagte achselzuckend : Der Propst ! Ich verkenne die Fehler meines Bildes nicht ! Allein die Kritik der Dilettanten ist wirklich unser Kreuz . Wir leiden mehr unter ihr als unter der der wahren Kenner , die doch oft viel strenger sind . Rudhard hielt sich nicht und schnitt der Oberhofmeisterin , die in der Furcht , fast zu viel gesagt zu haben , wieder durch ein Lob des Propstes das Gleichgewicht herstellen wollte , fast die Rede ab . Ist das Propst Gelbsattel ? sagte er . Mein ehemaliger Schüler , der Zeltgenosse Ihres Vaters ! Tadelt das Bild von dem Sohn eines Schulkameraden , jubelt nicht , so etwas begrüßen , empfehlen zu können ? Das ist garstig ! Garstig ! Es war immer ein schlimmer Patron . Portensis ! ergänzte Rurik , fast beleidigend für alle Schulpförtner . Siegbert lachte über die Weisheit des Knaben und die Damen wollten wissen